Im Harz sind Gullydeckel-Täter unterwegs, die immer wieder mit brachialer Gewalt in Geschäfte eindringen. Dabei nutzen sie schwere Kanaldeckel, um Scheiben zu zerstören. Allein in der Nacht zum Donnerstag gab es vier Brüche im Kreis.

Halberstadt (dl) l Halberstadt, Quedlinburg, Westerhausen und schließlich Drübeck: Vier Orte, an denen Unbekannte in der Nacht zum Donnerstag in ein Geschäft und in drei Tankstellen eingestiegen sind.

Mit brachialer Gewalt, wie Polizeisprecher Uwe Becker auf Anfrage der Volksstimme bestätigt. In Tankstellen in Quedlinburg, dem nahen Westerhausen und in Drübeck seien massive Gullydeckel genutzt worden, um die Schaufensterscheiben großflächig zu zertrümmern und anschließend binnen kürzester Zeit Zigaretten und Tabak zu stehlen. Zumindest bei diesen drei Taten sieht Hauptkommissar Becker eindeutige Zusammenhänge und Parallelen.

Und es dürften nicht die einzigen sein. Denn schon in den vergangenen Wochen und Monaten haben im Harzkreis immer wieder "Gullydeckel-Täter" zugeschlagen: In der Nacht zum 16. April war ein Fitness-Studio in einem Gewerbegebiet in Wernigerode das Ziel. Eines, das nach Volksstimme-Recherchen bereits im August 2014 schon einmal das Ziel von Einbrechern war. In beiden Fällen versuchten die Täter, sich den Weg mithilfe von gusseisernen Kanalabdeckungen zu bahnen. Im August vorigen Jahres blieb es beim Versuch. Der 40 Zentimeter große Gullydeckel, den sie zuvor aus einer Straßenzufahrt gestohlen hatten, hinterließ zwar ein rund ein Meter großes Loch in der Scheibe - die Täter passten jedoch nicht hindurch und flüchteten. Anders in der Nacht zum 16. April: Da gelangten sie ins Innere und stahlen eine Kasse mit Bargeld.

Jene beiden Taten passen zumindest vom Strickmuster zu weiteren ähnlichen Attacken: Am 26. April und am 2. Mai brachen Unbekannte in den Shop einer Tankstelle in der Magdeburger Straße in Quedlinburg ein. Einmal wurde die Scheibe laut Polizei mit einem unbekannten Gegenstand eingeschlagen, beim zweiten Mal wurde dafür ein gusseisernes Gitter genutzt. In beiden Fällen verschwanden Zigaretten und Tabak im Wert von mehreren hundert Euro. Wenig im Vergleich zum Sachschaden am Gebäude: geschätzte 2000 Euro beim ersten Anschlag.

Weit höher ist der Schaden, der jetzt, in der Nacht zum Donnerstag, in Halberstadt registriert wurde. Nach Beckers Worten hebelten die Täter die Tür eines Supermarktes in der Tschaikowski-Straße auf. "Auch hier wurden Zigaretten und Tabakwaren im Wert von rund 200 Euro entwendet. Der Sachschaden beläuft sich auf rund 10 000 Euro."

Jene Tat wurde der Polizei gegen 2.20 Uhr gemeldet. Dass es Parallelen zu den unmittelbar danach in Quedlinburg und Westerhausen registrierten Einbrüchen in Tankstellen gibt, will Uwe Becker zumindest nicht ausschließen. Dort schlugen wieder die "Gullydeckel-Täter" zu: Gegen 2.25 Uhr und gegen 2.30 Uhr in Tankstellen in der Westerhäuser Straße in Quedlinburg und in der Straße Am Langenberg in Westerhausen.

Das Diebesgut: In Quedlinburg nichts, in Westerhausen Zigaretten und Tabak. Der Sachschaden: Um ein Vielfaches höher als der Wert des Diebesgutes. Und damit nicht genug: Um 3.25 Uhr ging der nächste Notruf ein: In Drübeck wurde eine Tankstelle Am Thie mittels Kanaldeckel geöffnet, um Zigaretten mitgehen zu lassen.

Zumindest zwischen den Einbrüchen in Quedlinburg, Westerhausen und Drübeck sieht Becker eindeutige Parallelen. Was auf der Hand liegt: Die Tatorte in Quedlinburg und Westerhausen sind keine vier Kilometer voneinander entfernt. Von Westerhausen bis Drübeck sind es über die B 6 gut 30 Kilometer, die mitten in den Nacht in 30 Minuten locker zu schaffen sind. Zwischen den beiden letzteren Einbrüchen liegen laut Polizei rund 60 Minuten.

Ob der oder die Täter auch in Halberstadt zuschlugen, will Polizeisprecher Becker nicht ausschließen: "Auf den ersten Blick sind keine direkten Parallelen erkennbar, weil die Täter anders vorgingen. Allerdings wurden auch hier Tabak und Zigaretten entwendet." Und auch das geringe Zeitfenster - laut Polizei fünf Minuten - muss nicht zwingend gegen dieselben Täter sprechen. "Es kann hier durchaus noch gewisse Differenzen zwischen dem Auflaufen der Notrufe bei Wachschutzfirmen und der eigentlichen Meldung an die Polizei geben, sodass die tatsächliche Zeitdifferenz größer als fünf Minuten ist." Und in zehn bis 15 Minuten ist auch diese Distanz machbar.

Die Polizei hat indes einen ersten Hinweis: "Zeugen beobachteten an der Quedlinburger Tankstelle einen dunklen Pkw, der in Richtung Westerhausen flüchtete. Hier setzen wir an und hoffen auf weitere Hinweise von möglichen Zeugen", so der Hauptkommissar.

Hinweise bitte unter Telefon (0 39 41) 67 41 93