Heute Morgen verlässt ein mit 40 Tonnen Hilfsgütern beladener Sattelschlepper Halberstadt in Richtung Osten. Begleitet wird er von neun Mitgliedern des Vereins "Notruf Ukraine - Polizisten helfen". Ziel ist das Krankenhaus in Sambir in der Westukraine.

Halberstadt l Reges Treiben herrschte am Donnerstag und Freitag im Lager des Vereins "Notruf Ukraine - Polizisten helfen". Auf dem Hof war ein Sattelschlepper vorgefahren, dessen riesige Ladefläche es zu füllen galt, unter anderem mit 20 Pflegebetten, Möbeln, Medizintechnik, medizinischem Verbrauchsmaterial und Bettwäsche. Damit vor allem jene Güter verladen wurden, die im Krankenhaus Sambir am dringendsten benötigt werden, war extra ein Ärzteteam unter Leitung von Chefarzt Jewgeni Podgreblny nach Halberstadt gekommen und traf vor Ort die Auswahl. Obwohl es schon der sechste Transport ist, der in die westukrainische Stadt in der Nähe von Lwow fährt, ist in dem Krankenhaus, in welchem 330 Patienten stationär betreut werden können, noch immer großer Bedarf an sehr vielen Dingen.

"Unsere neue frei gewählte Regierung möchte den medizinischen Bereich reformieren", so Podgreblny, "allerdings reichen die finanziellen Mittel nicht aus, so dass wir auf die Hilfe aus Deutschland angewiesen sind und diese gern annehmen." Der Halberstädter Verein habe in den vergangenen Jahren sehr große Unterstützung gegeben, den Standard in den einzelnen Abteilungen wesentlich zu verbessern.

"Wir sind sehr dankbar. Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut", so der Chefarzt. "Wir haben wirklich großes Glück, dass wir diesen Kontakt haben. Durch die Transporte konnten schon sehr viele alte Einrichtungsgegenstände und Geräte ausgetauscht werden. Diesmal soll vor allem die Hals-, Nasen- und Ohrenklinik davon profitieren."

Im Krankenhaus von Sambir fehlt noch vieles

"Bei unseren Besuchen in Sambir haben uns die Ärzte voller Stolz präsentiert, was sich dank unserer Lieferungen im Krankenhaus verbessert hat. Sie haben uns gezeigt, dass sie damit richtig arbeitsfähig sind und den Patienten helfen können", berichtet Vereinsvorsitzender Ulrich Scholle. "Wir haben aber auch mit eigenen Augen sehen können, dass noch vieles im Argen ist. Deshalb werden wir sicher auch weiterhin gebraucht." Es fehle eigentlich an allem, unterstreicht er, um in dem Krankenhaus und seinen drei Außenstellen die medizinische Versorgung für 114000 Einwohner sicherzustellen. Dem Personal bescheinigt Scholle großes Engagement: "Die Ärzte, Pfleger und Schwestern tun wirklich alles im Interesse der Patienten. Und das unter wirklich schwierigen Bedingungen. So haben die Ärzte schon zwei Monate keine Gehälter mehr bekommen, wie wir gerade erfahren haben." Nachdem das Ärzteteam beim letzten Besuch sich im Halberstädter Ameos-Klinikum umschauen und mit Kollegen sprechen konnte, war es diesmal im Wernigeröder Harzklinikum zu Gast. Aus diesen und anderen regionalen Einrichtungen stammen viele der Hilfsgüter, die Richtung Ukraine auf die Reise gingen bzw. gehen. Der 40-Tonner wurde bis dicht unter die Plane beladen, jeder kleine Raum wurde ausgenutzt, um möglichst viel mitnehmen zu können. Neun Mitglieder des Vereins sind in zwei Begleitfahrzeugen mit dem Sattelschlepper mit unterwegs. An der Grenze von Polen zur Ukraine will das Ärzteteam aus Sambir bei der Erledigung der Zollformalitäten helfen. Denn es soll zügig gehen. "Die Papiere sind vollständig. Also dürfte die Abfertigung nicht sehr lange dauern", sagte Scholle, der auch anderes kennt. Er erinnert daran, dass vorhergehende Transporte schon über viele Stunden, ja sogar einen ganzen Tag lang an der Grenze zur Ukraine stehen mussten. Nach einer Woche werden die Begleiter zurück sein in Halberstadt. "Ich wünsche Euch eine störungsfreie Fahrt. Grüßt unsere Freunde und kommt alle gesund wieder", verabschiedete Vereinschef Ulrich Scholle die Begleitmannschaft.