Halberstadt. Bei ihrem jüngsten Stammtisch haben die Mitglieder der Halberstädter Roland-Initiative ihr vor einem knappen Jahr entworfenes Positionspapier auf die Tagesordnung gerufen. Die Wirtschaftsvereinigung fordert in ihrem Papier unter anderem, dass die finanzielle Handlungsfähigkeit der Stadt Halberstadt wiederhergestellt wird. In diesem Zusammenhang müsse nicht nur sachlich geprüft werden, ob der Verkauf städtischen Eigentums langfristig gewinnbringend sei, sondern auch die freiwilligen Leistungen sollten konsequent Infrage gestellt werden.

"An dem Abend gab es erhebliche Diskussionen", berichtet der Präsident der Roland-Initiative, Marko Eggert. Zu dem Stammtisch waren auch Oberbürgermeister Andreas Henke und der Chef des Unternehmerbüros, Thomas Rimpler, eingeladen. Allerdings, so Eggert, hätten sie noch keine klaren Auswege aus der Finanzmisere aufzeigen können. "Wir haben Wege aufgezeigt. Was uns fehlt, sind Lösungsansätze von Seiten der Stadtverwaltung", so Eggert gegenüber der Volksstimme. Die Roland-Initiative wolle sich nicht als Besserwisser hinstellen, so der Präsident weiter. Aber: "Wir haben unsere Positionen veröffentlicht und formuliert, die Stadt nicht. Und das finde ich deprimierend."

Er habe den Eindruck, dass die Stadt zunächst abwarte, was das in Auftrag gegebene Gutachten zur Haushaltskonsolidierung ergebe, dessen Ergebnis am 15. März vorliegen soll. "Ich persönlich halte dieses Gutachten für ein Alibi-Gutachten. Es gibt heilige Kühe in Halberstadt und niemand will derjenige sein, der sie geschlachtet hat", schätzt Eggert ein. Aber wenn ein unabhängiges Gutachten unpopuläre Maßnahmen nennt, sieht das wahrscheinlich wieder anders aus, ist seine Meinung.

Aber nicht nur die städtischen Finanzen finden sich in dem Positionspapier der Roland-Initiative wieder. Der Verein fordert darin auch, die touristische und wirtschaftliche Attraktivität der Stadt zu erhöhen, die städtebauliche Entwicklung ganzheitlich zu gestalten und nicht zuletzt für mehr Transparenz im Entscheidungsprozess der Stadt zu sorgen. "Mit dem Punkt Finanzen steht und fällt aber natürlich das gesamte Positionspapier", weiß auch Marko Eggert. Deswegen wolle man sich, wenn das Konsolidierungsgutachten vorliegt, kurzfristig noch einmal mit den Verantwortlichen der Stadt zusammensetzen.