Am 20. März wird der neue Landtag gewählt. Im Wahlkreis 14 stellen sich sieben Kandidaten dem Bürgervotum. Wer sind diese Direktkandidaten? Die Halberstädter Volksstimme stellt sie vor.

Halberstadt. Fernweh, der Duft der großen weiten Welt und die Sehnsucht nach grenzenloser Freiheit, davon träumte Jens Rehmann von Kindesbeinen an. Da seine Wiege aber in der DDR stand, wo er 1966 in Plauen das Licht der Welt erblickte, bekam er bald zu spüren, dass seine Träume schnell an Grenzen stoßen.

So zog es den jungen Mann aus der Stadt im Südwesten Sachsens, aus der die berühmten Plauener Spitzen kommen, an die Ostsee. Zwar gab es auch dort eine Grenze, wenn auch nicht in Beton zementiert, aber doch die Möglichkeit, ein Fenster in die Welt aufzustoßen. Jens Rehmann begann in Stralsund ein Studium, um Seeoffizier der Volksmarine zu werden. Genauer gesagt Diplom-Ingenieur für Seeverkehrswesen. 1989 definierte sich die Frage nach der Freiheit für ihn neu. "Mit der Karriere auf See wurde es schwierig, da sich die Handelsmarine der DDR in Auflösung befand. So kam ich nach Halberstadt, wo meine Eltern schon seit 1987 lebten", erzählt Jens Rehmann.

Halberstadt wurde für den Ex-Seemann schnell zu einer neuen Heimat. Doch die große Liebe, seine Frau, fand Rehmann an der Küste, genauer gesagt in Wismar. Jens Rehmann begann, in der alten Domstadt Wurzeln zu schlagen. Oder was zu einem ehemaligen Seemann wohl besser passt: einen Anker zu werfen. 1990 machte er sich selbständig, baute eine Versicherungsfirma beziehungsweise die Filiale einer Bausparkasse auf, die heute seine kleine Familie, zu der auch eine fast neunjährige Tochter gehört, ernährt.

"Hier in Halberstadt stellten sich bei mir erstmals Heimatgefühle ein, die ich vorher nicht kannte", erinnert sich Jens Rehmann. Und wo man sich zuhause fühlt, sucht man sich ein Nest für die Familie. Rehmanns fanden es in der Halberstädter Altstadt. Sie verliebten sich im idyllischen Rosenwinkel in ein Fachwerkhaus. 1995 begannen sie, dem aus dem Jahr 1699 stammenden Haus neues Leben einzuhauchen. "Wir investierten viel Muskelkraft, sprich Eigenleistung, und sind auf das Ergebnis stolz." Doch damit endete das Engagement des Halberstädters für die Altstadt nicht. Wenige Meter weiter, auf einer Abrissfläche, entstand ein zweites, neues Haus, wo sich im Erdgeschoss die Geschäftsräume befinden.

Jens Rehmann liebt Musik, er spielt Gitarre. Diese Leidenschaft teilt er mit Tochter Merle und Freunden. Seit vielen Jahren engagiert sich der Halberstädter im Betreuungsverein Oschersleben, um sozial Schwachen zu helfen. "Wir helfen Leuten, die sich selbst nicht helfen können."

Zur Politik kam Jens Rehmann 1999. "Ich fand im Briefkasten eine Karte der Ökologisch-Demokratischen Partei (ödp), entdeckte Schnittpunkte, die es bei den großen Parteien nicht gab." Rehmann ist seit 2002 Landesvorsitzender der ödp, die zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit fünf Kandidaten auf der Landesliste und einem Direktkandidaten, Jens Rehmann, antritt. "Halberstadt ist eine ödp-Hochburg in Sachsen-Anhalt, darum kandidiere ich für das Direktmandat", erzählt der Halberstädter.

Rehmann ärgert sich maßlos, dass die Politik so nachlässig mit der Kreisstadt des Harzkreises, also Halberstadt, umgeht. Daher will er sich im Fall einer Wahl unter anderem dafür einsetzen, dass es für Halberstadt eine vernünftige Standortentwicklung und Industrieansiedlungspolitik gibt. "Außerdem muss Halberstadt besser an das überregionale Verkehrsnetz angebunden werden. Das Aushöhlen der Kreisstadt, das seit Jahren von den etablierten Parteien betrieben wird, muss ein Ende haben", betont der Halberstädter.

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