Pflegen, Fahren, Beraten, Betreuen - es sind vielfältige Angebote, die sich unter dem Dach des Arbeiter-Samariter-Bundes vereinen. Der Verband in Halberstadt feiert am Donnerstag 25-jähriges Bestehen.

Halberstadt l Die DDR bestand noch, als sich in Halberstadt eine Gruppe engagierter Menschen traf, um den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) neu zu gründen. 58 Gründungsmitglieder hatte Dr. Manfred Temme am 21. Mai 1990 um sich geschart. Er hatte als technischer Leiter der Schnellen Medizinischen Hilfe mit seinen Mitarbeitern die Idee der Wiedergründung in die Stadt und die Region getragen. Hilfe kam aus Niedersachsen und vom Bundesvorstand des ASB. Der Wohlfahrtsverband bestand zu diesem Zeitpunkt bereits 102 Jahre.

Auch in Halberstadt hat der ASB eine lange Tradition, wie Uta Pfaff, heutige Geschäftsführerin des Regionalverbandes Halberstadt/Wernigerode berichtet. Nachweislich gehörte der ASB Halberstadt der Zentralkommission für Sport und Körperpflege an, die 1912 entstanden war. Anfang 1918 wurde das Arbeiter-Sport-Kartell gegründet, dem neben mehreren Sportvereinen auch die Arbeiter-Samariter angehörten. Im Juni 1921 wurde der ASB in Halberstadt als Ortsverband und eingetragener Verein erwähnt. "Im Halberstädter Einwohnermeldebuch von 1929 verzeichnete der ASB schon 45 Helfer", berichtet Pfaff.

Heute sind es deutlich mehr Menschen, die sich im und für den Verband engagieren. "Zurzeit sind es rund 2800 Mitglieder", sagt die Cattenstedterin, "und auch das Aufgabenspektrum hat sich erweitert". War man 1991 mit fünf Zivildienstleistenden im Behindertenfahrdienst und der Ausbildung zu Rettungssanitätern gestartet, kamen rasch der Rettungsdienst und Krankenstransport sowie Kassenärztlicher Notfalldienst hinzu. "Die Ausschreibung bei der Neuordnung des Rettungsdienstes haben wir leider nicht gewonnen", sagt Pfaff. "Deshalb sind seit 2013 keine Rettungswagen mit ASB-Logo mehr im Einsatz." Die eigenständige Gesellschaft musste Insolvenz anmelden. "Aber durch die Trennung sind die anderen Bereiche unserer Arbeit nicht in Mitleidenschaft gezogen worden", sagt Pfaff. Zwischen den Zeilen klingt an, dass das wohl keine einfachen Entscheidungen und Entwicklungen waren. Immerhin gingen dadurch Arbeitsplätze verloren.

Als Arbeitgeber ist der ASB aber nach wie vor tätig. 19 hauptamtliche Mitarbeiter hat der ASB Halberstadt/Wernigerode, die den Behindertenfahrdienst absichern, die Dienstleistung hinter den 55 Hausnotrufanschlüssen und bei der Ausbildung in der ersten Hilfe. Diese Kurse des ASB nutzen mittlerweile 4500 Menschen im Jahr, berichtet Uta Pfaff. Die soziale Beratungsstelle für Menschen mit Suchtproblemen, für Familien und Schwangere existiert seit 1993, ebenso lange gibt es den Hausnotruf als Angebot beim ASB.

Ein Pflegeheim betreibt der ASB seit 1994, 108 Betten gibt es in der aufwendig sanierten und erweiterten Einrichtung in der Hans-Neupert-Straße, zu der auch eine Tagespflege mit 12 Plätzen gehört.

48 Mädchen und Jungen werden betreut

Die Mitarbeiter in Beratungsstelle, Tagespflege, Pflegezentrum und der integrativen Kindertagesstätte "Bambi" sind in einer gemeinnützigen Gesellschaft organisiert. 86 Menschen stehen hier in Lohn und Brot. In der Tagesstätte werden seit 1994 48 Kinder im Krippen-und Kindergartenalter betreut und gefördert, zwölf Plätze davon stehen für Kinder mit Handicaps zur Verfügung.

Seit 1995 nutzt der ASB die Gebäude Voigtei 37/38, die der Wohlfahrtsverband damals kaufte. Hier befinden sich unter anderem die soziale Beratungsstelle, die Geschäftsstelle, die Tagesförderung für suchtkranke Menschen und der alkoholfreie Kontaktladen. Der ASB hatte viele Jahre den Aktivspielplatz Plansch betreut und bietet seit drei Jahren mit der "Schutzhütte" Kindern von suchtkranken Eltern einen Raum, wo sie ihre Probleme loswerden, Unterstützung und Ablenkung erfahren.

"Neben unseren hauptamtlichen Mitarbeitern leisten viele unserer Mitglieder eine wichtige ehrenamtliche Arbeit", betont Pfaff. Sei es im Katastrophenschutz, bei der Absicherung von Veranstaltungen oder in der Mitwirkung in zahlreichen Gremien, Ausschüssen und Facharbeitskreisen.

Einige Mitarbeiter, Gründungsmitglieder und Ehrenamtliche sind zur Festveranstaltung am kommenden Donnerstag eingeladen. "Öffentlich feiern wir unseren Geburtstag am 30. Mai mit einem Hoffest auf dem Gelände in der Voigtei", sagt Pfaff.