Der Titel eines Beatles-Klassikers steht für den Versuch, eine Willkommenskultur in Halberstadt zu schaffen. Mit Musik sollen sich Flüchtlinge und "eingeborene" Halberstädter begegnen.

Halberstadt l Viel ist derzeit von der "Willkommenskultur" in Halberstadt die Rede. Nur die Realität sieht oft anders aus, wenn die rund 1000 Asylbewerber in der ZASt am Rande Halberstadts mit offenem oder verdeckten Fremdenhass konfrontiert werden.

Es gibt Menschen, die das ändern wollen. Pfarrer Friedrich Wegner, Pfarrer in Ruhe Reinhard Beck sowie Conny Altmann und Gjergji Hoxha von der Diakonie gehören dazu. Mit Musik wollen sie "eingeborene" Halberstädter und Flüchtlinge zusammenbringen. "All together now" heißt das Projekt, das am Nachmittag des 25. April mit einer ersten Veranstaltung beginnt. Fünf weitere Termine sind bis in den Spätsommer geplant.

"Die Ereignisse der letzten Zeit haben gezeigt, wie wichtig so etwas ist", sagt Pfarrer Wegner und meint damit das brennende Asylbewerberheim in Tröglitz und den Naziaufmarsch am vergangenen Sonnabend in Halberstadt.

"Wir haben eine über 2000-jährige Tradition der Willkommenskultur", sagt Reinhard Beck und verweist auf die sieben Werke der Barmherzigkeit im Neuen Testament, zu denen auch die Pflicht zur Beherbergung von Fremden gehört.

Aus der Tradition entstanden ist ein Veranstaltungskonzept, bei dem Flüchtlinge zusammen mit Halberstädtern musizieren. Am 25. April sollen sie dafür um 14 Uhr zum ersten Mal im Kreuzgang der Liebfrauenkirche zusammenkommen. Dabei sein werden "iocus vivendi" aus Michaelstein, Musiker aus Quedlinburg, ein Posaunenchor aus Halberstadt und ein Bläserensemble aus Tansania. Christian Lontzek werde mit Dudelsack und Programm die Besucher zum Mitmachen engagieren. "Der reißt die mit", verspricht Friedrich Wegner.

Wichtig ist den Organisatoren, dass "All together now" weder Gottesdienst noch Konzert ist. Besucher könnten kurz vorbeischauen oder der Veranstaltung über die gesamten zwei Stunden folgen.

Auch wenn die Veranstaltung aus kirchlichen Kreisen organisiert wird, ist es Friedrich Wegner wichtig, dass es keinerlei konfessionelle Grenzen gibt. Mithelfende und Teilnehmer sind unabhängig von ihrer Weltanschauung willkommen.

Begegnung hilft gegen Unsicherheit und Angst

Und so werde auch bei der Versorgung mit Essen darauf geachtet, dass Speisen, die nicht halal sind, gekennzeichnet werden, sagt Conny Altmann. Schließlich ist ein großer Teil der ZASt-Bewohner muslimischen Glaubens.

Dass sie keine eingefleischten Rassisten und Neonazis erreichen werden, ist den Organisatoren bewusst. Allerdings wollen sie die Menschen ansprechen, die Ängste vor dem Fremden haben. "Der Umgang mit der Angst ist schwierig. Angst ist etwas Irrationales, das sich jeder Logik entzieht", sagt Conny Altmann. Die Begegnung sei eine Form des Aufgreifens von Unsicherheiten und Ängsten, sagt Friedrich Wegner. Und diese Möglichkeit wolle er denen geben, die aufgrund des in Halberstadt ungewohnten Anblicks von Ängsten gesteuert seien.

Die Organisation der Veranstaltung sei vom Ehrenamt abhängig, sagt Friedrich Wegner. Und so suchen die Veranstalter noch immer nach Freiwilligen, die bei der Gestaltung mithelfen. Wer möchte, kann nach Ende der "All together now"-Premiere Asylbewerber mit dem Privatauto wieder zurück in die ZASt fahren - eine weitere Gelegenheit zur gegenseitigen Begegnung, so Altmann.

Wer bei der Veranstaltung helfen möchte, möge sich per E-Mail an reformiert-hbs@t-online.de oder telefonisch unter (0 39 41) 2 42 10 melden. Die Veranstaltung beginnt am Sonnabend, 25. April, um 14 Uhr. Der Eintritt ist frei