Halberstadt. Volksstimme-Leserin Marita Giesecke aus Halberstadt war mehr als verblüfft. "Ich wollte am Geldautomaten vor dem Aldi-Markt in der Rudolf-Diesel-Straße schnell mal ein paar Euro Bares abheben. Doch was steht denn da für ein Ding?", fragte sie am Leser-Telefon. Da es in der Redaktion auch niemand so ganz genau wusste, haben wir uns das "Ding" mal angeschaut.

Vor der Automatiktür des Gebäudes, in dem neben dem Discounter weitere Verkaufseinrichtungen untergebracht sind, steht ein Werbeschild für einen EC-Automaten. Im Eingangsbereich dann der Automat selbst. Aber nirgends ist ersichtlich, welches Kreditinstitut den "Geld-Spucker" aufgestellt hat und verantwortlich ist. "Normalerweise ist ein großes Schild der Sparkasse oder der Bank klar ersichtlich angebracht. Auch ein Aufkleber in Höhe des Monitors, auf dem ausgewiesen wird, welche Gebühren für das Geldabheben anfallen, wenn man nicht Kunde dieses Kreditinstituts ist", weiß Frau Giesecke.

Die aufmerksame Frau sucht und findet, unterhalb des Geldausgabeschlitzes, einen kleinen, silberfarbenen Aufkleber, der verkündet: Beim Abheben mit Master- und VISA-Kreditkarten verlangt der Betreiber keine Gebühren, bei Nutzung einer Giro-, also einer EC-Karte, dagegen stolze 8,99 Euro. "Da sollte man wohl besser die Hände von lassen", meint Marita Giesecke.

Auf Bitte der Volksstimme kümmerte sich die Polizei am Freitagvormittag um das Problem. "Unsere Beamten haben ermittelt, dass dieser Automat im Jahr 2009 installiert worden ist. Der Betrieb erfolgt rechtlich korrekt", informierte der leitende Einsatzbeamte des Polizeireviers Harz in Halberstadt, Polizeihauptkommissar Peter Hartmann, die Redaktion. Allerdings, so Hartmann, seien die Ermittlungen gar nicht so einfach gewesen. "Über den Hausmeister und den Vermieter des Gebäudes, eine Halberstädter Firma, erfuhren wir, dass eine Firma in Frankfurt am Main den Automaten betreibt. Allerdings haben auch Verkäuferinnen oft Nachfragen von Kunden und raten ihnen dringend, die fast versteckt wirkende Information über die hohen Gebühren genau zu lesen, bevor sie Geld abheben", berichtet Hartmann.

Dieser Geldautomat scheint wirklich nicht ganz ohne zu sein. Während die meisten der ortsbekannten Kreditinstitute nach betrügerischen Manipulationen von Kriminellen an ihren Geldautomaten (Volksstimme berichtete) alles unternehmen, um die Sicherheit für ihre Kunden zu erhöhen, steht dieses Unikum frisch, fröhlich und frei mitten im Raum. Wer Lust hat, kann mühelos die Netzstecker für Strom und für die elektronische Verbindung ziehen. "Doch die ,Geld-Stecker\' ziehen allein reicht nicht", sagt Hartmann. Der Automat ist fest im Fußboden verankert", versichert der Polizeibeamte. Soviel Investitionskosten sind sicher auch drin, bei 8,99 Euro Gebühr ...

 

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