Die Einwohner im Huy-Ortsteil Schlanstedt müssen ab April mit einer eingeschränkten Lebensmittelversorgung leben: Die bislang vor Ort ansässige Lebensmittelkette "PUG" schließt nach Volksstimme-Informationen zum 31. März ihre Filiale. Über die Gründe und Hintergründe für diese Entscheidung kann nur gerätselt werden – die Geschäftsleitung von PUG hüllt sich in Schweigen und lässt die Schotten runter.

Gemeinde Huy/Schlanstedt. Die Entscheidung ist gefallen: Die in Salzwedel ansässige, genossenschaftlich organisierte Ladenkette "PUG" schließt zum 31. März ihre Filiale im Huy-Ortsteil Schlanstedt. Die Gemeindeverwaltung Huy, die PUG bislang Ladenflächen vermietet, bestätigte gestern, dass das Vertragsverhältnis zum Quartalsende gekündigt worden sei: "Wir haben die Kündigung erhalten, mehr kann ich dazu nicht sagen", erklärte Bauamtsleiter Harald Beckmann. Er habe zwar da- raufhin in der PUG-Geschäftszentrale nachgefragt – inhaltlich wollte sich Beckmann dazu allerdings nicht äußern.

Bei der PUG-Geschäftsleitung in Salzwedel gingen die Schotten gestern gleich gänzlich nach unten: "Schließen? Ja, wir schließen unsere Filiale in Schlanstedt, das ist richtig. Einen weiteren Kommentar muss ich dazu allerdings nicht geben", beschied PUG-Vorstandschef Lothar Seiffert knapp. Kein Kommentar also zu den Gründen und zum Los der Mitarbeiterinnen – neben einer Filialchefin sind nach Volksstimme-Informationen wohl auch zwei Pauschalkräfte von der unternehmerischen Entscheidung direkt betroffen und zum Quartalsende bereits gekündigt.

Stichwort betroffen: Betroffen seien vom Aus der PUG-Filiale – im sprachlichen Alltag besser bekannt als "Konsum" – indes auch viele Einwohner von Schlanstedt, weiß Ortsbürgermeisterin Irene Markworth. "Wir haben zwar noch einen zweiten Lebensmittelmarkt im Ort", erinnert sie. Mit der Reduzierung seien jedoch die für die Kunden üblichen Folgen verbunden: weniger Auswahl, weniger Vielfalt und vor allem natürlich weniger Wettbewerb. Und letzterer könnte – das liegt auf der Hand – unterm Strich zu einem höheren Preisniveau beim noch verbliebenen Anbieter vor Ort führen.

Vor allem ältere Kunden betroffen

Mögliche Konsequenzen, die auch Ortsbürgermeisterin Markworth sieht – "insbesondere für ältere und nicht mehr so mobile Einwohner aus unserem Ort", wie sie skizziert. "Alles in allem sehe ich aber kein Versorgungsproblem für die Bevölkerung, weil wir vor Ort noch einen Lebensmittelhändler haben, zudem Bäcker und Fleischer hier ansässig sind und es in Dingelstedt neben Edeka auch Aldi gibt", erklärt die Ortsbürgermeisterin. Aber Dingelstedt sei eben für betagte Senioren ohne Auto schon wieder verdammt weit.

Deshalb habe sie persönlich bei der PUG-Geschäftsleitung – PUG steht wohl für "preiswert und gut" – in Salzwedel nachgefragt, so Irene Markworth. Die Umsätze hätten in Schlanstedt wohl schon länger nicht mehr den Erwartungen entsprochen, habe sie dort erfahren. "Das ist unterm Strich sehr schade – aber ich kann bei einer solchen Entscheidung nichts machen", meint die Ortsbürgermeisterin schulterzuckend und befürchtet – neben besagten Konsequenzen für die Einwohner – nun vor allem den drohenden Leerstand der Immobilie mit allen Konsequenzen.

Dabei haben die Schlan-stedter durchaus mobil gemacht, als die Schließungspläne bekannt geworden waren: Binnen kurzer Zeit seien gut 300 Unterschriften gegen die Absicht der PUG-Geschäftsleitung gesammelt worden, heißt es. Zudem sei auch bereits nach Alternativen bei der Fortführung des Marktes gesucht worden.

Eine Variante, in die vor Ort offenbar große Hoffnungen gesetzt wurden, ist die sogenannte Ladenverwalter-Lösung, die PUG nach Volkstimme-Informationen auch in der Filiale in Pabstorf praktiziert. Dabei gibt es nur in der Personalkonstellation Änderungen: Der Ladenverwalter agiert als selbständiger Unternehmer und wird prozentual am Umsatz beteiligt. Die Miet- oder Pachtverhältnisse bleiben ebenso unangetastet wie die Waren, die bis zum Verkauf im Besitz von PUG bleiben.

Eine Alternative, über die nach Volksstimme-Informationen auch die Schlanstedter bereits ernsthaft nachgedacht haben. Zudem, so ist aus verlässlicher Quelle zu erfahren, soll es dazu auch seitens der Geschäftsleitung zunächst zustimmende und verheißungsvolle Signale gegeben haben. Letztlich ist es dem Vernehmen nach aber nicht zum vertraglichen Abschluss dieser Verwalter-Variante gekommen. Vielmehr sei die Idee sehr überraschend ad acta gelegt worden.

Insider: Umsätze waren durchaus in Ordnung

Damit dürfte die PUG-Filiale in Schlanstedt nunmehr direkt auf die Schließung zusteuern. Eine Rettung ist zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht erkennbar, denn auch die Variante, bei der das Geschäft gänzlich in neue Hände geht und ohne jedes Zutun von PUG weiterbetrieben wird, scheint aktuell mehr als unwahrscheinlich. Zumindest wollen die drei gekündigten Mitarbeiterinnen den Sprung in die wirtschaftliche Selbständigkeit nicht wagen. Jene Verwalter-Lösung wäre eine denkbare Variante gewesen, die absolute wirtschaftliche Selbständigkeit indes nicht, so der Tenor. Ansonsten halten sich auch die Mitarbeiterinnen gegenüber der Volksstimme mit Informationen zurück.

Ein Insider plaudert indes aus dem Nähkästchen und weist die Darstellung von zu geringen Umsätzen zurück: Zwar seien die Umsätze in der Lebensmittelbranche insgesamt rückläufig und schwankten im Jahresverlauf – alles in allem habe die Schlanstedter Filiale aber innerhalb der PUG-Genossenschaft recht gute Umsätze erwirtschaftet. Sie sollen monatlich im Durchschnitt zwischen 18 000 und 23 000 Euro liegen – dem Vernehmen nach zu gut 60 Prozent getätigt von älteren Kunden. Und die haben nun gut und gern das Nachsehen.