Das neue Geopark-Faltblatt der Landmarke 14 wurde kürzlich in der Westerburg vorgestellt. Es beschreibt das Gebiet zwischen Hakel und Fallstein, nördlich begrenzt vom Großen Bruch. Gleichzeitig konnten die Eigentümer des Wasserschlosses als neue Netzwerkpartner des Geoparks gewonnen werden.

Gemeinde Huy/Dedeleben. Weithin sichtbar ragen die Türme der Huysburg in den winterlichen Himmel. Seit einiger Zeit hat das Gebäude des Benediktinerklosters aus dem 12. Jahrhundert auch offiziell den Status einer "Landmarke" und mit ihm ist die Region, die sich am nördlichen Harzrand vom Concordia-See im Osten bis zum Fallstein im Westen erstreckt, ein Teil des Geoparks Harz, Braunschweiger Land, Ostfalen.

Der Geopark kombiniert geologische und erdgeschichtliche Sehenswürdigkeiten mit historisch bedeutenden Bauwerken. Die Trägerschaft für das Teilgebiet Harz hat seit 2002 der in Quedlinburg ansässige Regionalverband Harz, ein Zusammenschluss von fünf Landkreisen, übernommen.

Mit einer Neuauflage des Faltblatts – es trägt die Nummer 14 in einer Reihe derartiger Veröffentlichungen – wurde die Landmarke "Kloster Huysburg" jetzt einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt, und zwar im Hotel Wasserschloss Westerburg. Gleichzeitig konnte Dr. Klaus George, der beim Regionalverband für den Geopark zuständig ist, das Hoteliersehepaar Silvia und Hartmut Lerche als neue Fördermitglieder des Regionalverbands begrüßen.

"Mit dem Geopark wollen wir den nachhaltigen Tourismus in der Region fördern", erläuterte Klaus George das Konzept. Deutlich sichtbare Geopunkte, eben die Landmarken, dienen dabei den Besuchern zur Orientierung.

"Wir wollen auch für den Laien sichtbar machen, wie die Landschaft des Vorharzes in Millionen Jahren entstanden ist", erläuterte George bei der Übergabe der fast noch druckfrischen Prospekte an das Hotel. Zwar sei zum Beispiel die Gegend um den Huy erst in jüngerer Erdgeschichte, nämlich während der Eiszeit, so geprägt worden, wie man sie heute wahrnimmt. Einen Blick weit zurück in die Vergangenheit ermöglichen aber "Fenster der Erdgeschichte", wie Steinbrüche oder Höhlen.

Das Faltblatt nennt hier die Gletschertöpfe bei Huy-Nein-stedt, die Daneilshöhle bei Röderhof, aber auch – bislang weniger bekannt – das Vorkommen von Rogenstein und Stromatolithen in der Nähe von Wilhelmshall. Etwa 300 Meter südöstlich der Siedlung im Huy findet man im ehemaligen Steinbruch am Herrenberg diese besonderen Sandsteinformationen, die vor mehr als 200 Millionen Jahren entstanden sind. Damals war das Gebiet von einem flachen Meer bedeckt. Aus dem Wasser wurden kleine Kalksteinkügelchen ausgeschieden, die sich zu Gesteinschichten verdichteten. Wegen ihrer Ähnlichkeit mit Fischrogen werden diese Schichten Rogenstein genannt. Das Gestein war ein begehrter Baustoff und findet sich auch heute noch gelegentlich an Bauten in der Harzregion.

Ein "Fenster der Erdgeschichte" öffnet sich bei Wilhelmshall

Eine weitere Besonderheit der Gesteinsbildung an dieser Stelle sind die sogenannten Stromatolithen, die ihre Entstehung Einzellern, den Cyanobakterien, verdanken, die vor Jahrmillionen hier in Kolonien lebten. Sie bildeten nach ihrem Absterben verhärtete Schichten, die an ihrer charakteristischen Wölbung in dem ehemaligen Steinbruch gut zu erkennen sind. Dieses "Fenster zur Erdgeschichte" ist inzwischen gut erschlossen, mit einer Überdachung versehen und über einen beschilderten Weg von Wilhelmshall aus zu erreichen.

Neben den geologischen Besonderheiten kommen in dem neuen Faltblatt die baulichen Sehenswürdigkeit nicht zu kurz. So ist an erster Stelle natürlich die Abteikirche des Klosters Huysburg aus dem Jahr 1121 zu nennen. Aber auch die Westerburg bei Dedeleben als älteste Burganlage dieser Art mit ihrem um 1200 entstandenen Bergfried findet Erwähnung.

Mit der bisherigen Resonanz auf das Konzept des Geoparks und seiner Landmarken zeigte sich Klaus George zufrieden. "Wir haben bereits 300 000 Zugriffe auf unsere Webseiten registriert", stellte er fest. Vor allem Großstädter aus dem nördlichen Bundesgebiet, aber auch Niederländer fühlten sich von der Idee des Geoparks angesprochen.

Das komme auch seinem Haus entgegen, bestätigte Hotelier Hartmut Lerche: "Wir suchen immer wieder neue Freizeitangebote für unsere individuell reisenden Gäste." Viele von ihnen würden zum Beispiel die Städte Goslar, Wernigerode und Quedlinburg bereits kennen und seien dankbar für neue Anregungen.

Zunächst seien 15 dieser Landmarken geplant gewesen, berichtete George. Inzwischen seien es bereits 18 und es werde nun eine Zahl von 22 angestrebt. Jede von ihnen werde in einem Faltblatt ausführlich dargestellt.

Eine öffentliche Förderung für das Konzept gebe es zurzeit nicht, so George: "Wir bestreiten das aus eigenen Mitteln, vorwiegend Mitgliedsbeiträgen." Im Übrigen werde das Prädikat "Geopark" von der Welt-Kulturorganisation Unesco stets befristet vergeben und regelmäßig überprüft. "Wir müssen uns das immer wieder neu verdienen", betonte George. Dazu gehörten unter anderem Faltblätter in mindestens einer Fremdsprache, in diesem Fall Englisch. "Im Internet präsentieren wir uns jetzt auch auf Französisch", ergänzte er.