Ballenstedt/Hoym (dl) l Der heftige Orkan und starke Regenfälle haben am Dienstag im Harz für erhebliche Schäden gesorgt. Bis in die Nachtstunden hinein waren allerorten im Harzkreis Feuerwehren pausenlos im Einsatz.

Am Dienstagvormittag rutschten Erdmassen und größere Schieferplatten zwischen Alexisbad und Silberhütte auf Gleise der Selketalbahn. "Wir haben unseren Bahnbetrieb daraufhin zwischen Alexisbad und Stiege vorerst eingestellt", sagte die Sprecherin der Harzer Schmalspurbahnen (HSB), Heide Baumgärtner, auf Anfrage. Am Nachmittag sei mit Experten vor Ort begonnen worden, die Schäden zu beseitigen. "Die Strecke der Selketalbahn wird zwischen Alexisbad und Silberhütte auf jeden Fall noch am Mittwoch gesperrt bleiben", sagte die HSB-Sprecherin. Zudem müsse im gesamten Netz der Selketalbahn auch am Mittwoch noch mit Behinderungen gerechnet werden. Fahrgäste können sich telefonisch unter (0 39 43) 55 80 aktuell informieren.

Wegen des heftigen Orkans, der mit Sturmtief "Niklas" über ganz Deutschland zieht, hatte die HSB ihre Fahrten der Brockenbahn bereits am Dienstagmorgen vorsorglich eingestellt. Am Nachmittag wurde dann auch der Betrieb zwischen Wernigerode und Schierke beendet.

Auf der Landesstraße zwischen Ballenstedt und Hoym wurden die heftigen Böen am Nachmittag einem Lkw-Fahrer zum Verhängnis. "Der Fahrer hatte Glück im Unglück - nur der noch unbeladene Hänger wurde von einer Windböe erfasst und stürzte um", berichtete Ortswehrleiter Holger Kohl. Der Fahrer sei unverletzt geblieben. Die gegen 16.20 Uhr alarmierten Feuerwehrleute aus Ballenstedt sicherten bis zum Eintreffen der Polizei die Unfallstelle. Zur Bergung des Fahrzeuges musste ein Spezialunternehmen angefordert werden Im Einsatz waren die Feuerwehr Ballenstedt mit elf Kameraden und drei Fahrzeugen sowie ein Rettungswagen und die Polizei.

Die Feuerwehren im Harzkreis waren den gesamten Tag über pausenlos im Einsatz. "Wir haben alle Fahrzeuge draußen", sagte Jörg Kelle von der Halberstädter Feuerwehr am Dienstag gegen 21 Uhr. Zahlreiche Bäume fielen um oder Äste brachen ab. Gegen 18.30 Uhr eilten die Feuerwehrleute zum Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte (LBZ) in die Westerhäuser Straße in Halberstadt. Dort hatte der Sturm rund 100 Quadratmeter des Flachdaches abgedeckt, sagte Kelle.

Nach Angaben aus der Rettungsleitstelle blieb es bis in die Abendstunden bei zahlreichen Einsätzen, bei denen es glücklicherweise keine Verletzten gab.

Auf dem 1141 Meter hohen Brocken wütete das Sturmtief "Niklas" seit dem Mittag mit voller Wucht und mit Windspitzen von weit über 160 Kilometer pro Stunde, berichtete Matthias Glenk von der Brockenwetterwarte. "Trotzdem sind einige ganz Verwegene noch hier oben unterwegs", sagte er. Bei diesen Wintergeschwindigkeiten ein nicht ungefährliches Unterfangen. "Bei null Grad Celsius sowie Nebel, Graupel-Schauern sowie peitschendem Wind tagsüber ist das alles andere als ein Vergnügen", ergänzte der Meteorologe. Der heftige Orkan werde bis in die erste Nachthälfte hinein andauern und erst dann abflauen. Auf dem Brocken liegen aktuell noch 95 Zentimeter Schnee.

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