Lüttgenrode (mhe). Die Feuerwehren der Stadt Osterwieck haben sich nach der Bildung der Einheitsgemeinde zwar gut zusammengefunden, doch Stadtwehrleiter Frank Kenzig besitzt angesichts der Finanzmisere wenig Hoffnung auf große Neuanschaffungen. Lüttgenrodes Wehrleiter Thomas Heier wies am Freitagabend auf der Jahreshauptversammlung darauf hin, dass das Gerätehaus schon 2007 als zu klein bewertet wurde. Sowohl für die Ausbildung der 28 aktiven Einsatzkräfte als auch beim Umkleiden vor Einsätzen. "Es wird nur noch um Bestandserhaltung gehen", schätzte Kenzig ein. "Am Gerätehaus wird in den nächsten Jahren nicht viel passieren."

Auch Ortsbürgermeister Wolfgang Göschl zeichnete, was die Einheitsgemeinde betrifft, kein allzu optimistisches Bild. "Wir können nichts mehr allein bestimmen. Das kann einem schon unter die Haut gehen." Er hoffe aber, dass die Arbeit der Feuerwehren aufrechterhalten bleiben kann.

Stadtwehrleiter Kenzig sorgt sich aber offenbar auch um die Motivation der Kameraden, da der Landkreis immer mehr Aufgaben auf die Ehrenamtlichen vor Ort überträgt. So müssen Pressluftatmer, Masken und Schläuche neuerdings durch die örtlichen Wehren zur Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) nach Wernigerode gebracht werden. Bisher tauschten diese Dinge die Mitarbeiter der FTZ vor Ort aus, wie Thomas Heier berichtete. "Das heißt, ein bis zwei Kameraden müssen zusätzliche Freizeit investieren für vier zusätzliche Fahrten nach Wernigerode – plus die nicht planbaren Fahrten." Kenzig befürchtet gar, dass der Landkreis noch mehr Zusatzaufgaben übertragen wird.

Lüttgenrode gehört zu den besonders aktiven Feuerwehren im Stadtgebiet. Zusammen mit den Nachbarn aus Stötterlingen sind sie rund um die Uhr einsatzbereit, was heutzutage eher die Ausnahme als die Regel ist.

Zwölf Mal mussten die Einsatzkräfte vergangenes Jahr ausrücken, darunter zu zwei Großbränden. Eine Strohscheune stand nach Brandstiftung in Flammen, außerdem brannte in der Gemarkung eine Strohpresse samt Stoppelacker. Sechs Feuerwehren kamen den Lüttgenrödern zu Hilfe – aus Stötterlingen, Osterwieck, Suderode, Wülperode, Göddeckenrode und dem niedersächsischen Vienenburg. Der Brand eines Kuhstalls, vier Hilfeleistungen von Sturmschaden bis Verkehrsunfall gehörten ebenso zur Einsatzpalette wie die Rettung einer verwirrten Frau, die in einem Garten lag. "Die Einsatzbereitschaft bei allen Einsätzen war hervorragend", unterstrich Thomas Heier.

Sie zeigte sich auch darin, dass mehrere Kameraden für ihre Ausbildung bis zu fünf Urlaubstage opferten – weil die Arbeitgeber kein Verständnis zeigten. Heier: "Da stellt sich die Frage: Welchen Stellenwert hat ein Ehrenamt in unserer Gesellschaft?"

Einmal mehr machte Heier auf die unbefriedigende Situation der Löschwasserentnahme im Dorf aufmerksam. Der Druck in den Wasserleitungen ist schlecht, der Fruchtteich und ein Löschteich am Vorwerk sind nur bedingt gefüllt. Der Scheunenbrand im Juni zeigte da die Kapazitätsgrenzen auf.

"Da stellt sich die Frage: Welchen Stellenwert hat ein Ehrenamt in unserer Gesellschaft?"

12,5 Stunden war damals jeder Kamerad im Einsatz. Jede Hand wurde gebraucht. Um die Verpflegung konnte sich niemand von den Aktiven kümmern. Seitdem wollen sich die Frauen dieser Aufgabe annehmen. Es wurde dank acht Neuankömmlingen daraufhin sogar eine Frauengruppe gebildet, die sich nun alle zwei Wochen trifft. Vielleicht, so Heiers Hoffnung, könnten daraus noch weitere aktive Einsatzkräfte gewonnen werden. Bisher sind drei der elf Frauen im aktiven Dienst.

Nicht vergessen wurde auf der Versammlung der Rückblick auf die Feier zum 125-jährigen Bestehen der Feuerwehr im vergangenen August und noch andere Aktivitäten für die Dorfgemeinschaft. Heier hob außerdem hervor, dass die insgesamt 47 Mitglieder starke Truppe auch eine Kinderfeuerwehr, eine Jugendfeuerwehr sowie eine Alters- und Ehrenabteilung hat.