Berufsnachwuchs aus gastronomischen Betrieben des Harzkreises trat in Halberstadt bei der Regionalmeisterschaft 2011 des Dehoga-Kreisverbandes an. Im Finale bewiesen 18 junge Leute fachliches Können, Leistungsstärke und Kreativität. Als Regionalmeister werden Tina Fengefisch, Marieke Schmitt und Patrick Glaße den Harz bei den Landesmeisterschaften vertreten.

Halberstadt. Als Dehoga-Kreisvorsitzender Heinrich Nürnberg von einem Leistungsvergleich auf sehr hohem Niveau sprach und die Leistungen der Auszubildenden lobte, lag hinter den Gästen bereits eine geschmackserlebnisreiche "Kulinarische Entdeckungsreise durch den Harz". Diese hatten sie den 18 künftigen Hotel- und Restaurantfachleuten und Köchen zu verdanken, die das Festessen nach diesem Motto seit den frühen Morgenstunden in Küche und Restaurant vorbereitet hatten.

Begonnen hatte die Regionalmeisterschaft am Vortag. 44 Bewerber waren angetreten, jeweils sechs aus jeder Berufsgruppe. Sie alle hatten theoretische Tests bestanden und qualifizierten sich so für das Finale im Restaurant "Am Sommerbad". Während die künftigen Hotelfachleute am folgenden Freitagvormittag unter anderem Blumengestecke gestalteten, eine Bankettvereinbarung und eine Empfangsaufgabe zu realisieren hatten, mussten die werdenden Restaurantfachleute sich in Weinkunde auskennen, ein 5-Gänge-Menü mit Getränken zusammenstellen sowie tranchieren und einen Cocktail mischen. Der Kochnachwuchs stellte sich einer besonderen Herausforderung.

"Als wir gestern den Warenkorb bekannt gaben, ging ein Raunen durch die Reihen", wusste Kristof Kundt zu berichten. Denn seine Frau Gabriele Kundt hatte sich ein typisch regionales Menü - für wenig Geld, aber mit sehr viel Kreativität - ausgedacht, bei dem Harzkäse für die Vorspeise, eine Kraftbrühe vom Harzer Roten Höhenvieh für die Vorsuppe, Brauner Streifen von eben solchen für den Hauptgang und Holundersaft für die Nachspeise verwendet werden mussten.

"Dass Brauner Streifen vom Rind schwierig zu garen ist, wissen die meisten", bemerkte Gabriele Kundt, die das Geschehen mit zwei weiteren Jurymitgliedern in der Küche begleitete, "alle haben diese Herausforderung gemeistert und es auf den Punkt vorbereitet."

Bevor dieser Leckerbissen in sechs sehr unterschiedlichen Varianten von den Hotel- und Restaurantfachleuten serviert wurde, erzählte der Historiker Dr. Uwe Lagatz den rund 50 Gästen - Vertretern gastronomischer Betriebe und touristischer Einrichtungen aus dem Harzkreis - etwas über die Entwicklung der Gastronomie im Harz. Sein Vortrag schloss mit einem teuflischen Menü um 1900 anlässlich einer Walpurgisfeier auf dem Brocken. Dessen Speisen hatten zwar sehr ausgefallene Bezeichnungen, doch die Folge auf der aktuellen Menükarte mit ihren eher schlichten Bezeichnungen musste sich an Einfallsreichtum, Kreativität, Niveau und Qualität dahinter keinesfalls verstecken.

Wettbewerbsfähigkeit des Harzes präsentieren

So "zauberte" zum Beispiel Fabian Peisker aus seinem Warenkorb eine Harzkäsetorte mit Salatbukett, Kraftbrühe mit Möhrenpfannkuchenstreifen und Kräuter-Röstbrot, Gebratenes vom Harzer Roten Höhenvieh gefüllt mit Geflügel-Rosmarinfarce, Madeirasoße, glasierten Schwarzwurzeln, Steckrübentaler und Knieste sowie Griesgugel mit Apfel-Birnen-Mango-Kompott, Holunderbeersoße und Schokoladenküchlein.

Gut acht Stunden waren seit dem Start vergangen, als Heinrich Nürnberg gemeinsam mit der Jury die Ergebnisse bekannt gab. "Unser Ziel war und ist, die betrieblichen und schulischen Ausbildungsinhalte durch die jeweils sechs besten Auszubildenden der gastgewerblichen Berufe in Theorie und Praxis im Leistungsvergleich vorzustellen und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen im Landkreis Harz zu präsentieren", sagte der Dehoga-Kreisvorsitzende. Das sei wieder einmal gelungen. Seinen Dank richtete er an die Jury - hier vor allem an das Ehepaar Kundt, das "die Tradition des Hotel- und Gaststättengewerbes hochhält und seit Jahren organisatorisch alles bis ins kleinste Detail vorbereitet" - sowie an die Sponsoren und die Gastgeberfamilie Schöne. Sein besonderer Dank galt jedoch den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die erneut nachgewiesen haben, mit welchem Potenzial und hohem Niveau die Gastronomie im Harzkreis aufwarten kann.

Das unterstützte Jurymitglied Gerhard Dammert, ehemaliger Weltmeister mit der Deutschen Köche-Nationalmannschaft. Der Hannoveraner lobte: "Ich habe selten solch einen regionalen Warenkorb erlebt. Was die Köche daraus gemacht haben, ist hervorragend."

Bis zur letzten Minute blieb es spannend. Als dann die Ergebnisse verlesen und die Preise vergeben waren, fiel die Anspannung bei den jungen Leuten. "Gewonnen haben eigentlich alle", unterstrich "Zeremonienmeister" Kristof Kundt, "denn neben viel Spaß sowie Lob und Anerkennung durch die Fachleute und die Gäste konnte jeder eine Menge Erfahrung für die nächsten Herausforderungen in der Ausbildung und für bevorstehende Prüfungen mitnehmen."

Die drei Besten, Tina Fengefisch, Marieke Schmitt und Patrick Glaße, werden die Region bei den Landesmeisterschaften vertreten. "Nachdem wir die Regionalmeisterschaft mehrmals in Wernigerode und heute erstmals in Halberstadt ausgetragen haben, werden wir nächstes Jahr in Quedlinburg sein", kündigte Heinrich Nürnberg an.

 

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