Mit einem Konzert in der Stephanikirche beginnt am heutigen Freitagabend das zweite Osterwiecker Reformationsfest innerhalb der Lutherdekade. Bis Sonntag erwartet die Besucher ein vielfältiges Programm rings um das Gotteshaus.

Osterwieck l Es mag etwas Symbolhaftes haben, dass sich das Kirchenschiff jetzt zum zweiten Fest nach 2012 mit seiner restaurierten Fassade fast wieder wie zur Zeit der Erbauung vor über 450 Jahren präsentiert. In einer Zeit, als die Stadt Osterwieck im Gegensatz zum Bistum Halberstadt längst protestantisch war.

Auch der Stephanikirchhof selbst ist gerüstet für das dreitägige Fest. Die Löcher wurden aufgefüllt, die befestigten Platzbereiche gefegt, die Linden, unter denen das Publikum sitzen wird, nochmal beschnitten. Lichterketten wurden installiert, Hütten aufgebaut. Die Bühne steht vor der Stephanischule. Rund 30 Stände werden sich übers Wochenende ringsherum auf dem Kirchhof befinden. Befreundete Kommunen präsentieren sich hier, ebenso Vereine, altes Handwerk und Firmen. Die kulinarische Versorgung der Besucher wird zugesichert. Umfangreiche Mitmachangebote wird dabei der Osterwiecker Kulturlandverein vorhalten. Die Bürgerwehr Schöppenstedt baut wie schon 2012 ein Zeltlager auf und wird auf dem Festgelände auch die Nachtwache übernehmen.

Auswärtige Besucher können am Wochenende nicht den Parkplatz am Markt auf dem Hinkelmannschen Hof nutzen. Als Parkfläche steht ein Bereich des Angers in der Rudolf-Breitscheid-Allee zur Verfügung. Von dort sind es 500 Meter Fußweg zum Stephanikirchhof.

Freitag

Zum Auftakt gibt es heute ab 19 Uhr einen Konzertabend in der Stephanikirche mit Ralf Benschu und der Band "Marco Böttger Swingtett Orgelsax". Die fünf Musiker haben ihrem ersten gemeinsamen Konzertprogramm Choralmelodien aus der Reformationszeit zugrunde gelegt. Die Melodien, die meist im 15. oder 16. Jahrhundert entstanden sind, erhalten in den Arrangements von Marco Böttger und seinen Kollegen überraschend neue Gestalt.

Karten gibt es noch an der Abendkasse. Zu allen anderen Veranstaltungen des Reformationsfestes ist übrigens der Eintritt frei.

Nach dem Konzert wird auf den Kirchhof eingeladen, um dort unter den Linden die Abendstimmung zu genießen.

Sonnabend

Die Osterwiecker werden am Sonnabend geweckt. Ab 11 Uhr spielen auf der Bühne die Tai-ko-Trommler aus Nordstemmen, die schon vor drei Jahren mit ihrer lautstarken wie rhythmischen traditionellen japanischen Kunst für Aufmerksamkeit sorgten.

Um 11.30 Uhr werden vom Heimatmuseum aus thematische Stadtführungen angeboten. Dabei werden das Museum selbst, Inschriften an Fachwerkhäusern sowie die Stephanikirche besichtigt.

Auf der Bühne stehen ab 12.30 Uhr die kleinen Tänzer aus dem Osterwiecker Fitnessstudio und ab 15 Uhr die Renaissancetänzer des Kulturlandvereins in ihren neuen, stilechten Kleidern.

Bereits ab 14 Uhr wird in der Kirche das Kindermusical "Der falsche Ritter" aufgeführt. Kinder und Erwachsene aus Osterwieck und Umgebung stellen darin auf unterhaltsame Weise die abenteuerliche Entführung Martin Luthers auf die Wartburg dar.

"Chancen und Grenzen der Medien" heißt der Titel einer Podiumsdiskussion in der Stephanikirche. Die namhaft besetzte Gesprächsrunde beginnt um 16 Uhr. Es diskutieren Pfarrerin Renate Höppner aus Magdeburg, Superintendentin Angelika Zädow aus Halberstadt, Detlef Rentsch vom MDR-Landesfunkhaus, der frühere Landesminister Karl-Heinz Daehre und Franz-Reinhard Habbel aus Berlin. Moderator ist der Senderbeauftragte der evangelischen Landeskirchen beim MDR, Andreas Beuchel.

"Wir bauen eine Stadt" ist ein Theaterstück des Vereins Kultur im Schäfers Hof über Osterwieck in der Reformation, das ab 17.30 Uhr auf der Bühne zu sehen ist.

Den musikalischen Abend auf dem Kirchhof gestalten ab 19 Uhr die Osterwiecker Schlagerband "Johnny und die Fallsteinboys feat Steffi" und ab 21 Uhr die "Hit-Radio Show". Letztere ist eine Partyband, die schon zahlreiche Auftritte im Fernsehen, für Radiosender und auf Großveranstaltungen bis hin zur Silvesterparty am Brandenburger Tor hatte.

Sonntag

Landesbischöfin Ilse Junkermann und Kultusminister Stephan Dorgeloh (SPD) sind die Schirmherren dieses Reformationsfestes. Die Bischöfin wollte auch den Festgottesdienst am Sonntag ab 10 Uhr mitgestalten, musste aber krankheitsbedingt absagen. Aber auch so verspricht der Gottesdienst außergewöhnlich zu werden. Den Kirchenraum werden ungezählte Engel zieren, von Osterwieckern gebastelt. Etwa 50 Sänger der Kantoreien Osterwieck und Wasserleben werden mitwirken und über 20 Bläser aus dem Kirchenkreis Halberstadt.

Die Bläser werden anschließend auf dem Kirchhof musizieren. Um 11.30 Uhr beginnen auch wieder Themenführungen ab dem Heimatmuseum.

Die zehnköpfige Theatergruppe aus dem Fallstein-Gymnasium hat das Stück "Luther - eine Spurensuche" selbst entwickelt und führt dieses ab 13 Uhr auf der Bühne auf. Der Frauenchor Osterwieck singt dort ab 14.30 Uhr. Und die Renaissancetanzgruppe tritt noch einmal ab 15.15 Uhr auf, begleitet von der englischen Renaissanceband Piva, die am Sonntag auch zwischendurch immer mal musizieren wird.

Piva gibt übrigens bereits am Sonnabend in Osterwieck auch ein eigenes Konzert, das um 20 Uhr im E-Werk beginnt.

Heimatmuseum

Das Osterwiecker Heimatmuseum am Markt ist am Sonnabend von 11 bis 17 Uhr und am Sonntag von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Dort läuft die Sonderausstellung "Der Osterwiecker Rat und die Lutherausgaben". Darin geht es um die besondere Einstellung des damaligen Osterwiecker Rates, des Bürgermeisters und der Bürger zur Reformation. Eine Besonderheit in der Schau ist die Holzhackerbibel. Neu präsentiert sich dort eine Lutherfigur, die in der Osterwiecker Kreativwerkstatt gefertigt wurde.