Klaus Fuhrmann aus Wegeleben ist ein Holzfan durch und durch. Mit seinem Hobby bereitet der 60-Jährige seit Jahren auch den Kindern der Bodestadt eine riesige Freude: Jahr für Jahr kreiert der findige Tüftler einen Holz-Bausatz, aus dem die jüngsten Besucher des Weihnachtsmarktes ein Gefährt basteln können.

Wegeleben/Adersleben/Deesdorf/Rodersdorf. Sammeln kann man bekanntlich viel: Während es manchen Zeitgenossen Bierdeckel und Kronverschlüsse angetan haben, stecken andere Briefmarken ins Album, sammeln Reiseführer, Modellbahnen oder Münzen. In der Bodestadt Wegeleben bricht sich seit einigen Jahren eine Sammelleidenschaft der ganz besonderen Art Bahn: Im Mittelpunkt stehen dabei hölzerne Fahrzeuge, die Klaus Fuhrmann Jahr für Jahr als Bausätze anfertigt, um alsdann Kindern auf dem Weihnachtsmarkt eine einmalige Freude zu bereiten.

Im vergangenen Advent brachte das nimmermüde Mitglied des Kultur- und Heimatvereins "Zum Eulenturm" die siebte Auflage heraus - ein Motorrad samt Beiwagen, aus Holz natürlich. Die Teile hatte der "Sechzigeinhalbjährige" wie in den Vorjahren in mühevoller Heimarbeit mit Helfern ausgesägt, vorgebohrt und glatt geschliffen, so dass sich die jugendlichen Bastelkünstler am Stand des Heimatvereins auf die eigentliche Montage konzentrieren konnten.

Dank helfender Hände von Eltern und Großeltern sowie Klaus Fuhrmanns guter Vorarbeit ein vergleichsweise leichtes Unterfangen. Ruck, zuck wurden die Teile zusammengefügt, kamen die Kinder zum Erfolgserlebnis. Für Chef-Tüftler Fuhrmann ein wichtiger Aspekt, schließlich "sollen die Kinder das Gefühl bekommen, dass Holz ein ganz besonderer Werkstoff ist", skizziert der gelernte Elektriker seine Beweggründe.

"Irgendwann habe ich eine Idee und beginne, das Modell zu erfinden."

Die alljährliche Basis für jenen Aha-Effekt legt Klaus Fuhrmann im Herbst: "Irgendwann habe ich eine Idee und beginne zunächst selbst, sie praktisch umzusetzen und das Modell zu erfinden", verrät er schmunzelnd. Während andere Konstrukteure am Computer tüfteln, zieht sich Fuhrmann dann in seine Werkstatt zurück, um zu basteln, zu testen, zu verwerfen und immer weiter zu verbessern. Mit einem klaren Ziel und einem vorhersehbaren Resultat: Irgendwann ist das Jahresmodell ausgereift und "steht".

Für Klaus Fuhrmann indes ist damit nur ein erstes Etappenziel erreicht: Schließlich geht es nun darum, die Bauteile für die jährlich minimal 90 und maximal 100 Exemplare zu bauen. Im Schnitt sechs Wochen, in denen Fuhrmann buchstäblich am Wirbeln ist und in denen er die heimische Holzwerkstatt gegen die gute Stube eintauscht und nur noch "zum Schlafen" hinüber marschiert, wie er lachend verrät.

Unterstützt wird der Bastelfan nicht nur innerhalb des Kultur- und Heimatvereins, sondern - wenn es um Rohmaterial und die Montagebauteile geht - auch von ortsansässigen Firmen, Holzhändlern und der Stadtverwaltung. "Schrauben und Nägel sind wichtig, Leim, Schleifpapier und vor allem natürlich Holz", sagt Fuhrmann und zeigt sich dabei alles andere als wählerisch: "Für mich ist schon ein 20 Zentimeter langes Brett wertvoll", betont er. Ist es doch die Basis, aus der ein findiger Kopf und geschickte Hände mindestens drei Räder für Auto, Traktor oder Lokomotive zu zaubern verstehen.

Mittlerweile umfasst die Fuhrmannsche Weihnachts-Sammel-Kreation sieben Exemplare. Dazu gehört auch eine Lok, die im Jubiläumsjahr von Heißdampf-Schmidt, dem großen Sohn der Bodestadt, gebastelt wurde. Glücklich dürfen sich jene Sammler schätzen, die Jahr für Jahr eines der limitierten Exemplare auf dem Weihnachtsmarkt ergattert und zusammengebaut haben. Fuhrmanns Sponsoren gehören natürlich auch dazu und dürfen sich stets über ein Sondermodell mit Widmung freuen.

Apropos freuen: Auch Baumeister Klaus Fuhrmann freut sich zuweilen wie Kind. Dann nämlich, wenn die Kinder an seiner Bastelbude Schlange stehen, mit strahlenden Augen auf die aufgereihten Modelle der Vorjahre zeigen und stolz davon berichten, dass sie davon auch ein eigenes Exemplar daheim im Kinderzimmer haben. Spätestens dann weiß der Bastelfan, Hobbyradler und Heimatvereinsfreund, dass er das selbst gesteckte Ziel erreicht hat: Kinder mit einem Geschenk zu überraschen, das gleichermaßen wertvoll wie einzigartig ist.

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