Halberstadt l Eine Seniorin aus einem Pflegeheim in Halberstadt hat am Montag mehrere Stunden lang sowohl Heimpersonal als auch Polizeibeamte in Atem gehalten. Die 81-Jährige war in den Mittagsstunden ohne Wissen der Pflegekräfte zu einem Spaziergang aufgebrochen und fand anschließend nicht ins Heim zurück. Weil die hochbetagte Frau nach Informationen der Volksstimme auch an Demenz leidet, wurde sofort die Polizei kontaktiert und in die Suche einbezogen.

Im betreffenden Heim, das der Volksstimme bekannt ist, wollte sich aus Datenschutzgründen niemand zu dem Fall äußern. In einer anderen Senioreneinrichtung im Raum Halberstadt zeigten sich die Verantwortlichen gesprächiger: "Im Prinzip sind Spaziergänge der Bewohner von offenen Pflegeeinrichtungen überhaupt kein Problem", heißt es. Problematisch werde die Situation jedoch, wenn die betreffenden Bewohner im höheren Alter sind, unter Orientierungsstörungen leiden oder ganz und gar an Demenz erkrankt sind und sich nicht mehr richtig artikulieren können.

"Wenn Sie eine Frau mit Demenz haben, die weder ihren Namen weiß noch den Namen ihrer Pflegeeinrichtung, haben Sie ganz schnell ein richtiges Problem", sagt ein Verantwortlicher. Gleichwohl gelte es, das Grundrecht der Freiheit und der freien Entscheidung zu garantieren. "Wir sind offene Einrichtungen. Wer gehen möchte, muss das tun können. Und wir dürfen natürlich niemanden festhalten." Das seien verbriefte Grundregeln, die die Pfleger und Betreuer immer wieder in Grenzbereiche brächten. "Bei 80 bis 100 Bewohnern kann es trotz aller Achtsamkeit ganz schnell passieren, dass plötzlich doch einer verschwunden ist."

Deshalb zögerten die Heimmitarbeiter im aktuellen Fall keine Sekunde. "Nachdem das Heim von Mitarbeitern abgesucht worden war, sind wir eingeschaltet und um Unterstützung gebeten worden", bestätigt Polizeisprecher Uwe Becker auf Volksstimme-Anfrage. Auch er will sich zu Details nicht äußern. Nur soviel: "Bei uns ist sofort die gesamte Maschinerie angelaufen. Neben sieben Beamten wurde auch ein Fährtenhund eingesetzt."

Letztlich endete die Suchaktion am Montag mit einem Happy End: "Wir konnten die Dame gegen 20.20 Uhr nach Zeugenhinweisen unweit der Zuckerfabrik in der Gröperstraße finden - wohlbehalten, aber leicht unterkühlt", berichtet Polizeisprecher Becker. Nicht zuletzt wegen der frühen Dunkelheit und den noch immer frostig-kalten Nächten sei der zeitliche Druck groß gewesen.

"Wir sind sehr froh über diesen Ausgang", betont der Polizeihauptkommissar, der sich für die Hinweise aus der Bevölkerung bedankt. "Wir setzen in solchen Fällen immer darauf und freuen uns über aufmerksame Mitmenschen. Wenn Senioren allein unterwegs sind und hilflos wirken, ist es im Zweifelsfall immer ratsam, die Polizei zu kontaktieren."

Worte, denen sich die Leitung eines Pflegeheims anschließt: "Ein Tipp sind übrigens Namensaufnäher in der Kleidung, die Hinweise auf das Heim geben können. Ansonsten nicht zögern und sofort die Polizei kontaktieren."