Unter dem Motto "Mein Halberstadt - alte Häuser im neuen Glanz" steht eine Serie von Volksstimme und Stadtverwaltung. Vorgestellt werden Bauprojekte, die dazu beitragen, dass Halberstadt nach 1990 wieder lebens- und liebenswert geworden ist beziehungsweise wird.

Halberstadt l Tausende Autos fahren jeden Tag an dem Haus mit den vier goldenen Sternen und dem großen Park vorbei. Lange Zeit glänzten die Sterne über dem alten Hauseingang nicht mehr. Nicht nur, weil Straßenverkehr Fassaden rasch verschmutzt, sondern auch, weil der Zahn der Zeit an dem verputzen Fachwerkgebäude nagte.

"Das Sternenhaus hat mich gleich in meinen ersten Wochen und Monaten hier in Halberstadt sehr beschäftigt", erinnert sich Holger Thiele. Der Verwaltungsdirektor des Cecilienstifts erlebte, wie intensiv in Vorstand und Kuratorium des Stiftes über die Zukunft das Hauses diskutiert wurde. Verschiedene Möglichkeiten bis hin zur Schließung des als Altenpflegeheim genutzten Hauses wurden beraten und verworfen. Letztlich kam die Entscheidung, dass das Haus der Altenhilfe erhalten bleiben solle, aber nicht als Pflegeheim. "Als Heim wäre es wirtschaftlich nicht zu führen gewesen", erinnert sich Thiele. Schließlich macht die prachtvolle Innenausstattung den Charakter des Hauses aus. Holzgetäfelte Wände, eine Wand mit einer alten Ledertapete, Holztreppen, Schnitzwerk, viele wunderschöne Details. Aber ein Heim muss Brandschutzvorschriften erfüllen, eine Rundum-Betreuung sicherstellen, Rettungswege vorhalten, praktikable Zimmerzuschnitte bieten. "Das alles war nicht gegeben. Nur 40 Prozent der Fläche waren Wohn- und Schlafräume, 60 Prozent Flure, Treppen und Gemeinschaftsräume", erzählt Thiele.

Das traditionsreiche Haus sollte seine Eigenheiten wie die holzgetäfelten Gemeinschaftsräume bewahren können und trotzdem barrierefreie Zimmer und moderne Bäder bieten. "Deshalb haben wir uns damals entschlossen, das Dachgeschoss zu sanieren und auszubauen, um mehr Wohnfläche zu bekommen und statt Heimplätzen altersgerechte Wohnungen anzubieten", erzählt Thiele.

Fast zwei Jahre dauerte es, bis die Entscheidung über die Zukunft des Hauses gefallen, der Bauplan entwickelt, die Finanzierung der 1,4 Millionen Euro teuren Sanierung gesichert war. Geldgeber waren Bund, Land und Stadt, die Lotto-Toto-Gesellschaft, die Evangelische Kirche Mitteldeutschland und mit einem zinsgünstigen Kredit die Investitionsbank Sachsen-Anhalt. "Und der Förderverein des Hauses, der uns den zweiten Fahrstuhl im Haus ermöglicht hat", so Thiele. Dann gab es einen recht sportlichen Zeitplan für die eigentliche Bauphase. Innerhalb eines Jahres sollten alle 25 beteiligten Firmen ihre Arbeiten erledigt haben und das Haus sollte wieder bezogen sein. "Der Umbau ließ sich nur in einem leergezogenen Gebäude bewerkstelligen. Das war für die Bewohner nicht einfach", sagt Holger Thiele. Und erzählt, wie der ohnehin enge Zeitrahmen fast komplett gesprengt worden wäre. Der Zulieferer für die Türen machte unerwartet Sommerpause. "Als wir diese Hiobsbotschaft bekamen, stockte uns erstmal der Atem. Aber wir haben es irgendwie hinbekommen. Nicht ganz ohne Verzögerungen. Der Anfang im Haus war etwas holprig, weil recht viele Restarbeiten zu erledigen waren."

Inzwischen ist ein neuer Fahrstuhl eingebaut und ein bereits vorhandener wurde bis ins Dachgeschoss verlängert. Zudem seien alle brandschutztechnischen Anforderungen erfüllt worden. Gottvertrauen helfe, bei allen Herausforderungen die Zuversicht zu bewahren. "Das hilft mir persönlich sehr", sagt Holger Thiele und lenkt das Gespräch sofort wieder auf das Leben im Sternenhaus. Schwester Veronika Unglaube sei die gute Seele des Hauses. "Wenn jemand mal zwei Tage nicht vor die Tür tritt, fragt sie nach." Mit Magdalena Schlemmer und Christa Köhler leben noch zwei weitere Diakonissen im Sternenhaus, zu dem auch das Gartenhaus dahinter gehört.

   

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