Der Dorfladen in Deersheim ist mittlerweile mehr als eine Überlegung auf dem Papier. Stück für Stück verwandelt sich der alte Stall in eine Markthalle.

Deersheim l Ostern. Die Familie kommt zusammen. Es wird erzählt und gegessen. Ärgerlich nur, wenn man mitten in der Vorbereitung für das Familienfest bemerkt, dass die Butter für den Kuchenteig vergessen wurde. Noch ärgerlicher, wenn man wie die Deersheimer mehrere Kilometer zurückgelegen muss, um Ersatz zu beschaffen.

Ein Geschäft gibt es seit Jahren nicht mehr, beziehungsweise noch nicht wieder. Denn daran, dass es im Osterwieck-Ortsteil bald wieder eingekauft werden kann, wird auf Hochtouren gearbeitet. Schon im Spätsommer wird die neue Markthalle fertig sein. Die Arbeiten im Dorfladen könnten bis zum Jahresende abgeschlossen werden, informiert Karola Eichloff. Die Ökonomin ist Vorstandsmitglied der Dorfladen-Genossenschaft, die sich im vergangenen November gegründet hat. Anstoß dafür hat 2012 die "ZukunftsWerkStadt" gegeben.

Für 50 Euro können Anteile an dem Dorfladen erworben werden, rund 120 Leute haben bereits welche gekauft. "Und es werden stätig mehr, auch aus anderen Orten", so Karola Eichloff. "Eine Genossenschaft hat den Vorteil, dass die Leute das Gefühl haben, ein Teil davon zu sein und Verantwortung dafür zu tragen." Weiteres Zeichen für den Zuspruch der Bürger: Firmen und Privatleute haben in den vergangenen Monaten für das Dorfladen-Projekt gespendet. Ebenso sagten Handwerker aus der Region zu, beim Ausbau des Geschäfts und der Halle helfen wollen.

Ihre Arbeit, Spenden und Genossenschaftsanteile allein reichen jedoch nicht aus. Um die Gesamtkosten von etwa 150000 Euro tragen zu können, sind die Deersheimer auf Fördergelder angewiesen. Wann und wieviel Geld es gibt, beeinflusst auch das Eröffnungsdatum, berichtet Karola Eichloff.

Bis sich die Dorfladen-Türen öffnen, steht den Dorfladen-Gründern noch viel Arbeit bevor. Derzeit wird ein Logo kreiert, Anträge werden geschrieben und die Geschäftspapiere zusammengestellt. "Was alles hinter so einem Projekt steckt und beachtet werden muss, war uns in dem Umfang gar nicht bewusst", berichtet Vorstandsmitglied Elke Selke. "Aber wir haben sehr fähige Leute im Team und jeder engagiert sich." Alle vier bis sechs Wochen findet ein Treffen in großer Runde statt. Der Vorstand trifft sich noch öfter, sagt die Wernigeröderin.

Noch vor der Gründung der Genossenschaft stand der passende Ort für den Dorfladen fest: Ein ehemaliger Stall am Ortsausgang Richtung Dardesheim, auf einem Grundstück mit der bereits sanierten Edelhofhalle. Nach der Sicherung des Gebäudes und den Dacharbeiten erfolgt derzeit der dritte Bauabschnitt an dem künftigen Markt. "Seit zwei Wochen werden die Fußböden, Wände, Tore und Fenster erneuert", berichtet Karola Eichloff.

In den fertigen Räumen sollen die rund 850 Einwohner Deersheims nicht nur einkaufen können. Ebenso sind ein Café, ein Friseur und eine Apotheke geplant, auch sollen Veranstaltungen in der Halle gefeiert werden. "Es soll eine Begegnungsstätte für alle Generationen werden. Das geht aber nur Stück für Stück", sagt Karola Eichloff. "Und die Deersheimer müssen die Angebote nutzen, damit es langfristig funktionieren kann."