In diesem Jahr werden die Domschätze Halberstadts und Quedlinburgs erstmals kooperieren. Dazu haben sie gestern ihr gemeinsames Jahresprogramm vorgestellt, das auch mehr internationale Besucher anlocken soll.

Halberstadt. Druckfrisch händigte der geschäftsführende Vorstand der beiden Domschätze die neuen Flyer aus. Sichtlich stolz und optimistisch erläuterten die Initiatoren das Veranstaltungsprogramm für das neue Jahr. Erstmals seien die Themen der Sonderausstellungen mit den Terminen im Kirchenjahr abgestimmt, so Vorstandsvorsitzender Eckart Steinhäuser. So startet beispielsweise die Ausstellung "Om mani padme hum. Ein Weg zu den einfachen Dingen im Leben" am 9. März, dem Aschermittwoch, in der Stiftskirche St. Servatii zu Quedlinburg. Denn dann beginnt die Passionszeit, in der man sich, laut Titel, auf das Lebensnotwendige besinnt.

Sowohl in Quedlinburg als auch in Halberstadt eröffnet am 1. Mai "Heilig! Fremd? Kirchenschätze des Mittelalters (mit Migrationshintergrund)", in der die Herkunft der Kirchenschätze hinterfragt wird. Pünktlich zum Weltfriedenstag am 1. September startet in Quedlinburg "Meinen Frieden gebe ich euch", eine Zusammenarbeit der Stiftskirche mit den Neinstedter Anstalten. Die ausgestellten Werke zeigen die malerischen Umsetzungen der behinderten Bewohner zum Thema Frieden.

Am Totensonntag findet an beiden Standorten die Ausstellung "Tod und Hoffnung. Kunst und Kult aus 1000 Jahren" statt. Es werden dann unter anderem noch nie gezeigte Stücke aus den Depots zu besichtigen sein.

Auch eine Reihe interessanter Vorträge sind vorgesehen. Den Anfang macht Dr. Andrea Schaller. Die Leipzigerin wird in der Winterkirche des Domes über "Die Halberstädter Staurothek im Kontext der mittelalterlichen Verehrung des Heiligen Kreuzes" sprechen. Weitere Gastreferenten aus Göttingen, Marburg und Halle werden erwartet. Spannende Diskussionen im Anschluss sind wie immer nicht ausgeschlossen.

Mit der Kooperation der beiden Domschätze erhofft sich der Vorstand einen Aufschwung in den Besucherzahlen. Lediglich 140 000 Domschatz-Besucher wurden 2010 an beiden Standorten verzeichnet, etwa 50 000 davon in Halberstadt. Der Vorstand schiebt das vor allem auf den langen harten Winter. "Im vergangenen Jahr hatten wir fünf Monate voll Schnee und Eis. Da sind uns die Besucherzahlen natürlich weggebrochen", erklärt Steinhäuser. Deswegen wolle man ein einheitliches Erscheinungsbild schaffen und überregionale Kooperationspartner suchen, um mehr Interessierte zu erreichen.

Ziel sei es, nicht nur Leute aus dem Kreis für die Domschätze zu begeistern, sondern auch auf dem internationalen Markt Fuß zu fassen. Dafür wird der Vorstand viel unterwegs sein. Unter anderem ist er im Mai auf der nordeuropäischen Kathedralkirchenkonferenz in Norwich, Großbritannien, vertreten. Aber auch auf dem Deutsch-Evangelischen Kirchentag in Dresden ist er präsent und wird ordentlich die Werbetrommel rühren.

Eckart Steinhäuser: "Wir wollen keine schnellen Veränderungen. Wir wollen es gut machen. Soetwas braucht Zeit." Die Zusammenarbeit würde sich aber mittelfristig rechnen und die Städte über die Grenzen hinaus bekannter machen. Ob der Vorstand damit goldrichtig liegt, wird sich zeigen. Mehr Infos zum Programm gibt es unter:

www.dom-und-domschatz.de