Rund 1000 Menschen kamen am Sonnabend im Dom zusammen, um gemeinsam der Opfer und Betroffenen des Zugunglücks zu gedenken. Angesichts des Medienrummels beschlich manch einen ein ungutes Gefühl. Superintendentin Angelika Zädow sieht solche Veranstaltungen weder als Alibifunktion noch als Befriedigung reiner Sensationslust.

Halberstadt. Gleißendes Scheinwerferlicht, ein Kranarm mit Kamera, überall dicke Kabel – der Dom als Übertragungsort fürs Fernsehen. Vor der Tür drängen sich Medienleute mit Kameras, Mikrofonen und Stiften. Wer den Dom zur Trauerfeier betritt, kann so schnell fast unfreiwillig zum Gesprächspartner werden. Manchen Besucher beschleicht da ein ungutes Gefühl.

"Dennoch", sagt Angelika Zädow, "solche öffentlichen Trauerfeiern sind wichtig". Die Superintendentin des evangelischen Kirchenkreises Halberstadt erklärt, dass öffentliche Trauerfeiern nicht nur für die Hinterbliebenen gedacht sind. "Es gibt ja auch viele andere Betroffene. Menschen, die das Unglück überlebt haben und glücklich darüber sind. Menschen, die als Ersthelfer vor Ort waren und, ebenso wie die Rettungskräfte, diese furchtbaren Bilder nicht mehr los werden. Menschen, die fast in den Unglückszug gestiegen wären, Kollegen und Freunde der Opfer, Menschen, die ein paar Tage später am Unfallort vorbeifahren und sich plötzlich auch mit der Frage von Tod und Leid konfrontiert sehen", sagt Zädow. Und auch ihnen helfe das gemeinsame Erinnern, der gemeinsam getragene Schmerz, die Musik und das Gebet, wieder einen Anknüpfungspunkt an den Alltag zu finden, das Geschehen zu verarbeiten. Alle Seelsorger, sagt die Kirchenfrau, wissen um die Bedeutung solcher Ankerpunkte in den verschiedenen Stadien der Trauerarbeit und Verarbeitung des Geschehens.

Die Trauerfeier im Dom selbst gibt ihr Recht. Da wischen sich gestandene Männer Tränen aus dem Gesicht und müssen sich in der Gemeinschaft nicht dafür schämen, da geben Gesang und Gesten Kraft und Halt, stützen sich die Menschen. Zudem haben die Organisatoren dafür gesorgt, dass für die Hinterbliebenen, für die Rettungskräfte, Notfallbegleiter und Seelsorger hinterher noch Zeit und Raum war, um gemeinsam den Aufruhr der Emotionen abklingen zu lassen, sich auszutauschen und zu trösten.