Aus dem Dornröschenschlaf wird die ehemalige Gleimschule in Halberstadt geweckt. Der Plan: Im März 2016 soll im unter Denkmalschutz stehenden Gebäude ein Ärzte- und Therapiezentrum eröffnen.

Halberstadt l Der stolze 116 Jahre alte rote Backsteinbau der ehemaligen Gleimschule in der Bismarckstraße in Halberstadt wird derzeit eingerüstet. Äußeres Zeichen dafür, dass die Investoren, die das Haus 2014 erworben haben, es aus dem Dornröschenschlaf wecken. Nach der erfolgreichen Rettung des "Haus des Friedens" ist es in diesem Wohnquartier bereits das zweite Denkmal, für das es nach langem Leerstand wieder eine Zukunft gibt.

Anfang Dezember 2014 haben die Bauherren den Startschuss zur Sanierung des Hauses gegeben, in das ein modernes Ärzte- und Therapiezentrum einziehen wird (Volksstimme berichtete).

"Bisher läuft alles nach Zeitplan", informierte Mitinvestor Jörg Gardzella gestern auf Volksstimme-Nachfrage. Obwohl es bei den Arbeiten eine Überraschung gab. Der Fußboden ist zu DDR-Zeiten zu dreiviertel mit Spanplatten belegt wurden, die mit dem Schadstoff Formaldehyd behandelt worden. Sie mussten entfernt werden. "Erst wenn man den `Patienten` öffnet, sieht man, was Sache ist und kann mit der Behandlung beginnen", stellte der Architekt aus Groß Quenstedt fest.

Alle Hände voll zu tun haben Bauarbeiter mit Abbruch-, Mauer- und Putzarbeiten im Inneren des Gebäudes. Nach Abschluss des Gerüstaufbaus übernehmen Fachleute der Werkstätten für Denkmalpflege Quedlinburg die Regie an der Fassade. Die wird gereinigt, ausgebessert und neu verfugt. Außerdem erhält das Haus ab kommender Woche eine neue Dacheindeckung, erzählte Jörg Gardzella.

Nach der Schließung der Sekundarschule war das Haus elf Jahre verwaist. Im Mai 2014 waren sich die potenziellen Käufer mit der Stadt Halberstadt einig und unterschrieben den Kaufvertrag. Insgesamt sieben in der Kreisstadt niedergelassene Internisten ziehen an einem Strang und wollen das Konzept für das Praxis- und Therapiezentrum auf die Beine stellen.

Die ausrangierte Schule bietet Platz auf 1900 Quadratmetern Nutzfläche (ohne Keller und Dachboden) und 6200 Quadratmeter Außenfläche. Pluspunkte wie das enorme Platzangebot sowie die günstige Lage mitten in der Stadt, verbunden mit kurzen Wegen für die Patienten, waren ausschlaggebend für die Kaufentscheidung. Sieben Arztpraxen, eine Apotheke und eine Physiotherapie-Praxis sollen in der Bismarckstraße ein neues Domizil bekommen.

Zum Konzept gehört außerdem die ehemalige Schulsporthalle, die vor allem von der Physiotherapie genutzt werden soll. Bei Bedarf könnte sie für Sportgruppen freigegeben werden. Der ehemalige Schulhof bietet Platz für etwa 90 Parkplätze. Genug Platz, damit Mitarbeiter und Patienten ihre Fahrzeuge parken können.

Mit der Fertigstellung beziehungsweise mit dem Einzug der Praxen rechnen die Investoren im März 2016.