Wernigerode (cm) | Es gehört zu den eher anspruchsvollen Aufgaben eines Forschers, die Größe einer Wildtierpopulation zu bestimmen. Beim Eurasischen Luchs erschwert die relative Seltenheit der Tierart dieses Vorhaben zusätzlich. Allerdings haben Luchse auch einen wesentlichen Vorteil - die großen Katzen sind anhand ihrer Fellzeichnung unterscheidbar. Dies hatten sich die Forscher im Nationalpark Harz unlängst zunutze gemacht und die Katzen mit den Pinselohren gezählt.

Bereits im vergangenen August wurden in einem großen Teil des Harzes an 60 systematisch verteilten Standorten insgesamt 120 Kameras aufgebaut. Die Niedersächsischen Landesforsten, der Landesforstbetrieb Sachsen-Anhalt und auch private Jäger unterstützten das Projekt und wirkten teils tatkräftig bei der Auswahl der Standorte mit. 100 Tage lang fotografierten die Geräte die Wildtiere des Harzes und nahmen auch 268 Bilder von Luchsen auf. Das Bildmaterial wurde nun ausgewertet.

Es zeigt 15 Luchse, darunter sechs führende Weibchen, zwei erwachsene Männchen, ein einjähriges Weibchen und sechs weitere Tiere, deren Alter und Geschlecht nicht mit ausreichender Sicherheit bestimmt werden konnte. Außerdem wurden bei den Weibchen insgesamt 12 abhängige Jungluchse festgestellt.

Das Untersuchungsgebiet, das überwiegend im Westharz liegt, umfasst 746 Quadratkilometer und entspricht damit gut einem Drittel der 2200 Quadratkilometer großen Harzfläche. Mittels moderner statistischer Modelle errechneten die Forscher für das Untersuchungsgebiet eine Dichte von 2,1 selbstständigen Luchsen pro 100 Quadratkilometer bzw. 3,8 Luchsen pro 100 Quadratkilometer bei Berücksichtigung der Jungtiere.

Auf Einladung des Landesjagdverbandes Sachsen-Anhalt e.V. stellte der Nationalpark Harz die Zahlen am vergangenen Mittwoch in Harzgerode vor. An dem Termin nahmen Vertreter der Niedersächsischen Landesjägerschaft e.V. und von Forst- und Jagdbehörden teil. Die Runde betonte noch einmal die große Bedeutung aussagekräftiger und transparenter Bestandeszahlen, um die Entwicklung der Harzer Luchspopulation dokumentieren und bewerten zu können. Es sei wünschenswert, dass das Fotofallen-Monitoring auf weitere Teile des Harzes ausgedehnt wird. Bislang bestehen in Sachsen-Anhalt Datenschutzbedenken gegen eine Ausweitung des Untersuchungsgebietes.

Die Harzer Luchspopulation beschränkt sich allerdings seit geraumer Zeit nicht mehr auf die Grenzen des nördlichsten deutschen Mittelgebirges. Vielmehr ist eine deutliche Ausbreitungstendenz der Pinselohren festzustellen. Auch im Kaufunger Wald und im Hils brachten Luchse in den vergangenen Jahren Jungtiere zur Welt.

Bilder