Mit eindrucksvollen Musikwerken und Texten von Wibke Bruhns erinnerten die Halberstädter am Sonnabendnachmittag noch einmal an die Zerstörung der Stadt am 8. April 1945.

Halberstadt l Wibke Bruhns stellt Fragen. Warum haben weder Vater noch Mutter, "die sonst alles zu Papier brachten", etwas zur Judenverfolgung aufgeschrieben, von Zwangsarbeiterlagern und dem KZ direkt in der Nachbarschaft? Aber die in Halberstadt Geborene, für die Halberstadt lange Zeit nur eine Metapher für Vergangenheit war, stellt auch fest, dass Hochmut der Nachgeborenen nicht zielführend ist, wenn es darum geht, das Handeln der Menschen in ihrer Zeit zu verstehen und zu bewerten.

Die Texte Bruhns schlugen einen großen geschichtlichen Bogen und bildeten am Sonnabend eine literarische Klammer für die "Halberstädter Suite" von Hans Auenmüller. Grandios skizziert der langjährige, bereits 1991 verstorbene Musikdirektor des Halberstädter Theaters, die Stadtgeschichte. Sein zweiter Satz, der den Bombenangriff schildert, verursachte auch bei jenen Zuhörern Gänsehaut, die solche Bombardierungen nie selbst erleben mussten.

In der vollbesetzten Andreaskirche, sogar im Gestühl des Hohen Chores saßen Zuhörer, andere standen die zwei Stunden, erklangen außerdem die Trauermotette "Wie liegt die Stadt so wüst" und das "Dresdner Requiem" von Kreuzkantor Rudolf Mauersberger. Die Mitglieder des Johann-Sebastian-Bach-Ensembles Weimar und des Domvokalensembles Halberstadt füllten die Andreaskirche mit großartig vorgetragenen Klängen von Trauer und Trost. Tiefbewegt verharrten die Zuhörer nach dem Konzertende auf ihren Plätzen.

   

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