Einen Dauerbrenner gibt es derzeit auf allen Jahreshauptversammlungen der Feuerwehren im Osterwiecker Stadtgebiet: die Feuerwehrtechnische Zentrale des Landkreises holt die Geräte und Fahrzeuge zur regelmäßigen Überprüfung nicht mehr vor Ort ab. Am Freitagabend war das auch in Berßel Thema.

Berßel. Dass diese Gerätschaften von den Ehrenamtlichen nach Wernigerode gefahren werden sollen, dagegen wehren sich auch die Berßeler um Ortswehrleiter Kai Schade. "Jetzt sollen wir Freiwilligen noch mehr Zeit investieren. Wir haben schon so viele Stunden", schimpfte Schade.

Marcus Meier, der stellvertretende Abschnittsleiter, erläuterte, dass die Regelung nur für den Altkreis Halberstadt neu sei. In anderen Orten gebe es diese schon seit längerem. "Ich kann den Ärger verstehen", sagte er. Aber der Landkreis sei zum Sparen angehalten. Meier erinnerte daran: "Die Unterhaltung der Feuerwehr ist Sache der Stadt." Dafür gebe es einen Bauhof.

Ob der diese Arbeit noch zusätzlich schaffen kann, bezweifelt Stadtwehrleiter Frank Kenzig. "Bauhof hin, Bauhof her, jedes Dorf schreit nach dem Bauhof." Er sieht einen Ausweg darin, eine Stelle bei der Stadt zu schaffen, die diese Aufgabe zur Unterhaltung der Feuerwehrgeräte für alle 18 Ortswehren übernimmt. "Das können keine Ehrenamtlichen schaffen", betonte Kenzig. Allerdings werde es angesichts der Finanzsituation schwer, das in den Stadtrat zu bringen. "Darüber muss man sich im klaren sein." Schon aktuell sei im Haushalt bei den Feuerwehren stark gestrichen worden.

Kenzig regte zudem an, eine gemeinsame Kleiderkammer für alle 18 Feuerwehren einzurichten. "Die Sachen sind zu teuer, um sie in den Schrank zu legen. Die Zeiten, in denen ein Dorf sagt, das ist alles meins, sind vorbei. Wir sind jetzt eine Stadt."

Zur Feuerwehrarbeit im Jahr 2010 hielt Kai Schade einen Rückblick auf die neun Einsätze, bei denen die 23 aktiven Kräfte umgestürzte Bäume von Straßen beseitigten, Menschen retteten sowie in den Nachbarorten Wasserleben und Zilly Brände löschten. Eine Großübung mit zwölf Feuerwehren fand im Oktober auf dem Gelände des örtlichen Reifenhandelsbetriebes statt. Angesichts der Löschwasserprobleme im Dorf wurden von der Ilse aus 4500 Meter Schlauch zum Betrieb gelegt.

Ein großes Lob richtete Ortsbürgermeister Jürgen Seubert an die Kameraden für die Organisation des Feuerwehrjubiläums zum 150-jährigen Bestehen. Was ein neues Feuerwehrauto betrifft, hofft er nun nach dem Besuch von Innenstaatssekretär Erben am Vortag in Berßel, dass es 2012 mit einer Förderung klappt.