Halberstadt. Am meisten bereite ihm die unstete Finanzierung seiner Einrichtung Kopfzerbrechen, sagt Constantin Schnee, Leiter der Halberstädter Banhofsmission. "Wir leben quasi von der Hand in den Mund." Die bündnisgrüne Politikerin Claudia Dalbert, die im Rahmen ihrer Wahlkampf-Tour durch den Landkreis Harz auch Station bei der Bahnhofsmission Halberstadt machte, nickt zustimmend. "Das kostet viel Zeit und Aufwand, wenn die Finanzierung nur so kurzfristig gesichert ist", gibt sie dem Einrichtungleiter Recht. Constantin Schnee würde diese Zeit lieber in neue Hilfsangebote der Bahnhofsmission investieren. Zum Beispiel in das Projekt "Mobile Begleitung", das den Zugausstieg für Rollstuhlfahrer am Bahnhof Aschersleben erleichtern will. Oder in ein Projekt, bei dem alleinreisende Scheidungskinder beim Pendeln zwischen den getrennt lebenden Elternteilen von einem Erwachsenen begleitet werden. "Hierfür versuche ich, die finanziellen Mittel zu organisieren", so der Leiter.

"Mir ist es wichtig, nah an den Menschen zu sein und vor Ort zu sehen, was los ist", begründet Dalbert ihren Besuch. "Die Bahnhofsmission interessiert mich deshalb, weil sie eine Art Frühwarnsystem für gesellschaftliche Probleme ist." Im Jahr 2010 hatten die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Bahnhofsmission Kontakt mit beinahe 25 000 Menschen, darunter erschöpfte Reisende, Opfer von Diebstählen oder Obdachlose. "Das sind Zahlen, das denkt man gar nicht", sagt Dalbert erstaunt.