Mit "Willkommen, Welcome, Bienvenue" haben Halberstädter am Sonnabend Flüchtlinge aus der ZASt in den Kreuzgang der Liebfrauenkirche zum gemeinsamen Singen und Tanzen, zum Miteinander-ins Gespräch-Kommen eingeladen. Die Begegnung dauerte mehrere Stunden.

Halberstadt l Fast Hundert Flüchtlinge, die vorübergehend in der ZASt leben, und eben so viel Einheimische hieß Pfarrer Friedrich Wegner im Kreuzgang der Liebfrauenkirche willkommen. Dieses Treffen unter dem Motto "All together now" sei das neue Format in der Willkommenskultur in Halberstadt. An den Beatles-Klassiker angelehnt, sollen Menschen unterschiedlicher Herkunft jetzt und künftig in Kontakt miteinander kommen, sich kennenlernen und gemeinsam etwas unternehmen. Die Begegnungen sollen dazu beitragen, die Scheu vor den Fremden zu nehmen und Brücken zu bauen.

Viele ehrenamtliche Helfer haben diese Auftaktveranstaltung vorbereitet. Wegner dankte ganz besonders dem Kirchenkreis Halberstadt, den Christen der Liebfrauengemeinde und aus anderen Gemeinden, der Diakonie und der Caritas. "Es wurde Kuchen gebacken, Speisen und Getränke bereitgestellt, damit man nach dem musikalischen Auftakt sich Zeit nehmen kann, an den Tischen im Kreuzgang ins Gespräch zu kommen", sagte der Pfarrer und wies darauf hin, dass Schülerinnen und Schüler des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums sich als Übersetzer zur Verfügung stellen.

Mit deutschen Kompositionen eröffnete der Posaunenchor aus Tansania das musikalische Programm. Die neun Bläserinnen und Bläser sind zurzeit Gäste der Neinstedter Anstalten. Dort wurde ihr Leiter Elikana Kitahenga von 1985 bis 1989 zum Diakon ausgebildet und hatte das Trompete spielen gelernt. Nach seiner Rückkehr hat er in Tandala einen Posaunenchor und ein Diakoniezentrum in der Kirchengemeinde aufgebaut.

Die Musiker spielten deutsche Kompositionen und gaben denen mit Trommelbegleitung ab und zu eine afrikanische Note. Musik sei "Sprache", die überall auf der Welt verstanden wird, hieß es. Sprachbarrieren würden damit überwunden, Kontakte möglich.

Dudelsackspieler Christian Lontzek teilte das Publikum in drei Gruppen, die nun mit rhythmischem Klatschen sein Spiel unterstützten oder es langsamer und wieder schneller werden ließen. Dieser Gruppeneinteilung bediente sich sogleich Superintendentin Angelika Zädow. Sie sorgte mit den Flüchtlingen aus Afrika, dem Nahen Osten und dem Balkan sowie den Halberstädtern das "Jubilate Deo, Alleluja" vielstimmig erklang.

Dass Musik aus Schottland und Afrika nicht unvereinbar sind, bewiesen Lontzek und der tansanische Posaunenchor nach minimaler Probe. Zu dem Spiel formierte sich eine Gruppe junger Afrikaner, die dazu tanzten und anschließend ein Lied zu ehren Gottes sangen, dem sie eine Strophe anhängten mit einem persönlichen Dank dafür, dass sie in Deutschland sein dürfen. Spontan schlossen sich Kinder und Erwachsene aus Albanien mit einem Lied aus ihrer Heimat an.

Pfarrer Hartmut Barsnick überreichte den Tansaniern eine Trompete, die durch Spenden aus Ströbeck und Milwaukee finanziert wurde. Als Dankeschön war "Mungu ibariki Afrika", die Nationalhymne von Tansania, zu hören.

Der Einstimmung folgten die Begegnungen an den Tischen im Kreuzgang. In der Kirche führten der Spatzen-, der Kinder- und der Jugendchor der Lindenhofgemeinde Neinstedt das Musical "Josef - ein echt cooler Träumer" auf.

Von einem sehr gelungenen Auftakt des Projektes "All together now" sprach Pfarrer Friedrich Wegner am späten Nachmittag: "Es waren für alle erlebnisreiche Stunden, die auch sehr emotional geprägt waren." Eine solche Willkommenskultur, wie sie von den Christen schon seit mehr als 2000 Jahren gepflegt werde, wolle man in Halberstadt auch künftig pflegen und damit ein deutliches Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus setzen.

 

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