In einem Monat lädt Osterwieck zum zweiten Reformationsfest ein. In anderer Form als bei der ersten Auflage 2012. Vertreter von Stadt und Kirche als Veranstalter stellten das Programm vor.

Osterwieck l Was hat Martin Luther mit Osterwieck zu tun? Diese Frage mussten Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ (Buko) und Pfarrer Stephan Eichner selbst nach dem Osterwiecker Lutherfest 2012 noch oft beantworten. "Luther war nie in Osterwieck", sagte Wagenführ zur Vorstellung des Programms vor der Presse am gestrigen Dienstag. "Die Stadt ist eine Reformations-Wirkungsstätte."

Das freilich müssen auch die Osterwiecker selbst erst einmal verinnerlichen. Erst als die Luther-Dekade bereits lief, sprang die Stadt auf den "Zug der Reformation" auf, pflegt heute enge, partnerschaftliche Kontakte mit den Lutherstädten Eisleben und Mansfeld.

41 "sprechende Häuser" haben in ihren Fachwerkinschriften unmittelbaren Bezug zur Reformation. Die älteste Inschrift ist von 1533 und damit aus einer Zeit, bevor in der Stadt die Reformation offiziell eingeführt wurde. Eine mutige Tat damals. Und die Bürger der Stadt ließen ab 1552 das Kirchenschiff abreißen und ein neues bauen.

Mittelalterlich war daher das erste Osterwiecker Reformationsfest vor drei Jahren geprägt. Jetzt geht es darum, was Reformation heute bedeutet. Wagenführ berichtet, dass das etwa 15-köpfige Organisationskomitee lange über den passenden Titel nachgedacht habe, der nun "Vom Buchdruck bis Facebook" lautet. Luthers reformatorische Botschaft hätte nie die Bedeutung einnehmen können, wenn diese sich nicht verbreitet hätte. Passend auch zu Osterwieck und seiner Druckereitradition, die bis heute lebt. Ebenso zu der Verantwortung der Medien in der heutigen Zeit.

Wagenführ und Eichner werten daher eine Podiumsdiskussion mit dem Titel "Chancen und Grenzen der Medien" als einen Höhepunkt der drei Festtage vom 15. bis 17. Mai. "Die Idee entstand mit Reinhard Höppner und seiner Frau", berichtete der Pfarrer. Der frühere Ministerpräsident sei leider vergangenes Jahr verstorben. "Er wollte gern dabei sein." Aber Renate Höppner, seine Frau, werde nach Osterwieck kommen. Und mit ihr namhafte, redegewandte Vertreter aus Politik, Kirche und Medien.

Wie schnell sind heute böse Worte über einen anderen Menschen gesagt, persönlich oder in sozialen Netzwerken. Stephan Eichner verweist deshalb auf die Aktion "Du bist ein Engel" während des Lutherfestes. Einwohner und Gäste sind aufgerufen, einen Engel zu basteln. Diese Figuren werden die Stephanikirche zum Festgottesdienst mit Landesbischöfin Ilse Junkermann ausschmücken. Statt böser Worte: "Ich kann für andere ein Engel ein, wenn wir uns begegnen", umschreibt der Pfarrer das Anliegen in einer Zeit, in welcher der Ton in der Gesellschaft immer ruppiger wird.

Doch die Menschen sollen auch feiern an den drei Tagen. Das Fest ist auf den Stephanikirchhof und das Gotteshaus konzentriert. Unter den Linden können sich die Besucher hinsetzen, essen, trinken, dem Bühnenprogramm zuschauen.

Auf der Bühne vor der Stephanischule treten am Sonnabendabend zwei Musikgruppen auf. Zunächst die Osterwiecker Schlagerband "Johnny und die Fallsteinboys feat. Steffi", danach die "Hit Radio Show". "Das ist eine Coverband", erklärte Wirtschaftsförderer Peter Eisemann. "Sie war Silvester am Brandenburger Tor in Berlin aufgetreten. So lange, wie die Leute wollen, spielen sie auch."

Eisemann verwies ferner darauf, dass das zweite Reformationsfest "durchfinanziert" sei - "ohne einen Cent aus der Stadtkasse und bei freiem Eintritt". Das sei vor allem Sponsoren zu verdanken, allen voran der Harzsparkasse. "Ohne sie hätten wir das nicht machen können", unterstrich Bürgermeisterin Wagenführ.

Zwischen den Programmen haben die Besucher die Möglichkeit, ihre Beine zu vertreten. An zwei Tagen werden thematische Führungen angeboten. Mit Aufenthalt für jeweils eine halbe Stunde in Stephanikirche, Heimatmuseum und Altstadt, wie Tourismus-chefin Manuela Bode ankündigte. "Jeweils die Highlights aus unseren Führungen, die wir sonst anbieten."