Halberstadt l Für Bernhard Hinze dürfte demnächst ein jahrelanger Alptraum zu Ende gehen. Im vergangenen Sommer hatte sich der Rentner bei der Volksstimme gemeldet. Grund: Seit Jahren streitet er sich mit der Wohnungsbaugenossenschaft Halberstadt (WGH) um Schimmel in seiner Wohnung in der Dr.-Crohn-Straße. Während die Genossenschaft Hinze falsches Lüften und Heizen vorwarf, beklagte Hinze Mängel in der Dämmung des Hauses und eine fehlerhafte Sanierung.

Nun haben sich Hinze und seine Frau dafür entschieden, die WGH-Wohnung zu verlassen, im 40. Jahr ihrer Genossenschaftsmitgliedschaft. Eine neue Bleibe haben sie bei der Halberstädter Wohnungsgesellschaft (HaWoGe) gefunden. "Dort kommt einem nicht nur Wärme vom Heizkörper entgegen", sagt Bernhard Hinze im Volksstimme-Gespräch. Von der WGH ist Hinze enttäuscht. Das langjährige aktive Genossenschaftsmitglied findet kein gutes Wort mehr für das Wohnungsunternehmen, bei dem er sich lange Zeit als Vertreter engagiert hat.

Hinzes Auszug war ein handfester Streit mit der WGH vorausgegangen. Die Genossenschaft hatte seine Einwendungen immer wieder abgetan und blieb beim Vorwurf, das Rentner-Ehepaar würde die Wohnung falsch lüften und nicht ausreichend beheizen.

Hinze konterte mit hohen Nachzahlungen für die Heizkosten und eigenen Temperaturmessungen. Die WGH reagierte mit einer Modernisierungsankündigung. In Hinzes Wohnung sollte eine Lüftungsanlage eingebaut werden. Hinzes weigerten sich, der Installation und der damit verbundenen Mieterhöhung zuzustimmen, woraufhin die WGH mit einer Duldungsklage drohte.

Eine Aussicht auf Erfolg habe die Duldungsklage nicht, sagt Hinzes Anwältin Carola Bischoff. Der WGH drohte sie damals einen Prozess und vor allem weitere Medienöffentlichkeit an. "Seitdem hält die WGH die Füße still", sagt die Anwältin im Volksstimme-Gespräch. Bis heute habe es die WGH bei der Androhung belassen.

Der Schimmel wuchert noch immer, sagt Bernhard Hinze. Schon als es mit dem Schimmel losging, zeigten sich Merkwürdigkeiten in der Wohnung: Die Außenwände wiesen oben eine tiefere Temperatur auf als unten - entgegen allen Gesetzen der Physik. Bald fingen sogar innen liegende Wände und Wände zum Hausflur hin an zu schimmeln.

"Jetzt kommt der Schimmel schon von unten", sagt Hinze. Mittlerweile sei die Wohnung unter der seinen unbewohnt und damit ungeheizt. Auch andere Wohnungen im Haus stünden leer. Entsprechend leichtes Spiel habe da der Schimmel. "Wir wohnen hier wie auf einer Insel", sagt Hinze.

Wenn das Ehepaar auszieht, muss es die Wohnung in einem renovierten Zustand an die WGH übergeben. Damit es keinen Ärger gibt, möchten Hinzes nicht nur die Anwältin bei der Übergabe dabei haben, sondern auch einen Maler mit der Renovierung beauftragen. Der werde auch eine Schimmelbehandlung vornehmen. Trotzdem werde das nicht ausreichen, da Hinzes die Ursache des Schimmels in baulichen Mängeln sehen.

Wie die Genossenschaft mit dem Schimmelproblem, einer Renovierung und der Wohnungsübergabe umgehen will, verrät sie nicht. Da die Kündigung Hinzes noch nicht bei der WGH eingegangen sei, "stellen sich Fragen bezüglich einer mutmaßlichen Übergabe der Wohnung nicht", lässt die Genossenschaft ihren Sprecher mitteilen. Auf die Frage, ob die Wohnung nach Hinzes Auszug eine Schimmelsanierung erfahren wird, gibt die WGH keine Antwort.

Leicht verbittert resümiert Bernhard Hinze heute, dass ihm die WGH sogar einen Gefallen getan habe. Die neue Wohnung sei größer, altersgerecht und habe sogar einen Fahrstuhl. Die etwas höhere Miete sei angemessen. Und, ergänzt Bernhard Hinze, nicht zuletzt habe er gehört, bei der HaWoGe werde Schimmelbefall akkurat behandelt.

Bilder