Der 200. Geburtstag Otto von Bismarcks in diesem Jahr wird auf Schloss Wernigerode mit einer Sonderausstellung gewürdigt. Ein besonderes Exponat dafür hat der Lions-Club "Anna zu Stolberg-Wernigerode" beigesteuert. Eine Zeichnung des Reichskanzlers in Zivil.

Wernigerode l Otto von Bismarck (1815-1898) in typisch staatsmännischer Pose, mit Gehstock und Deutscher Dogge, aber in Zivil.

Letzteres sei ein eher seltener Anblick, betont Christian Juranek. So zu betrachten sein wird der Reichskanzler ab 30. Juli in der Sonderausstellung anlässlich seines 200. Geburtstages im Schloss Wernigerode. Auf einer Handzeichnung. Diese stammt von Ludwig Knaus (1829-1910), erläutert der Geschäftsführer. Der gebürtige Wiesbadener Knaus habe zur berühmten Düsseldorfer Malerschule gezählt, ehe er 1874 zum königlich-preußischen Professor an der Akademie der schönen Künste in Berlin berufen wurde. Sein Spätwerk sei als "zu süßlich" kritisiert worden. Zwischenzeitlich habe man den bedeutenden Genremaler vergessen, ihn dann doch wiederentdeckt.

Das Bild ist ein Geschenk. Gestiftet vom Lions-Club "Anna zu Stolberg-Wernigerode". Am 3. März 1995 hatte er sich auf dem Schloss der bunten Stadt am Harz gegründet, berichtet Marianne Lösler. Die Präsidentin der derzeit 22 Damen ist gemeinsam mit Ines Ebert als Vorsitzender des Fördervereins zur offiziellen Übergabe erschienen. Aus Anlass des runden Geburtstages hätten sie sich erkenntlich zeigen wollen und deshalb einen vierstelligen Betrag für den Erwerb des Kunstwerkes gesammelt. Marianne Lösler: "In den letzten 20 Jahren haben wir etwa 110 000 Euro für kulturelle und soziale Projekte gespendet."

Das bisher unbekannte Bild stamme von einem privaten Sammler, der es ihm zum Kauf angeboten habe, sagt Christian Juranek. Es werde eines von ungefähr 180 Exponaten in der Sonderausstellung sein. Sie steht unter dem Titel "Positive und organische Reformen. Otto von Bismarck und die Innenpolitik". Es werde darum gehen, an einem authentischen Geschichtsort speziell die Sozialpolitik des gebürtigen Schönhauseners darzustellen. Die historische Verbindung ist eindeutig. Der Geschäftsführer: "Der Bauherr des Schlosses Wernigerode in seiner heutigen Gestalt war Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode. Ab 1878 bis 1881 Stellvertreter Otto von Bismarcks als Reichskanzler und Vizepräsident des preußischen Staatsministeriums."

Christian Juranek weiter: "Es hat sich aber gezeigt, dass es auch andere Leute gab, die nicht ganz unwichtig waren." So zum Beispiel den aus Quedlinburg stammenden Robert Bosse (1832-1901), der wesentlich zur Ausarbeitung der Sozialversicherung beigetragen hatte. Oder Theodor Lohmann (1831-1905), der als Verwaltungsjurist intensiv an der Entwicklung der Sozialgesetzgebung mitwirkte.

Auf der anderen Seite werde der Besucher erfahren, "dass Bismarck nicht die allumfassende gloriose Gestalt gewesen ist". Er habe im Wesentlichen vier Gegner gehabt. Zunächst die Sozialisten und Vertreter der Arbeiterklasse. Dann die Liberalen, mit den es zum Bruch kam, als der Reichskanzler begann, Staatspolitik zu betreiben. Führend dabei sei übrigens der Halberstädter Max Hirsch (1832-1905) gewesen. Er habe die genossenschaftliche Gewerkschaftsbewegung bestimmt.

Den "dritten Block" hätten kirchliche Kreise gebildet, die gegen die Einführung der Zivilehe zu Felde zogen. Und schließlich, so Juranek, habe es persönliche Gegner gegeben. Allen voran Kaiserin Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach (1811-1890). die Gemahlin von Wilhelm I. (1797-1888). Der Schlossherr: "Sie konnte ihn überhaupt nicht leiden, und er sie auch nicht." Dies belegten unter anderem Briefe der Regentin, die gerade von einem Berliner Forscher erstmals untersucht und für eine Publikation vorbereitet werden.