Gartenfeste sollen künftig in "abgespeckter Form" im Kleingartenverein "Dr. Hauschild" gefeiert werden. Doch auf vielfachen Wunsch wird in diesem Jahr eine Ausnahme gemacht. Denn der 90. Jahrestag der Gründung soll vom 30. Juni bis 2. Juli angemessen begangen werden.

Halberstadt (geg). Die Vorbereitungen laufen schon seit längerem, aus Ideen wurden konkrete Vorstellungen und daraus ein Plan, der zum größten Teil steht. "Früher dauerte ein Gartenfest mehrere Tage", erinnert sich Gartenfreund Otto Lemme, der lange Jahre im Vorstand aktiv war, "an diese Tradition wollen wir zum Jubiläum anknüpfen sowie Jung und Alt etwas bieten. Ehrenamtliche Arbeit kostet Zeit. Manchmal auch Nerven."

"Ehrenamtliche Arbeit kostet Zeit. Manchmal auch Nerven."

Am ersten Tag sollen die Ehrenmitglieder eingeladen werden, Gartenfreunde, die über viele Jahre das Vereinsleben mit geprägt haben. Der Landrat, Vertreter des Regionalverbandes der Gartenfreunde Halberstadt und Umgebung sowie Vertreter anderer Anlagen werden am 1. Juli darauf zur Festsitzung erwartet. Ein Kinderfest, mit allem was dazu gehört, ist für Sonnabend geplant. Eine Pferdekutsche wird Rundfahrten machen, der Kunstmaler Klaus Kuhn betreut wie immer die Malstraße und Gartenfreundinnen kümmern sich an mehreren Stationen um verschiedene Kinderspiele. Zudem ist neben Galgenkegeln und Trampolin auch Schießen am, von der Schützengilde RAW HBS 1990, betreuten Stand möglich.

Für den Abend verspricht Vereinsvorsitzender Friedrich Siebert einen Tanzabend mit besonderen Einlagen. Mehr will er noch nicht verraten. Außer dass bis in den Morgen ausgelassen gefeiert werden soll. Viel Zeit bleibt nicht zum Schlafen, denn am Sonntagmorgen lädt der Wirt zum Frühschoppen ein, dem sich Mittagessen unter anderem mit Erbsensuppe aus der Gulaschkanone und am Nachmittag ein geselliges Beisammensein mit Kaffee und Kuchen anschließen.

An die Gründung am 12. März 1921 erinnert Rudolf Fürst, stellvertretender Vereinsvorsitzender. Seit damals trägt die Anlage, die bis in die 1980er Jahre 150 Parzellen zählte, dann erweitert wurde und heute 200 Mitglieder hat, den Namen des Gründers Dr. Hauschild. Der Leipziger Schuldirektor Dr. Ernst Innocenz Hauschild verband neben dem sozialen Aspekt mit den Kleingärten weitere Ziele: Entspannung und Erholung nach der Arbeit, Aktivitäten mit der Familie und gärtnerische Tätigkeit. Am Rande der Stadt und in Nähe der Bahnanlagen gelegen, übernahmen Halberstädter Eisenbahner in großer Zahl die meist 400 Quadratmeter großen Gärten.

"Solch eine Anlage im Grünen ist wie eine kleine Gemeinde."

Es entwickelten sich Freundschaft und Solidarität über den Gartenzaun hinweg, man half sich nicht nur mit gärtnerischem Rat. Gegen Kriegsende und insbesondere in den Jahren danach dienten die Gärten zur Versorgung mit Obst und Gemüse. Später wurde zwar auch zur Eigenversorgung angebaut, außerdem aber an die Aufkaufstellen geliefert.

Für den Zusammenhalt der Gemeinschaft sorgten immer wieder Gartenfreunde, die sich über die Arbeit auf ihrer Parzelle ins Zeug legten. Ohne das ehrenamtliche Engagement in den Vorständen konnten und könnten keine Kleingartenvereine existieren, da sie wie andere Vereine auch, der Selbstverwaltung unterliegen.

Dietmar Kuck, Präsident des Landesverbandes der Gartenfreunde Sachsen-Anhalt, sagte bei seinem Besuch im vergangenen Jahr: "Solch eine Anlage im Grünen ist wie eine kleine Gemeinde."

Deshalb war ein Miteinander die Devise seit Vereinsgründung. Gemeinsam Geschaffenes war immer eine Bereicherung für alle. Die letzte ganz große Aktion war die Errichtung des heutigen Vereinshauses Anfang der 1980er Jahre. Damit erfolgte der Umzug aus dem bis dahin genutzten Domizil, das eine besondere Geschichte hat. Denn es handelt sich um die Baracke, die einst neben der Martinikirche stand und als "Saure Schnauze" bekannt war. Ende der 1950er Jahre war sie zerlegt in die Gartenanlage transportiert und originalgetreu wieder aufgebaut worden. Heute dient sie der Schützengilde RAW als Vereinshaus mit eigenem Schießstand.

"Die älteren Gartenfreunde werden sich an gute und weniger gute Zeiten erinnern", ist Rudolf Fürst überzeugt, "für viele ist die Vereinsgeschichte auch ein Stück Familiengeschichte." Das muss man nicht erst aus der umfangreichen Vereinschronik erfahren.