Die Halberstädter Wohnungsgesellschaft HaWoGe hat die Brandruine am Ebereschenhof erworben und will langfristig das denkmalgeschützte Gebäude sanieren.

Halberstadt. "Es ist einer der größten städtebaulichen Missstände in der Stadt", sagt Beate Grebe. Die Geschäftsführerin der HaWoGe berichtete gestern, dass das Unternehmen diese Immobilie sowie ein zweites Grundstück am Ebereschenhof bei einer Zwangsversteigerung im Januar erworben habe. "Wegen der relativ geringen Summe, die wir dafür geboten haben, wurde dieser Kauf erst nach Ablauf einer Wartefrist am 8. Februar rechtsgültig", erläutert die HaWoGe-Chefin.

Der Aufsichtsrat des Unternehmens hatte bereits im Dezember diesem Plan der Geschäftsführung einstimmig zugestimmt, fügt Oberbürgermeister Andreas Henke hinzu. "Auch wenn wir wussten, dass wir das Gebäude nicht abreißen dürfen, haben wir dem Erwerb zugestimmt", so Henke weiter. Immerhin liege die Brandruine an der Florian-Geyer-Straße "an einer der wichtigsten Stadteingänge unserer Stadt", so Henke.

Besonders erfreut, dass die einstige Kaserne wieder eine Zukunft hat, ist Jens Klaus. Der Fachbereichsleiter Stadtentwicklung kämpft seit Jahren um das Objekt. "Dass die Entscheidung so gefallen ist, ist für mich etwas Besonderes. Ich habe mich immer dafür eingesetzt, dass das Haus nicht abgerissen wird", erzählt er. Das Gebäude sei so stadtbildprägend, eine so wichtige Raumkante, dass ein Abriss nur schlecht wäre. "Auch wenn mancher jetzt vielleicht denkt, die spinnen."

Jens Klaus führt neben der städtebaulichen Relevanz und dem Denkmalschutzaspekt – dieses Haus ist eines der letzten, das an die Kasernengeschichte des Ebereschenhofes erinnert noch einen anderen Fakt ins Feld. "Wenn wir über Klimaschutz reden, ist die Sanierung eines Gebäudes in der Energiebilanz immer deutlich besser als ein Abriss und Neubau", so Klaus weiter.

Für die Sicherung des Gebäudes wurde ein Fördermittelantrag gestellt. Hier will die Stadt das Gespräch mit der Kommunalaufsicht suchen, die angesichts der Finanzmisere der Stadt eigentlich alle Anträge ablehnt. "Aber hier ist es von außerordentlicher Bedeutung für die Stadtentwicklung", betonen Henke und Klaus.

Das weiß Beate Grebe. Auch deshalb habe man sich zum Kauf entschlossen. Die HaWoGe wird in den nächsten Monaten verschiedene Nutzungsoptionen beleuchten – vom Behördenstandort bis zu ungewöhnlichen Wohnideen sei vieles vorstellbar, sagt die Unternehmenschefin. "Dass wir Zeit dafür brauchen, hatten wir dem Aufsichtsrat erläutert", so Grebe. Auch mit der Sicherung – hier nennt sie an erster Stelle das halb abgebrannte Dach und die zerschlagenen Fenster – wird es ein paar Monate dauern. "Aber wir werden auf jeden Fall aktiv", sagt sie. Vorgespräche wegen möglicher Fördermittel habe es im Bauministerium bereits gegeben. "Und eines ist noch wichtig: Für die Immobilie wird kein Geld aus dem aktuellen Investitionsplan genutzt. Das heißt, die geplanten 8,4 Millionen Euro investieren wir in den vorhandenen Wohnungsbestand."