Die Fachleute bei der Polizei und in den Kreditinstituten nennen es "Skimming": Professionelle Betrüger spähen an Geldautomaten Kartendaten und die persönliche Geheimzahl aus und schädigen zahlreiche Konteninhaber um oft nicht geringe Beträge. Für längere Zeit blieben Bankkunden im Harzkreis davon verschont. Jetzt haben organisierte Straftäter offenbar wieder beballt zugeschlagen.

Harzkreis. Sieben Kunden einer Bankfiliale in Wernigerode haben am 1. Februar bei der Kriminalpolizei Anzeige erstattet, ihnen seien unerlaubt Geldbeträge von ihren Konten abgebucht worden. "Das ist sicher nur die Spitze des Eisberges, die Dunkelziffer der Geschädigten dürfte um ein Vielfaches höher liegen", schätzt Kriminalhauptmeister Willi Dippe vom Revierkriminaldienst des Polizeireviers Harz in Halberstadt ein.

Der Kriminalbeamte aus dem Sachgebiet Betrug erläutert den an sich nicht neuen, aber immer wieder erfolgreich praktizierten Trick, den kriminelle Banden mit zunehmender Professionalität anwenden: "Blitzschnell und gekonnt werden Vorsatzgeräte an den sogenannten Karteneinzugsschacht von Geldautomaten oder an Türöffnern von Bankfilialen angebracht, um die Daten auf den Magnetstreifen der EC- beziehungsweise Kreditkarten zu erhalten. Eine ebenfalls schnell installierte und geschickt versteckte Miniaturkamera dient zum Ausspähen der Geheimzahl", erklärte Dippe und fährt fort: "Die so erhalteten Daten werden umgehend per E-Mail oder Internet an Komplizen im Ausland weitergeleitet. Diese stellen sofort Doubletten, sogenannte Whitecards her, mit denen sie an Geldautomaten im Ausland das Konto mühelos plündern können."

Das funktioniere nur vom Ausland aus, an Automaten in Deutschland würden diese Whitecards nicht funktionieren. "Es ist daher logisch, dass die Täter hochgradig organisiert arbeiten und zwar Spuren hinterlassen, aber kaum oder gar nicht ermittelt werden können", sagt Dippe. Er weiß aus Erfahrung, dass diese Tätergruppen oft aus Osteuropa nach Deutschland kommen und hier schnell zuschlagen, abtauchen und anderenorts mit dem Betrugsprozedere von vorn beginnen.

Die Kunden merken erst relativ spät, dass ihr Konto geplündert worden ist, meist erst beim Abholen des nächsten Kontoauszugs. Dann erst könne die Bank die Karte sperren, aber es sei zu spät, und dieser Zeitverlust mache die Aufklärung dieser Straftaten besonders langwierig, so Dippe.

Die zuständigen Kriminalbeamten aller Dienststellen leiten alle Erkenntnisse und Ermittlungsergebnisse an ein bundesweites Euro-Karten-System beim Bundeskriminalamt weiter. Dort ermitteln Spezialisten weiter, doch nur ein Teil der vielschichtig agierenden Täter könne letztlich überführt werden.

150 000 Euro Schaden

"Im vergangenen Jahr wurden im Landkreis Harz 85 Fälle von Skimming angezeigt, die einen Schaden von 150 000 Euro verursacht haben", sagt der Halberstädter Kriminalhauptmeister. Er rät deshalb Bankkunden aller Kreditinstitute zu äußerster Vorsicht. Die abgebildeten Fotos der Polizei zeigen markante Schwachpunkte an Geldautomaten, wie sie nicht manipuliert aussehen: eine Abdeckplatte, einen Karteneinzugsschacht und eine Tastatur (Bilder von manipulierten Automaten dürfen aus ermittlungstaktischen Gründen nicht veröffentlicht werden).

"Jeder Kunde sollte sich vor dem Benutzen seiner Geldkarte diese Stellen unbedingt genau anschauen, um mögliche Veränderungen feststellen zu können. Ganz besonders bei den Automaten, die nicht gesondert in verschlossenen Räumen oder Vorräumen einer Bankfiliale stehen. Außerdem ist es dringend ratsam, so oft wie möglich die Kontoauszüge zu kontrollieren und im Verdachtsfall umgehend Anzeige zu erstatten.

Denn: "Die manipulierten Vorsatzgeräte werden von den Tätern meist nach sehr kurzer Zeit wieder abgebaut und an anderen Stellen installiert. Die Gefahr ist und bleibt sehr groß, und jeder Zeitverzug erleichtert den Kriminellen ihr schändliches Tun", sagt Willi Dippe.