Für die Mitglieder der Bergwacht-Gruppen im Harzkreis hat kommunikativ ein neues Zeitalter begonnen: Seit Montag verfügen sie über Digitalfunkgeräte. Damit sind die Bergretter als Teil des Rettungsdienstes nun wieder im modernen Funksystem der Rettungskräfte integriert.

Halberstadt l Klein, handlich und - glaubt man den Technikern - ihren analogen Vorgänger um Längen überlegen: digitale Funkgeräte. Polizei, Feuerwehr sowie Notärzte und Rettungssanitäter kommunizieren im Harzkreis seit Längerem mithilfe des digitalen Funknetzes. Auch andere Hilfs- und Rettungskräfte wie Technisches Hilfswerk (THW) oder die Wasserwachtler von der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft DLRG sind längst digital unterwegs und erreichbar. Allein die Bergwacht-Retter mussten - wenn sie im Auftrag der Kreis-Leitstelle zu Einsätzen ausrückten - ihre analoge Technik von vorvorgestern bemühen. Das ist nun anders: Landrat Martin Skiebe (CDU) und der Chef der Rettungsleitstelle, Kai-Uwe Lohse, übergaben am Montag zusammen mit Landtags-Innenausschuss-Chef Ronald Brachmann (SPD) insgesamt 34 Digitalgeräte an Vertreter der hiesigen Bergwachtgruppen.

Für Landrat Skiebe nicht nur ein bloßer Übergabe-Termin, sondern weitaus mehr. Der CDU-Politiker nutzte die Gelegenheit, um die Bedeutung der Bergwacht herauszustellen. Gerade im Harz seien die Experten am Berg unverzichtbarer Bestandteil der gesamten Rettungskette. Darauf müssten sich Einhemische wie auch Touristen verlassen können - sowohl im Brocken-Bereich, im Bodetal oder andernorts.

Den von ehrenamtlichen Kräften rekrutierten Gruppen gebühre Dank und Wertschätzung sowie öffentliche Wahrnehmung, so Skiebe. "Ihre Arbeit sollte ein Stück weit ins Licht der Öffentlichkeit gerückt werden", betonte der Landrat.

Mit seinen Worten schlug der CDU-Politiker erkennbar bewusst einen Bogen zur aktuellen Debatte rund um die Finanzierung der Bergwacht. Die Crux dabei: Obwohl die Bergretter im Harz fester Bestandteil der Rettungsstrukturen sind und meist dann gerufen werden, wenn andere Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst an topografische Grenzen stoßen, ist ihre Finanzierung nicht abschließend geklärt. So kommt es immer wieder vor, dass die Ehrenamtler Rettungs- oder Bergungseinsätze leisten und anschließend keinerlei Vergütung von den Krankenkassen der Betroffenen bekommen.

Nachdem die Volksstimme jüngst auf dieses seit Jahren bestehende Dilemma aufmerksam gemacht hatte, schaltete sich Ronald Brachmann ein und nahm die Thematik mit in den Landtags-Innenausschuss. Dem Vernehmen nach hat Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) die Sache mittlerweile zur Chefsache erklärt.

"Ihr kriecht in Ecken unserer Kreises, in denen zuvor noch kein Messwagen war. Das ist eine neue Härteprobe für unser modernes Kommunikationssystem."

Kai-Uwe Lohse, Chef der Rettungs-Leitstelle im Harzkreis

Aktuell laufen wohl Verhandlung zwischen dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) als Träger der Bergwacht-Gruppen und der AOK als Verhandlungsführer auf Krankenkassen-Seite. Werden hierbei keine Lösungen gefunden, will sich Stahlknecht persönlich einschalten, heißt es. Am Rande des gestrigen Termins, kündigte auch die CDU-Landtagsabgeordnete Angela Gorr an, sich für die Bergretter stark machen zu wollen.

Deren Bedeutung im Harzkreis verdeutlichte bei der Übergabe Leitstellen-Chef und Kreisbrandmeister Lohse: "Die Bergwacht ist unabdingbarer Teil unseres Rettungswesens." Deshalb sei es logisch, auch diese Retter ins moderne Digitalfunknetz zu integrieren. Neben vier Festeinbausätzen für Fahrzeuge der Bergwacht erhalten die Gruppen in Wernigerode, Halberstadt und Thale mit ihren Partnerteams in Hasselfelde und Hüttenrode 30 Handfunkgeräte. In deren Bedienung werden die Akteure eingewiesen.

Dass die Kreisverwaltung mit der Integration der Bergretter ins Digitalfunknetz und der Netzabdeckung in der Fläche auch ein stückweit Neuland betrifft, betonte Kai-Uwe Lohse: "Ihr kriecht in Ecken unserer Kreises, in denen zuvor noch kein Messwagen war. Das ist eine neue Härteprobe für unser modernes Kommunikationssystem", sagte er mit Blick auf die anwesenden Bergwacht-Retter.

Ein Punkt, der auch Axel Vösterling vom Technischen Polizeiamt Magdeburg, dem Betreiber des Digitalfunknetzes, wichtig ist: "Wenn es Probleme bei der Abdeckung und weiße Flecken gibt, dann bitte sofort ein Signal geben, damit wir nachjustieren können", sagte der Hauptkommissar.

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