Halberstadt l Protest gegen Neonazis in Halberstadt: "Halberstadt ist bunt und nicht braun", "Nazis? Nein Danke!" Mit diesen Plakaten besetzt das Bürgerbündnis für ein friedliches Halberstadt die Ruine der Franzosenkirche am Sonnabendvormittag, um gegen einen sogenannten "Trauermarsch" von Neonazis durch die Kreisstadt zu demonstrieren. Direkt vor dem Mahnmal versammeln sich nach Schätzung des Bürgerbündnisses etwa 400 Menschen zu einer Mahnwache.

Halberstadts Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke) betont, dass der Bombenangriff auf Halberstadt am 8. April 1945 direkte Folge der Nazi-Ideologie gewesen sei. "Heute ziehen deren ideologische Nachfahren wieder durch Halberstadt. Wir wollen diese Leute hier nicht. Wir sagen Nein zum Hass gegen Menschen anderer Hautfarbe und Religion." Landtagsabgeordneter Sebastian Striegel (Bündnis90/Die Grünen) erinnert daran, dass der Neonazi-Aufmarsch in Halberstadt am 11. April, der Tag an dem das KZ Langenstein-Zwieberge und auch Buchenwald befreit wurden, nicht zufällig und eine Provokation sei. Superintendentin Angelika Zädow: "Halberstadt muss eine Stadt der Vielfalt und des Reichtums an Kulturen und Religionen bleiben." Sie sprach sich für ein respektvolles Miteinander sowie gegen Aussperrung und Stigmatisierung aus. Rainer Neugebauer vom Bürgerbündnis: "Die Nachgeborenen sind für die Greueltaten der Nazis nicht verantwortlich, wir haben aber die Pflicht, die Wahrheit darüber weiterzutragen." DGB-Gewerkschaftssekretär Reiner Straubing rief zum "Aufstand der Anständigen" auf. "Die braunen Kameraden interessieren sich nicht für die Opfer des Krieges. Was die betreiben ist Missbrauch und Geschichtsverfälschung", so Wulf Gallert, Chef der Fraktion Die Linke im Landtag.

Etwa 110 Neonazis hatten sich gegen Mittag am Hauptbahnhof Halberstadt versammelt. Ihr Ziel: Ein "Trauermarsch" durch die Innenstadt mit dem Ziel Franzosenkirche. Dort wollten sie um 15.15 Uhr einen Kranz niederlegen. Der Termin ist kein Zufall: Vor genau 70 Jahren um dieselbe Zeit marschierten US-Soldaten in das Konzentrationslager Buchenwald ein.

Doch diesen Termin konnten die vor allem aus Hildesheim, Magdeburg und Nordhausen angereisten Nazis nicht halten. Grund: Nichts hielt die Nazis auf ihrem Weg auf, so dass sie vorzeitig an der Franzosenkirche ankamen.

Daniel Kisser vom Bürgerbündnis, das Infopunkte und Versammlungen gegen den Aufmarsch organisiert hatte, sprach von zu wenig Zeit, um mehr Protest zu mobilisieren. "Es ist völlig unverständlich, wie man den Verursachern des Krieges jetzt die Möglichkeit gibt, hier aufzumarschieren", sagte Siegfried Heinze, der an einem Protest der Linksjugend gegen die Zwischenkundgebung der Nazis am Fischmarkt teilnahm.

Kurz vor dem Eintreffen der Neonazis bildeten einige Demonstranten an der Franzosenkirche eine Sitzblockade. Die Neonazis konnten allerdings um die Blockade herumgeleitet werden und einen Kranz samt einer mit Rechtschreibfehlern gespickten Schlaufe an der Kirchenruine ablegen.

Von Seiten der Polizei zog Sprecher Uwe Becker ein positives Fazit. Der Aufmarsch sei ruhig verlaufen. Die Polizei habe allerdings ein Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen des Zündens von Pyrotechnik eingeleitet, teilte die Polizei mit. Gegen wen sich das Verfahren richte, konnte Sprecher Uwe Becker noch nicht sagen.

Für Unmut sorgt derweil, dass die Polizei die Personalien der Sitzblockierer an der Franzosenkirche aufgenommen hat. Das sei "überflüssig" gewesen, sagte Rainer Neugebauer vom Bürgerbündnis.

   

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