Halberstadt l Die Veolia Verkehr Sachsen-Anhalt GmbH gibt es nicht mehr. Seit dem 16. März heißt der an Halberstadts Magdeburger Straße ansässige Eisenbahnbetrieb Transdev Sachsen-Anhalt GmbH.

Der französische Mutterkonzern habe die Anteilsmehrheit übernommen , erläutert Matthias Löser den Grund für die Namensänderung. Der Geschäftsführer betont: "Am operativen Geschäft ändert sich nichts." Im Gegenteil: Das in Issy-les-Moulineaux bei Paris ansässige und weltweit agierende Unternehmen habe die Absicht zu wachsen - den Markt auszubauen.

Löser hat an diesem Nachmittag die SPD-Landtagsabgeordneten Ronald Brachmann (Wernigerode) und Andreas Steppuhn (Quedlinburg) zu Gast. Die beiden Politiker wollen sich eigenem Bekunden nach einen Eindruck über die aktuelle Situation des Eisenbahnbetriebes und dessen wirtschaftliche Perspektiven verschaffen.

Letztere sind laut Aussage des Geschäftsführers positiv. Bekanntlich hätten die Halberstädter mit ihrem HEX den Zuschlag für den Betrieb der Strecke des R E4 Halle-Goslar ab Dezember 2015 erhalten. Der Verkehrsvertrag gelte bis zum Jahresende 2018. Matthias Löser: "Wir sind mittendrin in weiteren Ausschreibungen." Die Einreichung der entsprechenden Unterlagen bei der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt (NASA) müsse bis zum 23. Juni erfolgen. Mit der Vergabe sei für Ende Oktober zu rechnen.

Mehr möchte der Manager unter Verweis auf das laufende Verfahren nicht sagen. Matthias Löser erklärt lediglich: "Wir werden uns umfassend und weiträumig beteiligen." Und: "Für uns heißt der klare Auftrag, Arbeitsplätze zu erhalten."

110 Beschäftigte habe das Unternehmen derzeit, berichtet der Eisenbahnbetriebsleiter. Davon seien 60 Lokführer und 35 Kundenbetreuer. Das Durchschnittsalter liege bei 40 Jahren. Jährlich werde ein Lehrling eingestellt. Löser: "Wir haben diesmal sogar zwei." Zudem bedeute die Übernahme der Verbindung Halle-Goslar eine weitere personelle Verstärkung. Bis Jahresende würden 25 Mitarbeiter neu eingestellt.

Die Zahl der Triebfahrzeuge werde um fünf auf 23 erhöht. Die gesamte Wartung und Instandhaltung solle weiter in den Händen der ebenfalls auf dem Gelände ansässigen Verkehrs Industrie Systeme GmbH Halberstadt (VIS) liegen.

Ein "Luxusproblem" habe Transdev mit der Verbindung in die Bundeshauptstadt. Der Harz-Berlin-Express werde von so vielen Passagieren gebucht, dass dafür ein weiterer Wagen angehängt werden müsste. Den habe man aber nicht.

Matthias Löser: "Was uns viel mehr auf der Seele brennt, ist die Deutsche Bahn AG." Hier speziell deren Bereiche DB Netz und Stationen sowie Service. Die von ihnen erhobenen Trassenpreise seien seit Abschluss des Verkehrsvertrages stetig erhöht worden. Das sei eine Entwicklung, die niemand habe vorhersehen können. Für die Halberstädter als Nutzer bedeute dies allein im vergangenen Jahr einen Verlust von rund einer Million Euro.

Ronald Brachmann fragte nach, ob sich das Unternehmen eine Kooperation mit anderen touristischen Verkehrsanbietern vorstellen könnte. Der SPD-Mann zielte dabei speziell auf die Rübelandbahn ab.

Matthias Löser sah dies grundsätzlich positiv, schloss eine Zusammenarbeit zum jetzigen Zeitpunkt aber aus. Der Manager: "Wir wären für solche Dinge sehr zu haben, wenn die wirtschaftliche Situation anders wäre." Momentan "schmerzen jede zehn Euro".

In Zukunft könne sich das allerdings ändern. Der Betriebsleiter: "Fakt ist, wir haben eine große Mutter, die uns schützend unter ihre Fittiche nimmt." Und: "Wir werden wieder Gewinne erzielen, wenn die Verträge auslaufen."