Die Initiativgruppe "Denkort Martini" wurde vom Stadtrat mit der Gestaltung und Umsetzung eines Denkortes zur Erinnerung an die Friedliche Revolution 1989 in Halberstadt beauftragt. Das Ergebnis konnte nun präsentiert werden, einzig das Geld für die Realisierung fehlt noch.

Halberstadt. Hunderttausende gingen 1989 auf die Straßen und formierten sich zur Friedlichen Revolution, die letztendlich das Ende der DDR einläutete. Auch in Halberstadt trafen sich die Menschen in der Martinikirche zum "Gebet für unser Land". Und das sogar früher als in vielen anderen Orten der damaligen DDR. Nur zwei Tage nach den Anfängen in Leipzig formierte sich rund um die Martinikirche der friedliche Protest.

An die bedeutende Rolle, die Halberstadt in diesem geschichtsträchtigen Herbst spielte, soll künftig auch ein Denkmal - vielmehr ein Denkort - erinnern. "Wir wollen, dass die Menschen einen Ort haben, an dem sie an die Ereignisse denken. Wir wollen nicht, dass sie mal denken", probiert Kristine Paul, das Anliegen des Denkortes und die Abgrenzung zu einem Denkmal zu erklären. Die Stadträtin ist Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft, die vom Stadtrat damit beauftragt worden ist, die Ausgestaltung eines solchen Ortes zu übernehmen. "Wir, die wir damals dabei waren, brauchen einen solchen Ort nicht, um uns daran zu erinnern. Dieser Denkort soll besonders die junge Generation und Besucher der Stadt, die mit dem Geschehenen in Halberstadt nicht vertraut sind, zum Nachdenken über diese wichtige Zeit anregen", so Paul weiter.

Im Rahmen einer Ideenwerkstatt präsentierten drei Künstler ihre Vorschläge. Die Arbeitsgemeinschaft, in der neben Vertretern aus Stadtrat und Verwaltung auch Zeitzeugen sitzen, entschieden sich einhellig für den Entwurf von Katharina Hinz. Dieser sieht eine neun Meter hohe Stele aus Edelstahl vor. Hunderte Metallplättchen, die die Sonne reflektieren und sich im Wind drehen, sollen nicht nur das Muster der Kirchenfenster widerspiegeln, sondern auch als Symbol für die Kerzen, die bei der Friedlichen Revolution entzündet worden sind, stehen. Dazu sollen zwei Metallplatten die Chronologie der Halberstädter Geschehnisse im Herbst 1989 erläutern. Des Weiteren plant Katharina Hinz in ihrem Vorschlag eine Art Wegweiser, der an den Straßenschilder angebracht werden könnte, die 1989 die Marschroute bildeten. Ihr Vorschlag sieht vor, direkt unter den Schildern das Motiv der Metallplättchen wieder aufzunehmen.

Die Kosten für den Denkort schätzt Kristine Paul auf bis zu 15 000 Euro. Geld, das die Stadt - die angespannte Finanzlage ist allgegenwärtig - nicht aufbringen kann. Deswegen sind die Initiatoren auf Spenden angewiesen. Kristine Paul und die übrigen Mitglieder der Initiativgruppe sammeln derzeit Spenden, die auf das Spendenkonto (siehe Infokasten) eingezahlt werden können.

Am Donnerstagabend wurde das Projekt im Bibliothekskeller der Öffentlichkeit vorgestellt und stieß auf große Zustimmung, wie Kristine Paul berichtete. Und: Durch den Getränkeverkauf an dem Abend kamen die ersten 40 Euro für das Spendenkonto zusammen. Der Anfang ist also gemacht ...