In der ZASt am Rande Halberstadts leben heute wieder so viele Menschen, wie seit Jahrzehnten nicht. Die Caritas unterhält dort ein Büro, berät Asylsuchende und organisiert Orientierungskurse.

Halberstadt l "Wir sind jetzt wieder auf dem Stand der 90er Jahre", sagt Cathleen Brand, Koordinatorin der Caritas Halberstadt. Mit etwa 1200 Flüchtlingen sei die ehemalige Kaserne und heutige Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber (ZASt) am Stadtrand von Halberstadt heute wieder genauso voll wie in der Zeit der Kriege in Jugoslawien und Tschetschenien.

Bei gutem Wetter ist das Gelände um die grauen Gebäude voller Menschen. Viele sitzen auf den Grasflächen. Warten ist die Hauptbeschäftigung der Bewohner der ZASt. Gewartet wird auf die Anhörungstermine im Asylverfahren, auf Entscheidungen der Behörden oder einfach auf die nächste Möglichkeit zum Zeitvertreib, etwa in den ehrenamtlich organisierten Kursen. Abwechslung bringen Ausflüge in die Innenstadt. Auf der noch vor Monaten meist menschenleeren Friedrich-List-Straße bewegen sich heute ganze Kolonnen.

Das katholische Hilfswerk Caritas unterhält eine Beratungsstelle in der ZASt. Im hintersten Block der Aufnahmeeinrichtung gibt es ein Büro. Die Umgebung ist kaum weniger karg als im Rest der Gebäude, DDR-Charme und nur die nötigsten Modernisierungen prägen die Räume. Bunt bemalte Wände geben dem Betonbau wenigstens ein bisschen heimelige Atmosphäre.

Meistens sind die Stühle vor dem Caritas-Büro voll besetzt. 950 Ratsuchende haben sich im Jahr 2014 an die Hilfestelle gewandt, viele von ihnen mehr als einmal. Dort erhalten sie Informationen über den Ablauf des komplizierten Asylverfahrens. Das sei notwendig, sagt Brand, denn von staatlicher Seite würden die Asylbewerber kaum Informationen erhalten.

Hilfe bei bürokratischen Verfahren

Die Asylbewerber sind oft mit einem langen bürokratischen Verfahren konfrontiert. Dieses beginnt mit der Antragstellung und einer amtsärztlichen Untersuchung. Daraufhin müssen die Asylbewerber auf ihre Anhörungstermine warten, die schließlich entscheidend für Anerkennung oder Ablehnung sind. Wird ein Antrag auf Asyl abgelehnt, können sich die Betroffenen an die Härtekommission wenden. Auch in dieser ist die Caritas mit einem Mitglied vertreten.

Asylsuchende, die keine Chance auf eine Anerkennung haben - das betrifft einen Großteil der albanischen Asylbewerber - informiert die Beratungsstelle über die Möglichkeit der "freiwilligen Ausreise". Hierbei können die chancenlosen Asylbewerber einer Abschiebung und der darauf folgenden Einreisesperre entgehen.

Wenn Asylbewerber zu Asylberechtigten werden, das heißt, wenn ihr Antrag auf Asyl bewilligt wurde, beraten die Caritas-Mitarbeiter über alle weiteren Schritte: Wo finden sich Wohnungen, dürfen die Asylberechtigten bereits arbeiten, wie stellt man einen Antrag auf Arbeitslosengeld? Wie funktioniert die Welt jenseits der ZASt? Auch nach dem Auszug aus der Erstaufnahmeeinrichtung sind die Menschen mit einer ausgeprägten Ämterbürokratie konfrontiert.

Helfer sind auf Spenden angewiesen

Angewiesen sind die Engagierten der Caritas nicht nur auf ehrenamtliche Mitarbeit, sondern auch auf Spenden. Kleidung, Hygieneartikel und vor allem Schul- und Schreibmaterial werde benötigt, sagt Cathleen Brand und ergänzt: "Wir sind aber keine Müllhalde." Mit zerlöcherten Kleidungsstücken kann die Einrichtung nichts anfangen. Wer möchte, kann seine Spenden am Pförtnerhäuschen abgeben.

Engagiert sind auch Unternehmen aus der Region. Das reicht von Möbelspenden bis zu großen Tellern voller Schoko-Bananen in den Aufenthaltsräumen. "Vor einem Jahr sah es noch nicht so gut aus", sagt Anja Rennwanz. Die Spendenbereitschaft sei allerdings mit der Zahl der Flüchtlinge gestiegen und mittlerweile recht hoch.

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