Die Gerüste in der Martinikirche werden in wenigen Tagen abgebaut sein. Die Sanierung von Decken und Wänden im Langhaus der Bürgerkirche sind beendet. Die Innenraumsanierung jedoch ist noch nicht vollständig abgeschlossen.

Halberstadt l Die Martinikirche mit ihren ungleichen Türmen ist ein wichtiges Wahrzeichen der Stadt. Bürgerkirche ist sie, sichtbares Zeichen des Stolzes der Halberstädter Kaufleute und Handwerker im Mittelalter. Auch in der jüngeren Stadtgeschichte spielt sie eine wichtige Rolle, war sie doch Zentrum der Wendebewegung in Halberstadt.

Die mittelalterliche Kirche rückte nach der Wende nach jahrzehntelanger Vernachlässigung wieder in den Fokus. 15 Jahre dauerte es, bis Dach, Fenster und Außenmauern der stadtbildprägenden Kirche saniert waren. Doch auch im Innenraum muss repariert, saniert und restauriert werden. Im Juli vergangenen Jahres wurde das Langhaus eingerüstet. Die Deckengewölbe und Wände sollten einen neuen Putz erhalten. 195 000 Euro waren dafür eingeplant. Geld, das aus mehreren Quellen stammt. So zahlt die Stadt aus dem Sanierungsmittelfonds 45 000 Euro, die Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt schießt 30 000 Euro zu, den Großteil finanzieren Kirchenkreis und Kirchengemeinde.

Vorgegebener Zeitrahmen nicht zu halten

Den Kostenrahmen habe man gehalten, berichtet Volker Lind, den Zeitrahmen nicht ganz. So sollte das Fördergeld von Lotto-Toto bis Ende September abgerechnet werden, doch angesichts der Baubefunde war schnell klar, dass es nicht so rasch gehen würde. Nun muss die Abrechnung bis Ende April erfolgen. "Das schaffen wir", sagt Lind, denn die Arbeiten an den Deckengewölben und Mauern des Langhauses sind beendet. Lind begleitet seit 20 Jahren die Sanierung der Martinikirche als Planer und berichtete von einer engen und fruchtbaren Zusammenarbeit den Denkmalbehörden.

Ein Fakt, den auch Christoph Hähnel vom Restauratorenkollegium Blankenburg zu schätzen weiß. Der Fachmann hatte den alte Putz genauer unter die Lupe genommen. Dabei stellte sich heraus, dass es sich nicht wie erwartet um einen Kalk-, sondern um Gipsputz an den Deckengewölben handelte. Aufgrund des zehn Jahre lang fehlenden Daches nach der Kriegszerstörung hatte eindringende Feuchtigkeit den Gips nicht nur dunkel-schwarz verfärbt, sondern regelrecht versintern lassen. "Der Gipsputz war teilweise hart wie Glas", berichtet Lind. Deshalb musste der alte Putz sorgfältig vom Untergrund gelöst werden. An manchen Stellen gelang das nicht vollständig, weil man die Gewölberippen nicht beschädigen wollte.

Fußboden harrt noch der Sanierung

"Nach dem Sandstrahlen hatten wir dann einen tragfähigen Untergrund, um den neuen Putz auftragen zu können. Nach einer chemischen Analyse wurde in den Südharzer Gipswerken der Gipsputz nachgestellt. Das heißt, die Zusammensetzung des neuen Putzes stimmt mit der des alten überein", erklärt Hähnel. Risse Schadstellen wurden ausgebessert. In einigen Gewölbenischen fanden sich noch spärliche Reste der einst prächtigen mittelalterlichen Farbgebung. Im Barock war der hellgraue Putz in den Gewölben aufgetragen worden, die Wände erhielten einen leicht gelblichen Farbton, den man nun ebenfalls wieder sieht.

Mehr als 1700 Quadratmeter Deckenflächen sind es, die in den vergangenen Monaten gereinigt, ausgebessert und erneuert wurden.

"Nun fehlen noch die Vierung, die Empore und vor allem die Sanierung des Fußbodens", sagt Lind. Die quadratischen Sandsteinplatten waren im 19. Jahrhundert in die Kirche eingebaut worden. Dass sie einst rot und gelb waren, sieht man unter dem Staub der Jahrhunderte heute nicht mehr. Auch die Holzplanken in den Seitenschiffen, auf die einst Kirchenbänke montiert worden waren, stören das Erscheinungsbild. Dass man bei Kirchensanierungen einen langen Atem braucht, weiß Volker Lind. Schließlich ist er auch Halberstadts Dombaumeister.