Halberstadt/Thale/Weddersleben l Im Falle des Falles avancieren sie schon mal zu den Rettern in der Not: Die Akteure des Technischen Hilfswerkes (THW). Im Harzkreis existiert neben einer Ortsgruppe in Halberstadt eine weitere in Quedlinburg. Die dortigen Helfer, die auf die Fachgebiete Bergung und Logistik spezialisiert sind, haben ihren Stützpunkt im Thalenser Ortsteil Weddersleben.

Um ihre Arbeit und die technischen Möglichkeiten im Detail vorzustellen, laden sie am Freitag und am Sonnabend dieser Woche zu zwei Schnuppertagen dorthin ein. Das Ziel der Aktion ist aus Sicht von THW-Sprecherin Franziska Kalbitz klar: "Wir sind immer offen für neue Mitstreiter und wollen sie auf diese Weise ansprechen und erreichen."

Dass die "Engel" vom THW stets mit vollem Elan dabei sind und grundsätzlich in Wir-Dimensionen denken und handeln, wird im Gespräch rasch klar. "Wir arbeiten gemeinsam für eine Sache und leisten Team-Arbeit - das verbindet", berichtet Kathrin Lehmann, die selbst schon einige Jahre im Ehrenamt Helferin beim THW ist.

Das THW-Gelände im Thalenser Ortsteil Wedderstedt ist nicht nur das angestammte Domizil der Truppe, sondern obendrein ein großes Übungsgebiet. Hier können viele denkbare Einsatzszenarien trainiert werden, damit im Falle des Falles jeder Handgriff sitzt.

Das Spektrum ist dabei breit gefächert, zeigt der Blick hinter die Kulissen: Einige Helfer meißeln gerade mit dem Abbruchhammer einen Durchbruch in eine Betonplatte, um in einen abgesperrten Raum zu gelangen. Andere bedienen das Stromaggregat und üben die Noteinspeisung von Elektroenergie in ein Gebäude, die bei Bedarf binnen kürzester Zeit funktionieren soll. Wieder andere Helfer bringen in Windeseile mit der Motorsäge Holz für ein Abstützsystem für einsturzgefährdete Gebäude auf die nötige Länge.

Mit einem solchen Stützsystem haben die Quedlinburger THW-Helfer im Sommer vorigen Jahres nach einem schweren Unfall mit einem Linienbus in Halberstadt ein einsturzgefährdetes Haus abgefangen. Überwacht werden derartig gesicherte Gebäude übrigens mit einem speziellen Messgerät, dem Tachymeter. Damit lassen sich selbst kleinste Verschiebungen und Veränderungen registrieren und erkennen. Wenn man so will, eine Rückversicherung für alle Beteiligten.

Und die THW-Helfer haben noch weit mehr Technik in ihrem Fundus und ihren Fahrzeugen griffbereit. Dazu gehören spezielle Kissen, mit denen sich selbst tonnenschwere Lasten sicher heben lassen, ebenso wie Rettungsscheren, Tauchpumpen und Trennschleifer. Selbst ein Schweißgerät und eine sogenannte Sauerstoff-Lanze sind zu finden.

Mit letzterer lassen sich beispielsweise aufgrund einer chemischen Reaktion so hohe Temperaturen erreichen, dass sich selbst Beton mühelos schmelzen lässt. Ein Verfahren, das beispielsweise nach Erdbeben und Hauseinstürzen zum Einsatz kommt, um Verschüttete zu befreien, ohne weitere Erschütterungen ins Trümmerfeld zu bringen.

Kurzum: Das Arbeitsspektrum ist vielseitig, die Herausforderungen sind interessant und vor allem fachlich versierte neue Helfer beim THW stets heiß begehrt. "Am Anfang hatte ich ganz schön Respekt vor der Technik", berichtet Mitstreiterin Kathrin Lehmann. "Bei den Übungen und im Training habe ich aber sehr viel gelernt - auch für den Alltag."

Die Kameraden aus Quedlinburg möchten gern die Arbeit der Bergungsgruppen und der Fachgruppe Logistik vorstellen und laden Besucher zum Mitmachen ein. Die beiden Schnuppertage finden am Freitag, 24. April, ab 18 Uhr und am Sonnabend, 25. April, von 10 bis 13 Uhr im THW-Ortsverband Quedlinburg statt. Zu finden sind die THW-Helfer An der Maßmühle 2 im Thalenser Ortsteil Weddersleben.

Mehr im Internet unter: www.thw-quedlinburg.de