Einen passenderen Zeitpunkt hätte der ehemalige Schwanebecker Thomas Görzen kaum finden können, um seine Spende, die zur Sanierung der Turmdecke in der Petrikirche beitragen soll, zu übergeben. Bei einer Andacht überreichte er den Scheck über 1000000 Euro an die evangelische Kirchengemeinde.

Schwanebeck l Den meisten Besuchern stockte der Atem, als Thomas Görzen im Rahmen der sonntäglichen Andacht in der Schwanebecker Petrikirche das Mikrofon ergriff. Zu unglaublich klangen seine Worte. Einige wenige, darunter Pfarrer Christian Plötner und Erna Rech - die stellvertretende Vorsitzende des Kirchspiels - lächelten wissend.

Spender erinnert sich an seine Kindheit zurück

Görzen sprach über seine Kindheit und darüber, wie gut seine Familie einst in der Stadt aufgenommen worden war. Er redete über die Entwicklung des Glaubens in der Geschichte der Menschheit und schlug gekonnt den Bogen zur Petrikirche und ihrem Turm. "Es ist schön, wenn Menschen ein Zuhause haben und dorthin zurückkommen können", sagte er. "Von Weitem sehen sie dann die Spitze des Kirchturms und sie wissen, dass sie zu Hause sind. Das sollen auch die Schwanebecker bald wieder können." Schon von fern solle sie der Turm der Petrikirche wieder grüßen.

Das sei im Augenblick ja nicht so, denn im Rahmen von dringend nötigen Sanierungsarbeiten wurde die Turmhaube abgenommen. Damit die Kirchturmspitze den Menschen schon bald wieder als Orientierungspunkt dienen könne, unterstütze er zusammen mit seiner Familie die Sanierung mit einer Privatspende über 100 000 Euro, sagte der Bauunternehmer.

Dank dieser Zuwendung kann es nun vorangehen mit den Arbeiten. Der Spender durfte sich über großen Applaus der Anwesenden freuen. Auch Erna Rech war sichtlich gerührt, als sie Görzen eine schmucke Ansicht der Petrikirche als Dank überreichte.

"Thomas Görzen hat sich telefonisch bei mir gemeldet, als er von unseren Sorgen erfahren hatte", sagte sie später. "Ich war nach seinen Ausführungen zunächst sprachlos und unendlich gerührt." Erna Rech, die einst als Lehrerein in Schwanebeck tätig war, hatte den heute 54-Jährigen einst selbst unterrichtet.

Görzen erinnerte sich an die Zeit zurück und sagte: "Frau Rech hat mir das Rüstzeug für mein Leben mit auf den Weg gegeben." Nun sei es an ihm und seiner Familie, etwas davon zurück zu geben.

Arbeiten werden etwa 200000 Euro kosten

Die Kirchengemeinde bedankte sich im Rahmen der Andacht auch bei den anderen Spendern für ihr Engagement. 90 Bürger haben sich bislang beteiligt, ihre Namen wurden verlesen. Der Frauen-Singekreis sorgte für die musikalische Untermalung der Veranstaltung und Pfarrer Christian Plötner sprach über Wahrzeichen der Stadt, wie die Petrikirche. "Ihr Turm ist wie ein weithin sichtbarer Zeigefinger."

Architekt Uwe-Karsten Bothe von Planungsring Wernigerode informierte die Besucher über Bauvorhaben. Zunächst blickte er zurück auf die bereits geleisteten Arbeiten. "Die Abnahme der Turmhaube war notwendig, um die Dachkonstruktion zu entlasten", führte er aus. "Dabei wurden erhebliche Schäden an der Konstruktion sichtbar." Für die anfallenden Arbeiten an den Turmsäulen sei der derzeitige Stand optimal. Eingeworbene Fördergelder von Lotto-Toto und der Harzsparkasse hätten die ersten Arbeiten ermöglicht. "Hierfür wurden bislang 47000 Euro benötigt", bezifferte er. "Die ausstehenden Arbeiten werden etwa 200 000 Euro kosten." Die Sanierung soll möglichst in den Sommerferien erfolgen, könnte sich aber bis in den Herbst hinziehen.

 

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