Strahlende Gesichter, als am Donnerstag der symbolische Scheck überreicht wurde: Rund 70 000 Euro stehen für den Breitbandausbau in Emersleben bereit. Zur Übergabe war Sachsen-Anhalts Landwirtschafts- und Umweltminister Hermann Onko Aeikens (CDU) ins Halberstädter Rathaus gekommen.

Halberstadt/Emersleben. Halberstadts Oberbürgermeister Andreas Henke (Die Linke) freut sich, dass mit Emersleben nun ein weiterer Ortsteil der Kreisstadt an die "Datenautobahn" angeschlossen wird und erhofft sich davon einen Entwicklungsschub für das Dorf am Rande der Kreisstadt. Alle anderen Ortsteile seien bereits an das schnelle Internet angeschlossen worden. Verwendet wird dabei ein Netz mit bis zu 16 Megabit (MB). In Emersleben sollen es 14 MB werden. In Halberstadt selbst seien etwa drei Viertel der Anlagen umgerüstet. Wegen der Verzögerungen durch den Winter dauere es noch bis zum Frühsommer, bis alle interessierten Kunden ihre VDSL-Anschlüsse bekommen können, so der Oberbürgermeister.

"Die jetzige Bearbeitungszeit unseres Fördermittelantrags ist allerdings rekordverdächtig", betonte der OB. Am 20. Januar wurde der Fördermittelantrag unterschrieben und bereits 15 Arbeitstage später kam die Bestätigung.

Der Ausbau des schnellen Internets in Sachsen-Anhalt gehe auch 2011 weiter. Bisher seien 169 Vorhaben bewilligt und der Breitbandausbau mit rund 25 Millionen Euro gefördert worden, sagte Aeikens bei der Übergabe des ersten Breitband-Bescheids in diesem Jahr. Trotz der dünnen Besiedlung konnten in Harz und Altmark rund 80 Prozent der Gemeinden die Voraussetzungen für die Beseitigung von "weißen Flecken" schaffen. In diesem Jahr sollen nochmals neun Millionen Euro dafür bereitgestellt werden.

"Das schnelle Internet ist ein wichtiger Ansiedlungsfaktor."

Das schnelle Internet sei ein wichtiger Bleibe- und Ansiedlungsfaktor für Bürger und Betriebe, betonte der Minister, "die Kinder wollen heute schließlich mit der modernen Kommunikation mithalten." Rund 100 DSL-Interessierte hätten sich in dem 700 Einwohner zählenden Ort gemeldet. Zu den 69 500 Euro Fördermitteln muss die Kommune 12,5 Prozent als Eigenmittel bereitstellen. Emerslebens Ortsbürgermeister Guido Spillecke bedankte sich für die tatkräftige Unterstützung. Bereits in der kommenden Woche sollen die Verträge mit dem Telekommunikationsunternehmen unterschrieben werden. Für den praktischen Ausbau werde jedoch eine gewisse Zeit benötigt, kündigte er an.

Aus Berlin war Gerd Müller (CSU), Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundeslandwirtschaftsministerin, mit zu der Fördermittelübergabe gekommen. Er stammt aus dem südlichsten Wahlkreis in Deutschland, aus dem Allgäu, und zeigte sich beeindruckt vom gastgebenden Hotel, dem "schönsten Rathaus" und dem schnellsten Internet. "Da gibt es bundesweit noch erheblich Probleme, auch in meiner Heimat", räumte er ein.

"Deutschland muss so gut werden wie Sachsen-Anhalt", warf er in den Raum. Bundesweite Vorgabe sei, alle Haushalte an das Breitbandnetz anzuschließen. Lösungen per Funk könne es nur für einen Übergangszeitraum geben, denn künftig müsse mit viel höheren Datenraten gerechnet werden.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium stellt seit 2008 den Bundesländern jährlich insgesamt zehn Millionen Euro Anschubförderung zur Verfügung. Das schnelle Internet ermögliche auch eine dezentrale Wirtschaftsentwicklung. Diese Daseinsvorsorge soll weiter mit öffentlichen Mitteln gefördert werden. "Der nächste Sprung auf 50 MB deutet sich auch für Emersleben schon an", so der Gast.

Zufrieden mit der raschen Entwicklung auf dem Gebiet der modernen Kommunikation zeigten sich auch die Landtagsabgeordneten Frauke Weiß (CDU) und Gerhard Miesterfeldt (SPD). Sie merkten an, dass der touristische und informelle Austausch zwischen Harz und Allgäu noch verbessert werden könne.

Gerd Müller ergänzte spaßhaft, dass er mit dem gleichnamigen Fußballer nicht verwandt sei, aber Jürgen Sparwasser aus Halberstadt kenne er sehr wohl. Landwirtschaftsminister Aeikens hatte sich zuvor offensichtlich über die 875-jährige Geschichte von Emersleben genau informiert. "Hier gab es einst Viehraub, Fischdiebstahl und zwei Tote bei einem Bierstreit", wusste er. Heute gehe es friedlicher zu. "Über den Fortschritt können sich die Bewohner freuen."