Sargstedt l Eine große Verabschiedung wie sonst üblichfiel diesmal aus. Die Mädchen und Jungen vom Kindergarten "Holzbergwichtel" drehten sich noch einmal herum in ihren Betten, als die vier Rennpappen und das Begleitfahrzeug am gestrigen Freitag um 6 Uhr Sargstedt verließen. Nur die Familien und daheim bleibende Clubfreunde waren ebenso früh aus den Federn gekrochen wie die fünf Nordkap-Fahrer und winkten ihnen hinterher.

Am Steuer ihrer gehegten und gepflegten Rennpappen sitzen Lutz Alpermann, Fiete Molt, Peter Winter und Wolfgang Nischik, Viola Alpermann lenkt das Begleitfahrzeug. Vor ihnen liegen rund 3000 Kilometer bis zum Ziel in Nordnorwegen. "Bis 15 Uhr müssen wir in Rostock sein, sonst verpassen wir die Fähre nach Trelleborg", erklärte Wolfgang Nischik. "Wenn wir dann in Schweden angekommen sind, wird bald der erste Campingplatz angesteuert."

Am zweiten Tag soll Stockholm erreicht werden. Danach fahren sie zwar auf der Route, die Fiete Molt geplant hat, doch wenn es dem Team irgendwo besonders gefällt, wird da auch mal außerplanmäßig länger gecampt. So wurde es bisher immer gehandhabt. Aus diesem Grund steht der genaue Ankunftstermin am Kap nicht fest.

Allerdings gibt es bestimmte Regeln, die eingehalten werden. Nach dem Frühstück rollen die Fahrzeuge spätestens ab 9 Uhr dem nächsten Zielort entgegen. Bis dorthin sind täglich mindestens 500 Kilometer zu fahren. "Man weiß ja nie, was einen unterwegs erwartet", so Lutz Alpermann, außerdem muss unterwegs zweimal getankt werden. Für das richtige Mischungsverhältnis haben wir 60 Liter Öl und Bleiersatz dabei."

Am Vortag hatten die Trabant-Piloten die Fahrzeuge mit Unterstützung von Siegfried Kirsch, der schon zweimal mitgefahren ist, beladen. Im Begleitfahrzeug wurde neben einer gut sortierten Materialkiste und einem Werkzeugkoffer obligatorisch ein Ersatzmotor verstaut. "Auf zwei Touren mussten wir ihn einsetzen. Ansonsten dient er als Unterbau für unseren Campingtisch", verriet Nischik und erinnerte an die Kontrolle an der Grenze nach Kroatien, wo den Beamten klar gemacht werden musste, dass das "nur ein Campingtisch" ist.

Der Pavillon für die gemeinsamen Esseneinnahmen durfte nicht fehlen, ebenso der kleine Kühlschrank und die Kaffeemaschine und jede Menge Kabel. Für die Versorgungskisten steuerte Fiete Molt 34 Gläser hausgemachte Wurst bei. "Essen und Trinken sind ganz wichtig für die gute Stimmung", so "Buffetfräse" Peter Winter, der sonst auch die Sargstedter Feuerwehr aus der Gulaschkanone versorgt. Neben einigen Dutzend Bierdosen und jede Menge Kaffee sowie Tee und Zitronen steht erstmals Glühwein auf der Versorgungsliste.

"Immerhin geht es in eine kältere Gegend, in der es gilt, sich auch von innen zu erwärmen", so Winter. Für die äußere Erwärmung ist jeder selbst verantwortlich. Alle nahmen dicke Jacken und Schlafanzüge mit. Viola Alpermann hat vorsorglich Pudelmütze, Mütze, Handschuhe und Wärmflasche eingepackt. Wolfgang Nischik hat sich sogar eine Sitzheizung für seinen "Trabant 600" besorgt. Dieser Trabi Baujahr 1964 ist übrigens der einzige, der auf allen Touren unterwegs war. Mit einem kleinen Koffer auf dem "Dachgarten", in dem ein 36er Schlüssel, Blinklichtschalter, Stoßdämpfer, Schlauch und ein paar andere Kleinigkeiten mitreisen.

"Früher haben wir uns zehn Tage gegönnt, diesmal sind es zwei Wochen. Aus diesem Grund können nicht so viele wie sonst teilnehmen", begründet Wolfgang Nischik die kleine Mannschaft. Außerdem sei die Strecke ein klein wenig länger. "Ich habe den Zollstock im Atlas angelegt. Von Sargstedt bis zum Nordkap sind es 56 Zentimeter, bis Maroko waren es nur 54."

Als das gut aufgelegte Quintett abfuhr, machte so mancher Scherz die Runde. "Vielleicht überholen wir Trecker-Willi, der mit einem Kumpel seit Anfang Mai dasselbe Ziel ansteuert." Die Tour ist "Trabant-Elch-Test" betitelt. Auch wenn alle überzeugt sind, dass ihre unkaputtbaren "Plaste-Bomber" aus Zwickau einen solchen Test bestehen, wollen sie doch lieber auf eine frontale Begegnung verzichten. "Wir probieren dann doch lieber die Elch-Bockwurst, die es an einer Imbissbude am Nordkap geben soll", witzelte Wolfgang Nischek.

Am 7. Juni wollen die Trabi-Piloten nach rund 6000 Kilometern und mit vielen Erinnerungen wieder in Sargstedt einrollen. Wenn es klappt, soll von unterwegs immer mal kurz berichtet werden.

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