Ein digitaler Schatz ist seit Kurzem im Historischen Stadtarchiv Halberstadt zugänglich - das Zeitungsarchiv. Eineinhalb Jahre war es verschlossen, weil die Technik fehlte, um es zu nutzen.

Halberstadt l 20 000 Euro sind 2013 in die Digitalisierung des kompletten Zeitungsarchivs des Historischen Stadtarchivs im Gleimhaus Halberstadt geflossen. Der wertvolle und vom Zahn der Zeit bedrohte Zeitungs-Schatz (1785 beginnend bis 2004) war gesichert. Allerdings fehlte der Schlüssel, um die Schatztruhe zu öffnen. Nutzer des Archivs waren ausgesperrt (Volksstimme berichtete). Es gab keinen PC-Arbeitsplatz und der Reader-Printer, mit dem das auf Mikrofilm abgelichtete Zeitungsarchiv genutzt werden konnte, hatte den Dienst quittiert. Eineinhalb Jahre später: Am Dienstag ist der erste öffentliche PC-Arbeitsplatz im Historischen Stadtarchiv ans Netz gegangen.

"Der Zugang ist einfach und benutzerfreundlich. Die digitalisierten Zeitungen sind sehr gut zu lesen", bestätigen Detlef Eckert und Eva Scholke, die beide oft für Recherchen im Archiv zu Gast sind.

Dabei ist digitale Revolution im Archiv zumindest äußerlich unspektakulär. Ein kleiner Tisch, auf dem ein PC-Monitor samt Tastatur steht. Und dafür hat die Stadtverwaltung fast fünf Jahre benötigt? Armin Schulze, Direktor des Städtischen Museums: "Es hat viel Zeit, Recherchen, Abstimmung, Geld und ein Haufen Arbeit gekostet, um den öffentlichen Arbeitsplatz einzurichten. Es ist ein wichtiger Schritt in die Zukunft." Ab dem 5. Mai ist das ein Terrabite umfassende digitalisierte Zeitungsarchiv - 269 500Dateien und 2750Ordner - für die Öffentlichkeit zugänglich.

Bereits 2010 habe sich abgezeichnet, dass die technische Nutzungsdauer des alten Reader-Printers nach zehn Jahren abgelaufen war, erklärt Armin Schulze. 2011 seien im städtischen Haushalt 20 000 Euro für ein neues Gerät eingestellt worden. Doch dann entschied man sich für die Digitalisierung des Archivs. "Der technische Verschleiß des Reader-Printers und auch der Mikrofilme hätten spätestens in zehn Jahren wieder Probleme bereitet und einen Technik-Neukauf erfordert beziehungsweise eine Neuablichtung des Zeitungsbestandes. Und Papier hält sich nicht ewig", sagt der Museumsdirektor. Die digitale Erfassung schone die Originale und ermöglicht einen Zugriff auf sonst, aus Bestandserhaltungsgründen, gesperrte Archivalien.

Allerdings war zusätzlich zur Digitalisierung der Kauf eines PC, eines Monitors und wegen der zu erwartenden Datenmengen eines separaten Servers erforderlich, was zusätzliche Kosten in Höhe von etwa 5500 Euro nach sich zog. Geld, das die Stadtverwaltung aufgrund der leeren Kassen nicht zur Verfügung stellen konnte. Darum galt es, Unterstützer zu finden. Man fand sie in der Stiftung der Kreissparkasse Halberstadt, dem Geschichts- und dem Förderverein des Städtischen Museums bereits vor vier Jahren.

Die Arbeit zur Digitalisierung des Historischen Archivs habe erst begonnen, betont Armin Schulze. In einem nächsten Schritt sollen fünf Festplatten mit bisher nicht erschlossenen Personenstandsunterlagen für die Nutzung am PC-Arbeitsplatz vorbereitet werden. Später sei auch eine Online-Nutzung des Archivs angedacht. Außerdem warten über 1200 Jahre bewegte Geschichte auf mehr als 87 131Dokumenten, darunter 1000 Urkunden aus der Zeit vom 11.bis zum 20.Jahrhundert, auf eine Erfassung.