Halberstadt l Mit dem großen Besen sind Jung und Alt in den zurückliegenden vier Wochen durch Halberstadt gezogen, um die Stadt vom Winterdreck zu säubern. Sie kehrten vor der eigenen Haustür und auf öffentlichen Flächen - nicht den eigenen, sondern den Dreck anderer, den diese achtlos auf Straßen, Wegen und in den Grünanlagen entsorgt haben.

Am 23. März fiel am Torteich der Startschuss für die Bürgeraktion. "Seither haben bei 15 offiziellen Aktionen mehr als 200 Halberstädter aktiv mit angepackt und verschmutzte Stellen im Stadtgebiet beseitigt", zieht Thomas Dittmer, Teamleiter Ordnung und Sicherheit der Stadtverwaltung, Bilanz. Beeindruckend ist, was die fleißigen Stadtputzer alles zusammengekehrt und -getragen haben: 50 Altreifen und etwa 30 Tonnen Müll, Unrat und Strauchschnitt. Mitarbeiter des Stadt- und Landschaftspflegebetriebes Stala haben anschließend alles abtransportiert.

Dank an engagierte Stadtputzer

"Die größte Einzelaktion fand im Umfeld von Neu Runstedt statt. Die dort im Einsatz gewesenen Mitglieder der Jagdgenossenschaft Halberstadt Nord haben allein drei Zehn-Kubikmeter-Container mit Müll gefüllt und einen Großteil der insgesamt gefundenen Reifen zusammengetragen", berichtet Thomas Dittmer. Alle, ob große oder kleinere Aktionen, hätten dazu beigetragen, dass Halberstadt ein Stückchen sauberer geworden ist.

Dass sich die Putzaktion ungewöhnlich lang über vier Wochen gestreckt hat, sei auf die kühlen Temperaturen Anfang April und die Stürme zurückzuführen. Normalerweise setze man etwa zehn Tage für den Frühjahrsputz in Halberstadt an. Viele Aktive hätten ihre Aktion wegen des schlechten Wetters verschoben.

Thomas Dittmer: "Der Dank für die vielen geleisteten Stunden gilt allen Aktiven." Beteiligt haben sich die Jagdgenossenschaft Halberstadt Nord, der Stammtisch "Neuhalberstädter", Anwohner der Plantage und aus Langenstein, der Verein "Halberstädter Berge", Schüler und Lehrer der Reinhard-Lakomy-Schule und der Miriam-Lundner-Schule, das Jugendfreizeitzentrum "Rolle", der Sportverein HT 1861, Vertreter der ÖDP, der CDU und der Linken, Mitarbeiter der Stadt und der Abfallwirtschaft.

Der Frühjahrsputz lebt zwar vor allem von den vielen Halberstädtern, die sich zum Nulltarif für ihre Stadt engagieren. Trotzdem funktioniert auch dieser Einsatz für das Allgemeinwohl nicht ohne Geld. Für die Entsorgung und den Abtransport des Unrats fallen Kosten von bisher 6900 Euro an, die die Stadtverwaltung tragen muss.

Bestrebungen, nicht nur einmal einen Bürgerputz in der Kreisstadt auf die Beine zu stellen, werden daher in der Verwaltung skeptisch gesehen. Aber es gibt sie, wie das Altstadtgespräch in dieser Woche gezeigt hat. Bewohner der Altstadt unterbreiteten den Vorschlag, zusätzlich noch einen Herbstputz zu initiieren. Diesen zu organisieren, wäre nicht das Thema, sagte Thomas Dittmer. Die Stadtverwaltung wäre damit allerdings finanziell überfordert.