Der bundesweit erste Tag der Städtebauförderung wurde in Osterwieck als Erfolg gewertet. An einer Stadtführung mit Schwerpunkt "Bunter Hof" nahmen am Sonnabend über 40 Personen teil.

Osterwieck l Dass die Beziehungen zwischen Blankenburg und Osterwieck enger sind als auf den ersten Blick vermutet, drückte der Tag der Städtebauförderung aus. Etwa die Hälfte der Teilnehmer am Stadtrundgang kam per Sonderbus aus der Blütenstadt, an der Spitze Bürgermeister Hanns-Michael Noll (CDU). Auch ein Ausdruck der engen Zusammenarbeit mit seiner Osterwiecker Amtskollegin Ingeborg Wagenführ (Buko), wie er betonte.

Blankenburg und Osterwieck sind die kreislichen Aushängeschilder im Projekt "ZukunftsWerkStadt", und beide Städte sind seit 1991 im Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz. Das finanzielle Volumen der Altstadtsanierung seitdem sei etwas gleich, berichtete Matthias Gunnemann von der BauBeCon, die beide Kommunen als Sanierungsträger begleitet.

Gunnemann war es auch, der die Idee hatte, am Tag der Städtebauförderung Blankenburger und Osterwiecker zusammenzubringen. Mit einer gemeinsamen Stadtführung am Vormittag in der Ilsestadt und am Nachmittag in der Blütenstadt.

In Osterwieck dreht sich die Altstadtsanierung zuletzt vor allem um den "Bunten Hof", ein mit den Jahrhunderten zig Mal umgebauter Adelshof, ursprünglich von 1578/79. Seit acht Jahren ist er wieder im städtischen Eigentum, nachdem die Kommune das vom Einsturz bedrohte Gebäude für einen symbolischen Euro zurückgekauft und bis 2009 gesichert hatte. 2011 begann die Sanierung mit einem Volumen von zwar über zwei Millionen Euro, aber auch zu über 80 Prozent gefördert.

"Ich denke, Sie werden begeistert sein", begrüßte Claudia Hennrich, die Chefin des Deutschen Fachwerkzentrum aus Quedlinburg, die Besucher. Und sie erzählte von der Bauforschung, den Malereien der Renaissance, den vielen praktischen Bildungsseminaren für Handwerker, angehende Architekten und Fachwerkinteressenten. Sogar Schüler des benachbarten Fallstein-Gymnasiums hätten hier mitgearbeitet. Noch zehn Monate Bauzeit würden benötigt bis zur Fertigstellung. Hennrich sprach über die natürlichen Baumaterialien, die hier verwendet werden und beim Wandaufbau nicht beim Lehm aufhören. Auch die Farbe ist ein spezieller Naturmix, damit die Wand atmen kann, aber auch abtrocknet.

Fünf barrierearme Wohnungen für Schüler des Fallstein-Gymnasiums sind im "Bunten Hof" vorgesehen, dazu ein Saal und in den früheren Wohnräumen der Erbauerfamilie von Rössing die Stadtbibliothek. Hennrich schilderte den unkonventionellen Weg, um die Statik für die Bücherei losgelöst von den DIN-Vorschriften genehmigt zu bekommen. Dadurch sei das alte Tragwerk erhalten worden, nur an drei Stellen hätten Deckenbalken ertüchtigt werden müssen. Es sei viel Geld gespart worden.

Für die Besucher gab es auch praktische Einblicke in die Arbeitsweisen. Tischlerlehrling Marie-Anne Kirschner restauriert gerade eine bauzeitliche Tür und schilderte, wie aufwändig sie Lackreste beseitigt, wie sie mit Fisch-, Haut- bzw. Knochenleim hantiert und auch Bienenwachs verwendet. Maler Maik Sommerfeld stellte die Bierlasur zur Gestaltung von Holzflächen vor.

Unter den Blankenburger Besuchern befand sich mit Ulrich-Karl Engel ein gebürtiger Osterwiecker. "Meine Cousine hat hier Ende der 1960er Jahre gewohnt", sagte er im "Bunten Hof". Er habe auch nicht vergessen, wie Ortschronist Theo Gille dieses Gebäude immer wieder ins Blickfeld gerückt hatte. Dass sich das Fachwerkzentrum vor die Sanierung gespannt habe, sei für Osterwieck ein "Glücksfall". Engel sei auch angetan, wie es geschafft wurde, zwei gesellschaftliche Probleme zu lösen. Nämlich barrierearme Wohnungen für körperbehinderte Schüler zu schaffen, und das in einen Denkmal.

"Ich bin beeindruckt. Osterwieck hat 2016 ein Schmuckstück", zog Blankenburgs Bürgermeister Noll ein Fazit. Auch vor dem Hintergrund, dass es in der Einheitsgemeinde ebenfalls kritische Äußerungen zum "Bunten Hof" gibt. Ähnliche Stimmen gab es seinerzeit auch bei der Blankenburger Rathaussanierung. "Man muss Mut haben, ein Zeichen zu setzen", sagte Noll. "Wichtig ist, eine Nutzung reinzubringen." Solch ein Haus wie der "Bunte Hof" drücke auch ein Heimatgefühl aus.

   

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