Ein Stück Halberstädter Kultur - das ist das Soziokulturelle Zentrum Zora. Seit 20 Jahren ist es der Treffpunkt für die unterschiedlichsten Menschen und Kulturen.

Halberstadt. Der Verein Soziokulturelles Zentrum Zora e. V. im Johanniskloster 9 gründete sich nach der Wende und war zunächst ein "Treffpunkt für Jugendliche, die etwas anders sind, mit einem schwierigen Hintergrund und die aus der Gesellschaft ausbrechen wollen", beschreibt Ivy Bieber, Leiter der Jugendbildung, die Wurzeln der Einrichtung. Doch trotz der soziokulturellen Wandlung eilt der "punkige" Ruf ihr immer noch voraus. Dabei definiert sich der Verein über keine bestimmte politische Richtung. Menschlichkeit, Toleranz und Demokratie sind seine Grundsätze. Vor allem hält er die antifaschistische Fahne hoch.

Die Besucher sind ganz unterschiedlich. Die Jüngsten sind noch Babys und werden von ihren Müttern zur Krabbelstube mitgebracht. Kinder kommen, um zu spielen oder die Holz- und Siebdruckwerkstatt zu nutzen. Jugendliche und Studenten treffen sich gern im Schülercafé, in der Zorabar oder auf Konzerten im Erdgeschoss. Aber auch Erwachsene kommen oft hierher, meistens zu bestimmten Veranstaltungen wie Ausstellungen oder Festen. Auch Tradi-tionen haben sich mit den Jahren im Zoraleben verankert. So zum Beispiel das Sommerfest oder das integrative Fußballturnier, das in der Schäfergasse stattfindet.

Auf drei Etagen stehen verschiedene Räumlichkeiten zur Verfügung, darunter ein Theaterraum für das Improvisationstheater, ein Internetcafé, eine kleine Bibliothek und ein Proberaum für Bands. Auf dem Außengelände befinden sich die Werkstätten für Holz, Siebdruck und Fahrradselbsthilfe sowie eine Feuerstelle für Grillabende. Die Einrichtung haben sich die Jugendlichen selbst gestaltet. Auch die Freizeitangebote werden bestmöglich nach ihren Wünschen ausgerichtet. Man kann die Räume auch für Feiern mieten.

"Jugendarbeit ist eine Herzens- angelegenheit."

Fünf Mitarbeiter kümmern sich täglich um die zahlreichen Besucher, darunter Sozialarbeiterin Isabelle Müller. Sie hat als Jugendliche selbst viel Zeit in der Zora verbracht und ist froh, sich nun auch beruflich dort engagieren zu können. Für Sorgen und Probleme der Besucher hat sie stets ein offenes Ohr und steht ihnen beratend zur Seite. "Es war immer mein Traum, in der Zora zu arbeiten", erzählt die studierte Sozialpädagogin. "Es macht viel Spaß, auch wenn es manchmal anstrengend ist." "Jugendarbeit ist eine Herzensangelegenheit", ergänzt Ivy Bieber. Sie ist vor allem "ein Geben und Nehmen".

Die Zora hält Kontakt zu anderen kulturellen Einrichtungen in der Umgebung, so zum Beispiel zum Kunsthof, zum Unabhängigen Frauenverband (UFV), zur Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber (ZASt) und zur Reichenstraße in Quedlinburg. Man unterstützt sich gegenseitig bei Veranstaltungen und hilft mit Material aus.

Die Zora ist auch bekannt für ihre regelmäßigen Konzerte. Sie hat sich als Veranstalter unter den Bands herumgesprochen und bekommt ständig Auftrittsanfragen.

Auch Ferienausflüge werden angeboten. Dieses Jahr soll es eine zweiwöchige Radtour entlang der Ostsee geben. Finanziert werden Projekte dieser Art hauptsächlich durch private Spenden und Mitgliedsbeiträge, aber auch durch Zuschüsse des Landkreises und der Stadt. Auch die HaWoGe hilft mit einem Mietzuschuss aus. Dennoch hat der Verein zu kämpfen. "Wir würden gern mehr Projekte und Workshops anbieten. Leider scheitern sie oft an der Verwaltung", bedauert Ivy Bieber die Situation. Manchmal würden die Antragswege bis zu einem halben Jahr dauern. Bis dahin sei die Begeisterung der Jugendlichen schon wieder dahin.

Die Zora ist täglich von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Mehr Informationen, insbesondere zu Workshops und wöchentlichen Veranstaltungen, gibt es im Internet:

www.zora.de www.myspace.com/zoraev

Bilder