Zahlreiche Gäste folgten vor wenigen Tagen der Einladung des Vorstandes der Vereinigung "Stiftung Umwelt und Naturschutz Großes Bruch" anlässlich des Festaktes zum 20-jährigen Bestehen der Stiftung in die Landgaststätte Kobbe Neuwegersleben.

Gemeinde Huy/Neuwegersleben. Vorstandschef Bernd Röder begrüßte neben Vertretern der Verbandsgemeinde Westliche Börde auch den Staatssekretär im Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Jürgen Stadelmann, die Landtagsabgeordnete Gabriele Brakebusch sowie als Vertreter des Landkreises Börde, Dezernent Thomas Kluge.

Staatssekretär Stadelmann lobte in seiner Rede die Entwicklung des Großen Bruches zur Kulturlandschaft, verwies aber zugleich auf die Hochwassersituation und das derzeit steigende Grundwasser, das insbesondere in diesen Tagen die Menschen beschäftige. "Wir brauchen eine ausgewogene Balance aus Maßnahmen, um das Grünland nachhaltig zu nutzen und eine Artenvielfalt zu erhalten", stellte er klar.

"Wir brauchen eine Balance aus Maßnahmen, um das Grünland zu nutzen und Artenvielfalt zu erhalten"

Dem konnte Dr. Uwe Schrader von der Vereinigung "Stiftung Umwelt und Naturschutz Großes Bruch" nur zustimmen. Als Gründungsmitglied beschäftigt er sich seit Jahren intensiv mit dem Großen Bruch. In der Jubiläumsveranstaltung ließ er in einer Präsentation die Entstehung und Entwicklung der Stiftung noch einmal für die Gäste und Zuhörer Revue passieren.

Wie Schrader berichtete, gab es in dem 45 Kilometer langen und ein bis vier Kilometer breiten Niedermoorgebiet zwischen Oschersleben und Hornburg bereits im 12. Jahrhundert Entwässerungsmaßnahmen, die diese Kulturlandschaft entstehen ließen. Es entwickelte sich eine reichhaltige Flora und Fauna, wobei das Große Bruch bereits im Jahr 1981 als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde. Die Feuchtwiesen boten schon immer einen idealen Lebensraum für den Großen Brachvogel, der aufgrund der zunehmenden Nutzung von Wiesen- und Weideflächen heute besonders gefährdet ist.

Durch den ständigen Konflikt zwischen Schutz und Nutzung dieses Landschaftsschutzgebietes rückte unter Naturliebhabern die Idee einer Stiftungsgründung immer näher. Eine erste Einladung und Zusammenkunft erfolgte daraus resultierend im Jahr 1988. Im Herbst 1990 fand schließlich die Gründungsversammlung der Vereinigung "Stiftung Umwelt und Naturschutz Großes Bruch" mit insgesamt 15 Mitgliedern statt. Den Vorsitz übernahm damals der Halberstädter Helmut König, zudem wurde eine Satzung verabschiedet. "Unser Ziel war der Schutz der Kulturlandschaft durch eine angepasste Nutzung", berichtete Dr. Uwe Schrader weiter und verwies auf die Erhaltung der Pflanzen- und Tierarten einerseits sowie die Erhaltung der Existenz von Landwirten andererseits. Ein gemeinsamer Weg mit vielen interessierten Bürgern begann, und Ende 1990 zählte die Vereinigung bereits 50 Mitglieder.

"Unser Ziel war der Schutz der Kulturlandschaft durch eine angepasste Nutzung."

Mit dem Erreichen der anerkannten Gemeinnützigkeit, der Eröffnung einer Geschäftsstelle, der Vergabe von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und der Anpachtung von Flächen von Privateigentümern begann aus Schraders Sicht ein "wirksamer Prozess", um dem gesteckten Ziel ein Stück näher zu kommen.

"Dennoch nahm die Hochwasserproblematik aufgrund der Stilllegung der Schöpfwerke mehr und mehr zu", fuhr Uwe Schrader fort und erinnerte an die freie Vorflut, die durch den Bau von insgesamt vier Sielbauwerken eine gute Entwässerung ermögliche. Ab dem Jahr 2000 wurden Landwirte zu Direktpächtern und es entstanden Artenschutzprojekte. Momentan beschäftigt sich die Stiftung insbesondere mit der Auswilderung von Steinkäuzen.

"Durch die Nutzung nimmt die Artenvielfalt ab, so dass sich ein großer Artenwechsel vollzieht"

Dieses Thema griff auch Dr. Jörg Perner in seinem Referat auf. Der Biologe präsentierte in einer Umwelt- und Agrarstudie erhebliche Veränderungen in der Artenvielfalt. Seine Darstellungen fußten auf einer Bestandsanalyse, die zwischen 1992 und 1994 als so genannte Bruchstudie erstellt wurde. "Durch die menschliche Nutzung nimmt die Artenvielfalt stetig ab, wobei sich über Jahre hinweg ein sehr großer Artenwechsel vollzieht", erklärte er in der Festveranstaltung.

Auch in der anschließenden Diskussionsrunde zeigten die Gäste starkes Interesse an der weiteren Entwicklung und Erhaltung der Kulturlandschaft. Insbesondere gestrichene und damit fehlende Gelder standen dabei im Vordergrund.

Im bevorstehenden Jahr stehen wieder eine Reihe von Höhepunkten in der Stiftung an. Dazu gehört unter anderem die jährliche Bruchwanderung im Mai, die wieder interessante Einblicke in die Flora und Fauna der Kulturlandschaft "Großes Bruch" geben wird.