Aus der geplanten guten Nachricht wurde nichts. Die Stadtwerke-Chefs Bodo Himpel und Ralf Botschen wollten eine Senkung des Strompreises zum Januar, doch nun muss das Unternehmen den Preis für die Kilowattstunde erhöhen. "Aber immerhin nur moderat", sagt Himpel.

Halberstadt. Alle Prognosen standen auf Senkung, erinnert sich Bodo Himpel. Doch dann kam der 15. Oktober. Der Tag, an dem der Bund den Energieunternehmen mitteilt, wie hoch die Umlage für die Erneuerbaren Energien ausfällt. "Diesmal war es fast eine 70-prozentige Steigerung", sagt der Stadtwerkechef. Die Abgabe stieg von 2 auf 3,5 Cent netto pro Kilowattstunde.

Die Abgabe sei ein Durchlaufposten, davon bleibe nichts bei den Stadtwerken, erklärt Ralf Botschen. Und er sagt: "Wir stehen zu den erneuerbaren Energien, denn die brauchen wir, wenn wir nachhaltig wirtschaften wollen. Aber es muss eben allen bewusst sein, dass der Ausbau dieser Energiegewinnung auch kostet." Die Halberstadtwerke setzen ebenfalls mehr und mehr auf regenerative Energien, profitieren somit auch von dieser Abgabe. Das Unternehmen betreibt zum Beispiel eigene Fotovoltaik-Anlagen und will in diesem Jahr auch noch eine Biogasanlage bauen. "Das kommt letztlich wieder den Kunden zugute, weil wir umweltfreundlich und hocheffizient selbst rund 25 Prozent der von uns gelieferten Energie herstellen. Damit verfügen wir zudem über eine Möglichkeit, bis zu einem bestimmten Anteil Einfluss auf den Strompreis zu nehmen", ergänzt Himpel.

Der Strompreis, den die Kunden bezahlen, setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen. Der reine Handelspreis liege bei rund 29 Prozent des Gesamtpreises. "Da können wir selbstbewusst auftreten", sagt Himpel. Dieser Preis sei sehr günstig, zumal "in unserem Preis umfangreiche Dienstleistungen enthalten sind". Das Unternehmen hält beispielsweise Kundenzentren vor, berät intensiv in Fragen der Energieeffizienz und Einsparung.

Von dem Geld, dass der Kunde für seinen Strom bezahlt, sind 28,9 Prozent der reine Energiepreis, 27 Prozent machen die Netznutzungsentgelte aus und 44,1 Prozent sind Abgaben – 13,8 Prozent für erneuerbare Energien, 0,1 Prozent für das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz, 6,2 Prozent für Wegerechte (Konzessionsabgabe), 8 Prozent Stromsteuer und 16 Prozent Mehrwertsteuer.

Und wie teuer wird nun der Strom in diesem Jahr? "Er steigt je nach Tarif und Produkt für die Kilowattstunde um 0,3 bis 0,5 Cent netto. Das heißt, einen Cent Preissteigerung ersparen wir unserem Kunden", erklärt Bodo Himpel nicht ohne gewissen Stolz. Und dass diese "moderate Preiserhöhung erst zum April wirksam" werde, ergänzt Vertriebschef René Reulecke. "Im ersten Quartal tragen wir komplett die rasant gestiegene EEG-Abgabe", sagt Reulecke. Mehr als 600 andere Stromlieferanten in Deutschland hatten den Preis schon zum 1. Januar erhöht.