Zu einer Diskussionsveranstaltung zum Thema "Optionen oder Mogelpackungen in der Bildungspolitik?" lud vergangenen Mittwochabend der CDU-Landtagsabgeordnete Bernhard Daldrup nach Schauen ein. Als Gastreferenten hatte er schon vor einiger Zeit Staatssekretär Winfried Willems aus dem Kultusministerium in Magdeburg gewinnen können.

Schauen. Der Saal im Gasthof "Deutsches Haus" war gut geheizt, und immerhin fast 100 Gäste hatten sich auf den Weg nach Schauen gemacht, um dort über Sachsen-Anhalts Bildungspolitik zu diskutieren. Zahlreiche Lehrer, Eltern und Schüler waren zu dieser Veranstaltung gekommen, die durch die TED-Umfrage der Volksstimme und die zahlreichen Leserzuschriften zum Thema Gemeinschaftsschule am selben Tag eine besondere Aktualität erhielt. 60 Prozent der teilgenommenen Volksstimme-Leser hatten für eine Gemeinschaftsschule gestimmt. Aus den Schauener Wortmeldungen ergab sich aber ein ganz anderes Bild.

Vor Eröffnung der Diskussion präsentierte der Fachmann aus dem Kultusministerium ein recht umfangreiches Zahlenwerk zur Schulsituation in Sachsen-Anhalt (Siehe Info-Kasten). Demnach läuft es, wenn man den Zahlen glauben darf, in Sachsen-Anhalt jetzt deutlich besser als im Bundesdurchschnitt. Die Klassen und Schulen sind kleiner, die Unterrichtsversorgung besser, und auch die wohnortnahen, kleinen Schulen haben hier noch eine größere Chance zu überleben.

Die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast halbiert. Der Unterrichtsausfall durch Krankheit und die Schwierigkeiten bei Stellenbesetzungen sind allerdings noch nicht befriedigend. Hier sollten eigentlich zusätzliche Lehrkräfte als "mobile Eingreifreserve" helfen. Das Finanzministerium trage die Verantwortung dafür, dass diese Kollegen immer noch nicht zur Verfügung stehen.

Anschließend ging der Referent auf die von den Linken geplante Gemeinschaftsschule ein. Das längere gemeinsame Lernen mindestens bis Klasse 8 ist ja auch erklärtes Ziel des Koalitionspartners und Gegners im Landtagswahlkampf, der SPD. Eine allgemeine Oberschule bis Klasse 10 soll den Zeitpunkt für die schulische Orientierung zeitlich nach hinten verschieben und mehr Chancengleichheit und bessere Ergebnisse schaffen.

"Schüler, Lehrer und Eltern mussten in nur 18 Jahren fünf Schulreformen ertragen."

Weder vom Vorschlag der Linken, noch von den Plänen der SPD, das Schulsystem bis 2020 umzubauen, hielten Staatssekretär Willems und Bernhard Daldrup etwas. Sie fürchten ein Sterben der Gymnasien, weitere Fahrten für die Schüler sowie Disziplin- und Lernprobleme in den stark heterogenen Lerngruppen. Außerdem sind jetzt 440 Millionen Euro in den Ausbau der Schulen investiert worden. Werden diese jetzt nicht wenigstens 15 Jahre entsprechend genutzt, müssten die EU-Fördergelder wieder zurückgezahlt werden.

Auch die Gäste der Veranstaltung schienen mit dem aktuellen dreigliedrigen Schulsystem zufrieden zu sein, das die Grundschüler schon nach der 4. Klasse beurteilt und in die Hauptschule, die Sekundarschule oder zum Gymnasium schickt.

Kreiselternratsvorsitzender Andreas Prawda hätte die Schulpolitik gern ganz aus dem Wahlkampf herausgehalten und bescheinigte den Schulen im Land eine gute Arbeit.

Kontinuität forderte auch Erwin Marchlewsky aus Schauen. Ständige Strukturreformen hätten weder in der Schule noch bei der Polizei oder der Landwirtschaft Probleme gelöst bzw. die Situation verbessert.

Osterwiecks Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ, von Hause aus selbst Lehrerin, forderte Ruhe und Planungssicherheit für die Schulen. Sie wies darauf hin, dass Schüler, Lehrer und Eltern in nur 18 Jahren fünf Schulreformen ertragen mussten. Es sei stattdessen besser, die vorhandenen Strukturen zu erhalten und die Lerninhalte und Methoden zu reformieren.

Lehrer Hermann Weinert hatte das Scheitern der Förderstufe erlebt. "Diese unnötige Reform kostete ein volles Schuljahr für alle Schüler und jede Menge Geld."

Im Nachbarland Niedersachsen hatte man übrigens die Erfahrungen schon gemacht und die dort Orientierungsstufe genannte Schule vor etwa zehn Jahren wieder abgeschafft.

Der Vorsitzende der Osterwiecker Jungen Union, Florian Weinert, steht den Reformplänen ebenfalls sehr kritisch gegenüber. "Nach 40 Jahren Sozialismus sucht doch jeder seinen eigenen Weg. Eine Grundindividualität ist vorhanden, und eine Einschränkung ist unzulässig. Denken und Kreativität müssen gefördert werden!"

Ein weiteres Thema des Abends war die Problematik der Förderschulen im Land, die durch Wechsel zahlreicher Schüler in die Regelschule in ihrer Existenz bedroht sind. Es wurde empfohlen, die Anzahl der Schüler pro Klasse zu begrenzen und auch entsprechend ausgebildete Lehrkräfte hier einzusetzen.

Eine andere Sache wurde ebenfalls gleich von mehreren Gästen kritisiert. Es sind die unterschiedlichen Schulstrukturen, Lehrpläne und Medien in den Bundesländern. Lehrpläne und Bücher sind oft sogar von Landkreis zu Landkreis verschieden, so dass nach einem Umzug große Probleme und Kosten auf die Familien zukommen.