Halberstadt (eso). In der heutigen Folge wird ein Blick in die Ausgaben der "Halberstädter Zeitung und Intelligenzblatt" vom 27. Februar bis 5. März 1911 geworfen.

- Der erste Redaktionsschmetterling in diesem Jahr wurde uns heute von der kleinen Hedwig Becker von hier gezeigt. Der Falter, ein Kohlweißling, bewegte sich fröhlich und munter und freute sich augenscheinlich seines Lebens.

- Ein Gewitter im März gehört zu den seltenen atmosphärischen Erscheinungen. Die griechische Sage erzählt von dem Blitz, der aus heiterem Himmel herniederfuhr. Das mag nun allerdings mehr Sage als Wahrheit sein. Ein Gewitter konnte man aber heute nachmittag um 3 1/2 Uhr über Halberstadt feststellen. Zuckten die Blitze oder dröhnte der Donner auch nicht, wie etwa im Juli oder August, so war das Rollen doch deutlich zu vernehmen und heftige Regengüsse strömten von dem so melancholischen grauen Himmel darnieder und prasselten an die Fensterscheiben. Infolge des Frühlingsgewitters war der Telephonbetrieb längere Zeit unterbrochen.

Lokales

- Zum Stadtrat gewählt wurde in der heutigen Stadtverordnetenversammlung einstimmig der Magistratsassessor Dr. Ibach Stettin.

- Wie geht die Uhr? Eine kunstvoll gearbeitete Uhr ist dieser Tage in einem Schaufenster des Uhrmachergeschäftes E. Reimer hier, Lichtengraben 20, ausgestellt. Die Uhr, die nicht ein Werk im gewöhnlichen Sinn besitzt, erweckt deshalb das Interesse der Vorübergehenden.

- Wegen Rückfallbetruges ist am 23. November v. Js. vom Landgerichte Halberstadt der frühere Versicherungsinspektor William H. zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er war früher bei der Allg. Deutschen Versicherungsgesellschaft angestellt gewesen. Als er sich in Thale aufhielt, bewog er einen Herrn G. dadurch, ihm 100 Mark zu leihen, daß er ihm vorspiegelte, er sei noch bei jener soliden Gesellschaft in Stellung.

Bauen im Stadtzentrum

Von dem städtischen Gelände Hinter dem Richthaus, das durch den Abbruch der Latzschen Malzfabrik und der verschiedenen Häuser Hinter der Münze und an der Kühlingerstraße freigeworden ist, hat die Stadt einen Teil von etwa 300 Quadratmeter an den Inhaber der Eisen- und Kurzwarenhandlung Reinhold Nagel zum Preise von 24 000 Mark, das sind 80 Mark für das Quadratmeter, verkauft. Kaufmann Nagel wird auf diesem Bauplatz, der die Ecke des jetzt durch die Planke umgrenzten Geländes nach dem Hackerbräu zu bildet, ein Geschäftshaus errichten, in das er seine Eisenhandlung verlegen wird. Damit ist wenigstens der Anfang der Bebauung dieses Stückes Land gemacht, das mit seinen abgebrochenen Giebeln und Bauresten kein angenehmes Bild gewährt. Wir wollen hoffen, daß das ganze vorläufig noch freistehende Loch bald ausgebaut wird, damit durch schöne Gebäude an dieser neuen breiten Straße ein geschlossener Baublock entsteht, der der Stadt zur Zierde gereicht.

Leserbriefe

- Aus dem Bericht der vorigen Stadtverordnetensitzung war zu entnehmen, daß nach mehrfachen Petitionen endlich Aussicht vorhanden ist, daß der Spiegelsbergen-Fahrweg von der Blankenburger Bahn bis an die Lützowstraße gepflastert wird. Diese Anregung verdanken wir den Herren Stadtv. Kothe und Bötticher. Hoffentlich ist aber auch das Stadtbauamt jetzt gewillt, den ungeeigneten Zustand dieses Weges recht bald zu beheben, ein Pflaster aus Kopfsteinen von etwa 4 Meter Breite, wie neben der Bahn bereits ausgeführt, werde den Anforderungen am meisten entsprechen. Die Neupflasterung wäre nicht nur für die Bewohner der Lützowstraße eine Wohltat, sondern auch für die armen Pferde, die oft bis an die Kniee im Schlamm und Morast stampfen müssen. - Bewohner der Lützowstraße.

- Die Wegeverhältnisse in den Thekenbergen. Der von Kamerun nach dem Forsthause und umgekehrt viel benutzte Weg im Walde entlang ist unstreitig einer der besten Wege in den Thekenbergen, nur leidet derselbe noch an zwei Mängeln. Einmal sind es die vielen Baumstümpfe, die die Spaziergänger stören und leicht zum Fallen bringen, und ferner könnten noch verschiedene in dem Wege stehende, fast abgestorbene Bäume weggenommen werden, um möglichst durchgehend eine Breite zu erhalten, die besonders dem starken Sonntagsverkehr mehr entspricht. Die Beseitigung beider Mängel wäre daher sehr erwünscht. Zahlreiche Spaziergänger Halberstadts.

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- Am Sonntag abends, den 12. d. Mts., 71/2 - 8 Uhr , hatten zwei Damen mitten im Felsenkeller-Saal an einem Tisch allein Platz genommen. Die kleinere wird gebeten, ihre Adresse bis zum 16. d. Mts. Blankenburg postlagernd unter 100 A. B. niederzulegen.

- Vom 23. März an wohne ich im Pensionat Mackrodt Lindenweg 25. Sprechst. 1 - 3. Margarete Leist Konzert-Sängerin und Gesangslehrerin.

- Suche für eine Verwandte, Forstreferendarsbraut, geeigneten Aufenthalt zur weiteren Ausbildung in einer Oberförsterei des Nord-Harzes oder dessen Nähe. Vollständiger Familienanschluß Bedingung. Gfl. Off. mit näheren Angaben der Bedingungen an B. Laupert, Schlanstedt.

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