Auf ein erfreuliches Dienst- und Einsatzjahr konnte der Chef der Athenstedter Ortsfeuerwehr, Michael Wissel, vor wenigen Tagen bei der turnusmäßigen Jahreshauptversammlung zurückblicken: Mit 20 aktiven Mitgliedern sei die Wehr des kleinen Halberstädter Ortsteils vergleichsweise gut aufgestellt. Sorgen bereite nur das betagte Löschfahrzeug, das im nächsten Jahr 40 Jahre alt ist.

Halberstadt/Athenstedt. Wer vier Jahrzehnte lang unablässig im Berufsalltag war, kann sich in aller Regel seelisch und moralisch auf den wohlverdienten Ruhestand einstellen. Mit anderen Worten: Die Rente rückt in Sichtweite. Beim Einsatzfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Athenstedt sieht das freilich ein wenig anders aus. Zwar hat das Lösch-Fahrzeug aus dem Hause Daimler-Benz im kommenden Jahr auch satte 40 Dienstjahre auf dem Buckel - pardon: in den Achsen -, eine Renten-Vorfreude ist bei den Athenstedter Wehrleuten mit Blick auf ihr Fahrzeug allerdings noch nicht in Sicht. "Ein neues Fahrzeug in absehbarer Zeit - das wäre natürlich schön und wünschenswert", sagt Wehrleiter Michael Wissel.

Ganz anders als das Alter des Fahrzeuges sieht es indes in punkto Altersdurchschnitt der 20 aktiven Wehrmitglieder aus, bilanziert Hauptlöschmeister Wissel: "Unsere älteste Kameradin ist 53 Jahre alt. Im Durchschnitt dürften wir gerade mal auf 35 Jahre kommen", überschlägt der Ortswehrleiter und freut sich über seine vergleichsweise junge Wehr.

Letztere durfte sich im abgelaufenen Jahr über eine erneute Verjüngung freuen: Drei Kameraden wurden in den aktiven Dienst übernommen und in der Jahreshauptversammlung vom anwesenden Halberstädter Stadtwehrleiter Harald Böer offiziell zu Feuerwehrmännern berufen: Eric Wissel, Jens Borchert und Christof Petersohn. Überdies wurden Steffen Görke zum Oberfeuerwehrmann und Christian Jung zum Hauptlöschmeister befördert.

Zuvor hatte Wehrleiter Michael Wissel in seinem Rechenschaftsbericht über die Aktivitäten der Wehr im Jahr 2010 berichtet. Insgesamt seien die Kameraden von der Leitstelle zu drei Einsätzen beordert worden: Neben einer technischen Hilfeleistung nach einer Ölhavarie sei auch ein Wildunfall mit einem Schwerverletzten aktenkundig geworden. Überdies halfen die Kameraden aus Athenstedt auch beim Bekämpfen des Großbrandes in der Halberstädter Südstraße im Dezember 2010 mit, erinnerte Hauptlöschmeister Wissel.

Neben den drei Einsätzen hätten die Kameraden 2010 auch eine Vielzahl von Dienst-abenden absolviert. "Insgesamt kamen wir an 26 Tagen auf 548 Ausbildungsstunden", rech- nete Wissel in seinem Rechenschaftsbericht zusammen. Erfreulich für den kleinen Ort sei auch der Personalbestand mit 20 aktiven Kameraden, davon zehn Atemschutzgeräteträger. Und noch zwei Zahlen nannte Michael Wissel: Im abgelaufenen Jahr leisteten die Wehrmitglieder alles in allem 56 Einsatzstunden und brachten 748 Stunden für Ausbildung und Lehrgänge auf. So hätten Eric Wissel und Jens Borchert den Grund- und Funklehrgang absolviert. Überdies wurden der Lehrgang für Atemschutzgeräteträger von Eric Wissel und die Ausbildung an der Brand- und Katastrophenschutzschule in Heyrothsberge von Christian Jung mit Bravour abgelegt.

In seiner Bilanz erinnerte Wehrchef Wissel auch an die Höhepunkte des Jahres 2010 - das Maifeuer im Ort, die Beteiligung der Wehr am örtlichen Vereinsfest sowie der gemeinsame Besuch der Feuerwehrmesse in Leipzig. Nicht zuletzt die tatkräftige Mithilfe der Wehrleute beim Auf- und Ablassen der Kirchturmglocke zeige, dass die Wehr im Ort fest verwurzelt sei und die Hilfe der Kameraden gern in Anspruch genommen werde. Und noch einen Höhepunkt wollte Michael Wissel in seiner Bilanz nicht unerwähnt lassen: Die Teilnahme am traditionellen Tankerpulling in Langenstein, wo die Athenstedter ihr Durchzugsvermögen unter Beweis stellen konnten und den ersten Platz belegten.

Stadtwehrleiter Harald Böer zog mit Blick auf die Zusammenarbeit von Ortsfeuerwehren und Stadtwehr ein positives Fazit. "Dem kann ich mich nur anschließen - das Miteinander und die Zusammenarbeit sind absolut in Ordnung", betont Michael Wissel. Im Namen des Ortschaftsrates bedankte sich Ratsmitglied Joachim Langenstraß für die ständige Einsatzbereitschaft der Athenstedter Wehrmitglieder.

Auch in diesem Jahr wollen die Kameraden das Leben in ihrem Ort bereichern: Neben dem Maifeuer werden sie den Huy-Burgen-Lauf Anfang Mai organisatorisch begleiten. "Außerdem wollen wir mit den anderen Ortswehren noch näher zusammenrücken und einen gemeinsamen Ausbildungstag absolvieren", skizziert Wissel die Pläne.

Bleibt - quasi als einziges Sorgenkind - der betagte knallrote Senior im Depot. Aber: Weil man spätestens nach 45 Dienst- und Beitragsjahren in Rente gehen darf, sind die Athenstedter optimistisch. Das 50-jährige Dienstjubiläum wollen sie ihrem Löschfahrzeug jedenfalls nicht mehr zumuten.